Beim BVB war für ihn kein Platz: Dortmunder Leihgabe empfiehlt sich für DFB-Debüt unter Jürgen Klopp | Goal.com Deutschland

Noch auf seiner Antritts-Pressekonferenz hatte Jürgen Klopp verkündet, dass die Namen von insgesamt 57 Spielern auf seiner Liste stünden, die er für seine ersten Spiele als neuer Coach der deutschen Nationalmannschaft in Betracht ziehe. Über Namen redete der 59-Jährige dabei ausdrücklich nicht, mit ziemlicher Sicherheit dürfte es aber der ein oder andere Spieler auf die Liste geschafft haben, der mit dem DFB-Team bisher noch überhaupt gar nicht in Verbindung gebracht wurde.
Allen voran auf der Position des Torwarts wird sich Klopp mehrere Optionen notiert haben. Seit dem zweiten - und nun endgültigen - Rücktritt von Manuel Neuer nach dem vorzeitigen Aus bei der WM 2026 steht das DFB-Team erneut ohne klare Nummer eins da. Der Schlussmann des FC Bayern München war für das Turnier in den USA, Mexiko und Kanada aus seinem Nationalmannschafts-Ruhestand extra noch einmal zurückbeordert worden und hatte Oliver Baumann als eigentlich vorgesehene Stammkraft auf die Bank verdrängt.
Das Turnier endete für Neuer und die DFB-Elf dabei bekanntermaßen äußerst ernüchternd. Bereits im Sechzehntelfinale musste man nach einer Niederlage im Elfmeterschießen gegen Paraguay die Segel streichen. Der FCB-Torwart verkündete daraufhin sein zweites Karriereende in der Nationalmannschaft und heizte die Debatte um die Besetzung im DFB-Kasten erneut an.
Denn wem schenkt Klopp für die kommenden Spiele in der Nations League gegen die Niederlande, Griechenland und Serbien nun das Vertrauen? Auf dem Papier bieten sich dem Bundestrainer mehrere Optionen: Einerseits kann er weiterhin auf einen erfahrenen Mann wie Hoffenheims Baumann, Alexander Nübel (Besiktas) oder den wieder genesenen Marc-Andre ter Stegen, der zur laufenden Saison von seinem Stammklub Barcelona an Ajax Amsterdam verliehen ist, als stabilen Rückhalt zwischen den Pfosten setzen.
Möglich ist auch, dass Klopp einen radikaleren Einschnitt vollzieht und mit dem frischen Wind auf der Trainerposition auch im Tor einen größeren Generationswechsel anstrebt. Interessante Kandidaten gibt es dabei genug. Jonas Urbig war bereits beim zurückliegenden WM-Turnier als Trainingskeeper dabei und gilt als designierter Nachfolger Neuers beim FC Bayern. Frankfurt-Leihspieler Noah Atubolu stand indes mehrmals vor einer Nominierung, zog gegenüber anderen Kandidaten jedoch immer den Kürzeren. Dennis Seimen vom VfB Stuttgart (derzeit verletzt) und Mio Backhaus vom SC Freiburg sind weitere noch sehr junge Spieler, die für Klopp in Zukunft in Frage kommen könnten.
Und dann gäbe es natürlich noch eine dritte Option: Mit Schalkes Loris Karius oder Dortmunds Diant Ramaj könnte Klopp auch Spielern zu ihrem Debüt verhelfen, die im Dunstkreis der deutschen Nationalmannschaft bisher noch keine große Rolle spielten. Vor allem Letztgenannter empfiehlt sich mit guten Leistungen beim FC Kopenhagen derzeit für einen Anruf des Bundestrainers.
Schon in den vergangenen beiden Spielzeit war Ramaj, der 2025 für fünf Millionen Euro Ablöse von Ajax zum BVB wechselte, verliehen. Zunächst gaben ihn die Schwarzgelben für ein Jahr nach Kopenhagen ab, im vergangenen Jahr spielte der gebürtige Stuttgarter dann leihweise beim 1. FC Heidenheim in der Bundesliga, wo er den langjährigen Stammkeeper Kevin Müller umgehend auf die Bank verdrängte.
Nun ist der 24-Jährige - erneut per Leihe - zurück in der dänischen Hauptstadt und zeigt dort, warum er für Klopp und das DFB-Tor durchaus zur Option werden könnte. Wegen Trainingsrückstands fehlte Ramaj bei den ersten beiden Pflichtspielen noch im Kader seines neuen Klubs. Die Bilanz in dieser Phase: Ein torloses 0:0 in der Conference-League-Qualifikation gegen Turku und ein bitteres 0:4 in der Liga bei Viborg. Im Anschluss bekam er seine Chancen von Beginn an - und seitdem läuft es bei Kopenhagen wie geschmiert.
Insgesamt viermal stand Ramaj für die Dänen zwischen den Pfosten. Vier Siege fuhr Kopenhagen in dieser Zeit ein, kassierte nur zwei Gegentore (dabei ein Elfmeter) und spielte zweimal zu Null. Auch wegen des 24-Jährigen feierte Kopenhagen nicht nur die Qualifikation für die Conference League, auch in der Liga übernahm man inzwischen die Tabellenführung.
Großes Lob bekam er für seine starken Leistungen unlängst von einem alten Bekannten aus der Bundesliga - Ex-Mainz-Trainer Bo Svensson, der mittlerweile beim dänischen Hauptstadtklub die Geschicke an der Seitenlinie lenkt. Ramaj habe eine "Ruhe am Ball und die Fähigkeit, sich am Spielaufbau zu beteiligen, was uns eine zusätzliche Dimension verleiht", erklärte Svensson. Gleichzeitig verfüge der deutsche Keeper über "eine starke Präsenz" auf dem Platz. Ramaj bringe "Ruhe in die Abwehrreihe und verfügt über eine ausgeprägte Siegermentalität", lobte der Kopenhagener Coach.
Für deutsche U-Mannschaften absolvierte Ramaj, der wegen der Abstammung seiner Eltern theoretisch auch für den Kosovo spielen könnte, zehn Länderspiele. Für die deutsche U20 stand er vor knapp fünf Jahren zuletzt auf dem Platz, zuvor war er auch für die U19 und die U18 aktiv.
Ob Ramaj für seine überragende Form tatsächlich mit seinem ersten A-Länderspiel belohnt wird, wird sich am 17. September zeigen. Dann muss sich Klopp auf seinen finalen Kader für die im Anschluss stattfindenden Nations-League-Begegnungen festlegen. Den Auftakt markiert die Auswärtspartie am 24. September gegen die Niederlande. Im Anschluss empfängt das DFB-Team Griechenland und Serbien, ehe die Länderspielpause mit dem Rückspiel gegen die Griechen am 4. Oktober ihr Ende findet.
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