Eberl und Kompany erzählen weitere Hintergründe zur Erkrankung von Bayern-Star Musiala | Goal.com Deutschland

Der 23-Jährige lebt schon lange mit den nun von ihm öffentlich gemachten Absencen wegen einer neurologischen Dysfunktion. Einen exakten Zeitpunkt, wann das Problem erstmals aufgetreten ist, nannte Eberl zwar nicht, sagte aber: "Wir wissen es schon die ganze letzte Saison und haben damit gearbeitet. Für uns ist das ein Alltag geworden."
Musiala brach sich im Juli vergangenen Jahres beim Viertelfinale der Klub-WM gegen Paris Saint-Germain das Wadenbein. Nach einer monatelangen Zwangspause feierte er im Januar sein Comeback, hatte seitdem aber mit diversen kleineren Blessuren zu kämpfen und fand bis heute nicht mehr zu seiner alten Form zurück. All die Zeit nahm er offenbar auch schon Medikamente gegen seine Absence-Epilepsie.
Die nun in aller Öffentlichkeit erfolgten Zusammenbrüche bei den Testspielen gegen RB Leipzig am Samstag und den 1. FC Heidenheim am Dienstag seien durch eine Umstellung der Medikamentation ausgelöst worden. "Er hat mit seiner Behandlung ein bisschen was geändert. Das hat ein bisschen Nebenwirkungen gehabt", erklärte Kompany. "Deswegen ist das dann das erste und das zweite Mal passiert. Das ist völlig normal, dass man in einer Behandlung mal was anderes probiert."
Eberl sagte: "Jeder Mensch, der Tabletten nimmt, ist froh, wenn er keine Tabletten mehr nehmen muss." Jetzt gelte es "die Medikation anzupassen, dass wir dahin kommen, wo wir schon waren, wo er sehr, sehr lange anfallsfrei gewesen ist".
Kompany thematisierte derweil den intern längst normalisierten Umgang mit Musialas Erkrankung: "Unser erster Schockmoment war schon einige Zeit her. Seitdem haben wir viel mehr Informationen bekommen, viel besser die Situation verstanden. Wir haben jede Entscheidung mit den allerbesten Informationen von den allergrößten Experten getroffen. Wir gehen nicht mit einer Unruhe um, sondern im Gegenteil."
Exemplarisch nannte Kompany die Reaktion des Betreuerstabs und vieler Mitspieler beim zweiten Vorfall gegen Heidenheim. "Die Bank war total ruhig. Michael Olise, der beste Kumpel von Jamal, war mit taktischen Anweisungen an der Bank beschäftigt", sagte Kompany. Tatsächlich eilten aber auch etliche Spieler wie Jonathan Tah umgehend zu Musiala und bildeten während der Behandlung auf dem Platz einen abschirmenden Kreis um ihn.
Musiala trainiere laut Kompany aktuell lediglich "individuell" und wird insofern auch beim Supercup gegen Borussia Dortmund am Samstag nicht im Kader stehen. Dies sei nicht auf allgemeine Bedenken, sondern auf die neuerliche Umstellung der Medikamentation zurückzuführen. "Wir wollen, dass er ohne Druck diese Adaptation macht in seiner Behandlung", sagte Kompany.
Wichtig war dem Trainer bei seiner Stellungnahme auch noch, die sportlichen Leistungen Musialas bei den beiden Testspielen bis zu seinen beiden Auswechslungen zu loben. "Eines fehlt noch in der Analyse. Es gibt auch fünf Minuten gegen Heidenheim und zehn Minuten gegen Leipzig, wo er Fußball gespielt hat", sagte Kompany.
"Schaut euch die Minuten an, die er gespielt hat. Da hat er Sachen gemacht, die nicht auf dem gleichen Level war wie unsere besten Spieler, sondern eine Stufe höher. So haben wir Jamal seit seiner Verletzung gegen Paris nicht mehr gesehen." Gegen Leipzig erzielte er sogar das Tor zum abschließenden 3:1.
Vermutlich wird Musiala beim Bundesligaauftakt gegen den VfB Stuttgart am kommenden Freitag wieder im Kader stehen. "Ich freue mich auf den Gegenangriff, der von Jamal irgendwann kommt", sagte Kompany. "Ich habe das Gefühl, dass er wieder alle Mittel hat, die Fragen auf dem Platz zu beantworten. Ich weiß in der großen Perspektive, dass er einen riesigen Fortschritt gemacht hat in diesem Sommer."
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