Macht es Vincent Kompany wie im Januar? Manuel Neuers Patzer könnte beim FC Bayern für ein Umdenken sorgen | Goal.com Deutschland

Kritische Fragen zu seinen Leistungen pariert Manuel Neuer seit jeher ähnlich leidenschaftlich wie Torschüsse. Kaum ein Profi gilt als derart Kritik-resistent wie die 40-jährige Torwartikone vom FC Bayern, kaum einer gibt Fehler so ungern zu wie er. Man denke nur an seinen Patzer bei Deutschlands 1:2-Pleite gegen Ecuador in der WM-Gruppenphase, der in seinen Augen auf gar keinen Fall ein solcher gewesen ist.
Diesmal aber hatte Neuer keine Wahl. Beim 2:2 gegen den FC Augsburg verschuldete er mit einem üblen Ballverlust den Münchner Rückstand nach nur acht Sekunden und damit gleichzeitig das schnellste Tor der Bundesligageschichte. "Das war ein blöder Fehler von mir", sagte Neuer. Jegliche Schuld von sich wies er immerhin beim zweiten Gegentor, als er einen durchaus komplizierten Schuss von Calvin Brackelmann genau vor die Füße des Torschützen Rodrigo Ribeiro parierte. Neuer wirkte dabei mindestens unglücklich, oder in seinen eigenen Worten: "Machtlos."
Seine eineinhalb Fehler gegen Augsburg passierten aus Neuers Sicht zu einem höchst unglücklichen Zeitpunkt. Denn sie geben den bereits vorab aufgekommenen Debatten um einen etwaigen Machtwechsel im Münchner Tor plötzlich eine ganz neue Dimension.
Auslöser waren Jonas Urbigs starke Auftritte im DFB-Team. Obwohl der 23-Jährige in München nur Ersatzkeeper ist, bot ihn Bundestrainer Jürgen Klopp in zwei der vier Länderspiele auf. Urbig präsentierte sich fehlerlos, kassierte kein Gegentor und zeigte beim 0:0 in Griechenland sogar eine Glanzparade. Insgesamt hinterließ er einen besseren Eindruck als der vorläufige Stammkeeper Marc-Andre ter Stegen. Urbig ging als einer der großen Gewinner aus der Länderspielphase hervor, untermauerte seinen Status als Nummer eins der Zukunft und brachte sich auch für die Gegenwart in Stellung.
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13. Okt. 2026
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Ob das etwas an der Rangordnung beim FC Bayern ändert, wurde Trainer Vincent Kompany vor dem Augsburg-Spiel gefragt. "Es freut mich, dass er mit positiven Geschichten zurückkommt", erwiderte Kompany. "Aber wir haben uns für einen ganz deutlichen Weg entschieden mit Manu als Nummer eins und Jonas als Jungen, der auf dem Weg ist, auch irgendwann hoffentlich die Nummer eins für Bayern, aber auch für Deutschland zu werden."
Gestützt wurde Kompany bei diesen Aussagen von Neuers gutem Saisonstart. Bei seinen ersten fünf Einsätzen in dieser Spielzeit leistete sich Neuer keine folgenschweren Fehler, beim 7:0 gegen Union Berlin unmittelbar vor der Länderspielphase glänzte er sogar. Nun stellt sich die Situation jedoch anders dar. Für einen Machtwechsel spricht plötzlich nicht mehr nur Urbigs Topform. Sondern auch Neuers Patzer.
Ungeachtet seines ordentlichen Saisonstarts wurden sofort Erinnerungen wach an Neuers Unsicherheiten der vergangenen Monate. Der üble Ballverlust gegen Arda Güler beim Champions-League-Duell mit Real Madrid im April, damals übrigens ebenfalls nach wenigen Sekunden. Die fünf Gegentore aus sechs Schüssen beim darauffolgenden 4:5 gegen Paris Saint-Germain. Dazu natürlich die eingangs erwähnte Szene beim WM-Spiel gegen Ecuador.
Die Münchner Verantwortlichen versuchten in Augsburg, die aufflammende Debatte umgehend zu ersticken. Kompany mache sich keine Sorgen um Neuer: "Wenn das jetzt einem 20-jährigen Torwart passiert, dann hast du als Trainer ein bisschen Arbeit. Aber Manu ist genauso alt wie ich. Der weiß, wie er damit umgehen muss."
Auch Klubpatron Uli Hoeneß und Präsident Herbert Hainer stärkten den Keeper. Laut Sportvorstand Max Eberl gebe es an der Rangordnung "überhaupt nichts zu rütteln", gleichzeitig betonte er: "Dass sich Jonas Urbig, obwohl wir einen Welttorhüter wie Manuel Neuer bei uns haben, so entwickelt hat, jetzt schon diese Stellung, diese Erfahrung und diese Spiele gemacht hat, ist außergewöhnlich. Bis jetzt geht der Plan auf, den wir im Kopf haben."
Der Plan bei Urbigs Verpflichtung Anfang 2025 sah bekanntlich vor, dass Neuer Stammkeeper bleibt, Urbig aber regelmäßig Einsätze bekommt. So kam es auch: 34 bisher, zwei davon in dieser Saison. Vergangenen Sommer verlängerte Neuer abermals um ein Jahr, es dürfte sein letztes sein, ehe ihn Urbig beerbt. Auf jeden Fall kein Teil von Eberls Plan waren jedoch öffentliche Debatten über einen vorzeitigen Rollenwechsel - oder gar die Umsetzung eines solchen.
Nach Neuers Patzer sehen viele Fans und Beobachter aber den Zeitpunkt genau dafür gekommen. Der kicker startete unmittelbar nach Abpfiff eine Umfrage, wer beim Champions-League-Spiel gegen Viking Stavanger am Dienstag im Münchner Tor stehen sollte. Tausende Fans nahmen teil, wovon sich bemerkenswerte 86 Prozent für Urbig aussprachen (Stand Montagmorgen). Es ist anzunehmen, dass viele davon auch einen generellen Torwartwechsel befürworten würden.
Den bisherigen Erfahrungswerten bei der Rotation zwischen den beiden Keepern zufolge erscheint das Spiel gegen Stavanger wie ein klassisches Urbig-Spiel. "Ich habe eine Vorahnung", sagte Neuer in Augsburg kryptisch mit Blick auf die Startelf-Besetzung am Dienstag. Kompany wich einer entsprechenden Nachfrage aus. Sollte Urbig spielen und auch überzeugen, würde die Debatte die nächste Dimension erreichen.
Vielleicht denkt Kompany genau deshalb um. Laut kicker war es tatsächlich der ursprüngliche Plan, Urbig aufzustellen. Mittlerweile soll es aber Überlegungen geben, dass doch Neuer spielt, damit er sich direkt rehabilitieren kann. Dieses Vorgehen würde Erinnerungen wecken: Im Januar 2026 patzte Urbig kurioserweise ebenfalls gegen Augsburg. Kompany bot ihn beim darauffolgenden Spiel gegen die PSV Eindhoven erneut auf - und nun glänzte er.
Eines steht ungeachtet aller Debatten und Überlegungen jetzt schon fest: Solange Neuer aktiv ist, wird Urbig niemals in der Öffentlichkeit Ansprüche auf einen Stammplatz anmelden, sondern nur immerzu von der alltäglichen Arbeit mit Neuer schwärmen. Kampfansagen oder andere polarisierende Statements sind Urbig so fremd wie Neuer Schuldeingeständnisse.
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