"Es ist, als kümmere es ihn überhaupt nicht": Yan Diomande kommt bei Real Madrid nur langsam in Fahrt - und könnte die Lösung für ein großes Problem sein | Goal.com Deutschland

Verstärkt wird die Unruhe rund um die Blancos natürlich dadurch, dass Erzrivale FC Barcelona im Moment wie von einem anderen Stern spielt und in der LaLiga-Tabelle früh enteilt ist. Dazu gesellte sich die Niederlage im Derby gegen Atletico (1:2), die ebenfalls schwer aufs Gemüt schlug.
Während der Schuldige für jene Pleite im Metropolitano in Person von Schiedsrichter Miguel Angel Ortiz Arias schnell gefunden war, sollte dies nicht darüber hinwegtäuschen, dass Real viele Probleme plagen. Im Mittelfeldzentrum ist das Post-Kroos-Problem weiter nicht behoben, die Abwehr wirkt nicht sattelfest und die überragend besetzte Offensive klickt nicht dauerhaft.
Mourinho setzte in allen sieben LaLiga-Spielen auf eine 4-2-3-1-Formation. Viele Fragezeichen gibt es dabei noch immer, vor allem, was die Besetzung des Angriffs angeht:
Dass Letzteres so ist, wurde gegen Atletico nur allzu deutlich. Eine von L'Equipe veröffentlichte Heatmap der beiden Stürmer zeichnet ein bedenkliches Bild, Atleti-Trainer Diego Simeone verriet später genüsslich: "Wir wussten, wo wir ihnen wehtun konnten, und zwar auf ihrer linken Seite."
Verstärkt wird Mourinhos ungelöstes Personalpuzzle durch die miese Form Vinicius'. Forderungen, den im Sommer mit einem neuen Vertrag ausgestatteten Brasilianer auf die Bank zu setzen, werden bei Social Media und in spanischen Medien immer lauter. Die Lösung könnte hier Diomande heißen. Er gehörte im Derbi madrileno in den 36 Minuten nach seiner Einwechslung für Vinicius immerhin zu den Lichtblicken.
Diese Lichtblicke hatte es von ihm zuvor nur spärlich gegeben. Der ivorische Nationalspieler fremdelt nach seinem spektakulären 140-Millionen-Euro-Transfer von RB Leipzig in die spanische Hauptstadt noch mit seiner neuen Mannschaft. Nur eine von sieben Partien absolvierte Diomande über die volle Distanz, ein magerer Assist lautet seine Ausbeute.
Dass angesichts der horrenden Ablöse und den ausbaufähigen Leistungsdaten schnell Ungeduld aufkommt, überrascht wenig. Auch, wenn Mourinho sich früh bemühte, die Erwartungen an den 19-Jährigen zu bremsen. Sein Schützling müsse "einen Schritt nach dem anderen machen" und sei nach dem Transfertheater mit RB und der WM-Teilnahme mit der Nationalmannschaft der Elfenbeinküste ohne Fitness nach Madrid gekommen. Trotzdem mache Diomande seine Sache gut: "Er arbeitet gut und hart, ist offen und bescheiden. Er will lernen, er will arbeiten, er hört auf mich, aber auch auf seine Mannschaftskameraden und er wird sich weiterentwickeln."
Dass der Teenager eine Menge Geld gekostet hat, ist für den Coach nicht maßgeblich: "Ich kann nicht auf die 100 Millionen schauen und wie viel noch? 120? 130? Ich weiß es nicht. Wie viel haben wir bezahlt? Über 100 Millionen Euro. Darauf kann ich nicht achten. Ich muss den jungen Spieler mit großem Potenzial betrachten, den Spieler, der eine Saison lang Spitzenfußball in der Bundesliga bei Leipzig gespielt hat. Beruhigt euch."
So richtig beruhigt hat sich die Situation aber nicht. Und dass das Murren über seine Ablöse nicht spurlos an Diomande vorbeigeht, zeigt eine Aktion im Anschluss an die Niederlage gegen Atletico. Nur wenige Stunden nach dem Spiel ging er bei TikTok live und nahm musikalisch Stellung zu einer Stichelei von Karim Adeyemis Frau Loredana. Die Gattin des Barcelona-Neuzugangs hatte nach Adeyemis Traumtor beim 4:2 gegen Levante dessen Beitrag bei Instagram simpel kommentiert mit: "140 Millionen".
Eine offensichtliche Anspielung auf Diomande und die Tatsache, dass Barca für Adeyemi mit 22 Millionen Euro nur einen Bruchteil der Diomande-Ablöse an den BVB überwiesen hatte.
Offensichtlich hatte sich das auch bis zu Diomande herumgesprochen, er reagierte in besagtem Stream musikalisch: Er bewegte die Lippen zum Song 'Migbo' des togoischen Musikers Sethlo – ein Track auf Mina (Ewe) und Französisch. In dem Lied geht es ums Durchhalten und darum, Neider abzuschütteln. Diomande tanzte und ließ wissen: "140 Millionen, das haben sie verlangt. Sie werden uns immer kritisieren, aber wir machen einfach weiter."
Nun, diese Reaktion kam nicht bei allen Real-Fans gut an, wie der Kommentarspalte zu entnehmen war. Ein Anhänger etwa schrieb: "Ernsthaft, ich kann nicht glauben, dass niemand diesem Jungen sagt, was er da anrichtet, wenn er kurz nach dem verlorenen Derby ein Video bei TikTok postet. Es ist, als kümmere es ihn überhaupt nicht."
Während Diomandes Aktion bei Social Media kontrovers diskutiert wurde, sollte aber nicht vergessen werden, dass er kurz zuvor Argumente geliefert hatte, künftig auch in der Startelf den Vorzug gegenüber Vini Jr. zu erhalten. Gegen Atletico bestritt er vier von sechs Dribblings erfolgreich, 90 Prozent seiner Pässe zum Mitspieler brachte er an und, vielleicht am wichtigsten angesichts von Reals Defiziten in der Rückwärtsbewegung: Er verrichtete in Unterzahl Drecksarbeit in der Defensive und gewann neun von zwölf Zweikämpfen. Ein außergewöhnlicher Wert für einen Flügelstürmer!
So zeigt die Tendenz bei Diomande sportlich also leicht nach oben, seinen bisher einzigen Assist im Real-Dress hatte er eine Woche vor dem Stadtderby gegen Elche gesammelt. Für Mourinho sind das gute Nachrichten, wenngleich eine Herausnahme Vinicius' zu Gunsten Diomandes gleich die nächste Baustelle eröffnen würde.
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