Bayern-Boss nennt ihn "Drecksack": Wer ist Olise-Albtraum Zlatko Tripic? | Goal.com Deutschland

Im April erschien in der renommierten norwegischen Regionalzeitung Stavanger Aftenblad ein Kommentar über Zlatko Tripic mit dem Titel: "Der Kapitän von Viking ist kein Arschloch. Er verkörpert genau die Mentalität, nach der wir schon lange gesucht haben." Als amtierender Meister blickte Viking Stavanger damals der ersten Champions-League-Teilnahme seit 1992 entgegen. "Man kann durchaus über vieles diskutieren, was Zlatko Tripic auf dem Fußballplatz tut", hieß es in dem Text weiter. "Aber seine Siegermentalität ist Teil jenes lang ersehnten Zynismus, auf den Viking in jedem einzelnen Spiel in Europa stoßen wird."
Auslöser des damaligen Kommentars waren Vorfälle beim Spitzenspiel der norwegischen Liga zwischen Viking und Valerenga Oslo. Viking gewann das hitzige Duell letztlich knapp mit 1:0. Kapitän Tripic feierte nach Abpfiff exzessiv vor der gegnerischen Bank, woraufhin er von einem ganzen Rudel an Valerenga-Vertretern attackiert wurde. Das Resultat? Tripic sah Gelb, Valerengas Sebastian Jarl Rot. Mission erfüllt. Und in Fußball-Norwegen wurde debattiert, ob Tripic ein "Arschloch" sei.
Jedenfalls ist der 33-jährige Linksaußen ein absoluter Meister darin, genau so viel zu provozieren, dass er selbst gerade noch durchkommt. Während seine Kontrahenten letztlich die Fassung verlieren und bestraft werden. So war es damals gegen Valerenga, so war es schon sehr oft und so war es nun auch gegen den FC Bayern. Das ganze Spiel über nervte Tripic seinen Gegenspieler Michael Olise (und allen anderen Münchner auch). Bis Olise genug hatte, ihm den Ball ins Gesicht warf und dafür vom Platz gestellt wurde.
Laut Sportvorstand Max Eberl hätte Tripic "wie ein Drecksack" gespielt. TV-Experte Christopher Kramer sagte: "Der Kollege Tripic wäre mir irgendwann auch auf den Sack gegangen. Direkt bei der Roten Karte habe ich gedacht: 'Ich fühl' Dich.'"
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Und was sagt Tripic selbst? "Es ist großartig, dass sich ein solcher Spieler - der höchstwahrscheinlich irgendwann den Ballon d'Or gewinnen wird - ein wenig über einen Jungen aus Lyngdal ärgert. Ich bin nicht so schnell wie Michael Olise, aber ich habe das Gefühl, dass ich etwas in mir habe, was nicht jeder hat. Als es mir gelang, seinen Fokus von dem abzulenken, was er außergewöhnlich gut kann, verlor er am Ende die Fassung und warf mir den Ball ins Gesicht. Ich habe das Gefühl, dieses Duell mit ihm gewonnen zu haben."
Tatsächlich gewann Tripic nicht nur das persönliche Duell mit Olise. Sondern gab dem Spiel damit auch die letzte entscheidende Wendung. In Überzahl raffte sich Viking nochmal auf und kam in der 90. Minute zum 3:3 Ausgleich. Nach einer 1:3-Pleite gegen den VfB Stuttgart zum Auftakt gelang Viking somit der erste Punktgewinn in dieser Champions-League-Saison. Es ist die zweite Teilnahme nach 1992/93, als Viking gleich in der ersten Runde am FC Barcelona scheiterte.
Tripic selbst spielt nun im Alter von 33 Jahren überhaupt zum allerersten Mal in der Champions League. Er wurde im kroatischen Rijeka geboren, wuchs in Norwegen auf und verweist gerne auf seine "Balkan-Mentalität". Die Anfangszeit seiner Karriere verbrachte er bei verschiedenen Klubs in der norwegischen Liga, ehe er 2015 mit 22 zum deutschen Zweitligisten SpVgg Greuther Fürth wechselte.
In Erinnerung blieb Tripic dort weniger wegen seines zweieinhalb Jahre andauernden Daseins als Ergänzungsspieler. Sondern wegen eines Vorfalls in einer Nürnberger Diskothek. Im Zuge einer Schlägerei stürzte er von einer vier Meter hohen Empore und zog sich dabei einen Bruch des Schädeldaches zu. Bald nach seinem Comeback verließ er Fürth und wechselte zu Sheriff Tiraspol in die moldawische Rebellen-Region Transnistrien. Irgendwie passend.
Seit 2018 spielt Tripic für Viking, unterbrochen nur von einem kurzen Intermezzo bei Göztepe in der Türkei. Als "König von Stavanger" verehrt ist er mittlerweile der Spieler mit den fünftmeisten Pflichtspielen der Klubgeschichte, den drittmeisten Toren und den allermeisten Assists. In dieser Saison hält er nach 28 Pflichtspielen bei sensationellen 23 Assists. Zwei davon gelangen ihm gegen den FC Bayern, was angesichts des Olise-Vorfalls etwas unterging.
Die allersensationellste Statistik seiner Karriere ist aber eine andere: In 436 Pflichtspielen kassierte Tripic erst einen einzigen Platzverweis. Damit liegt er unter anderem gleichauf mit Michael Olise. Der Vollständigkeit halber muss man aber sagen: Einmal wurde Tripic auch nachträglich für zwei Spiele gesperrt und zwar im August 2025, als er bei einem Duell mit Rosenborg Trondheim seinen Gegenspieler Adrian Pereira am Hals packte und damit eine Massenschlägerei auslöste.
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