"Wir wissen einfach nicht, warum er den Verein so schlecht managt": Ein Traditionsklub steht wegen seines Besitzers am Abgrund | Goal.com Deutschland

Wenn es eine News wert ist, dass der Chef mal wieder in seiner Firma vorbeischaut, ist es entweder ein seltsamer Boss oder ein merkwürdiges Unternehmen – oder wie im Fall des Valencia CF beides. "Peter Lim visits Valencia", verkündete der spanische Erstligist stolz im Juli und belegte dies mit einer Fotostrecke und einem Video, als ob es einen Beweis bräuchte.
Peter Lim schaut auf den Bildern interessiert, lässt sich Dinge erklären, die in seiner Firma passieren. Der Mann aus Singapur, rund zwei Milliarden Dollar schwer, ist der Klubbesitzer der "Fledermäuse" – und in der Stadt am Mittelmeer die wohl meistgehasste Person.
Die Charmeoffensive sollte in der Sommerpause Zuversicht verbreiten, dass sich bei Valencia vielleicht doch noch alles zum Guten wendet. Denn in den vergangenen Jahren ging es für den ehemaligen Champions-League-Finalisten immer weiter bergab – bis aktuell auf den vorletzten Platz in LaLiga, der durch die 2:3-Heimniederlage gegen Real Sociedad zementiert wurde.
In diesem Duell saß mit Oscar Sanchez der Coach der zweiten Mannschaft auf der Bank, denn den ersten Trainerwechsel der Saison, inklusive eines kompletten Umkrempelns der Führungsetage, hat das Team auch schon hinter sich: Der ehemalige mexikanische Nationaltrainer Javier Aguirre gilt nun als Favorit darauf, den Posten in Valencia zu übernehmen. Ob er schon genau weiß, worauf er sich einlässt, darf bezweifelt werden.
Dass er in Valencia persönlich auf Peter Lim trifft, auch. Denn der zeigte sich erst nach sieben Jahren Pause im Sommer zum ersten Mal wieder in der Stadt, überraschend und ohne Vorankündigung, denn sonst wäre es wohl zu großen Protesten bei seinen Auftritten gekommen. Lim kaufte den Klub 2014 und machte sich nach einigen guten Deals in den ersten Jahren vor allem seit dem Sommer 2019 keine Freunde mehr bei den Valencia-Fans: Damals mussten der Erfolgstrainer Marcelino und auch Sportdirektor Mateu Alemany nach dem Gewinn der Copa del Rey gehen, weil sie komplett andere Vorstellungen als Lim und der Vorstand hatten, was die zu tätigenden Transfers anging.
Überhaupt sorgen die Zu- und Abgänge bei den "Fledermäusen" in den letzten Jahren regelmäßig für Rätselraten bei den eigenen Fans. "Es ist schwer, Lims Management zu verstehen. Wir alle verstehen es nicht", sagte der Schriftsteller Rafa Lahuerta, einer der größten Kritiker, der Zeitung ARA. "Will er Geld verdienen? Wir wissen einfach nicht, warum er den Verein so schlecht managt", ergänzte er, um danach ein böses Fazit zu ziehen: "Er lässt den Klub sterben."
Der größte Vorwurf an Lim, zu dem auch seine jahrelange Abwesenheit passt? Der Geschäftsmann habe komplett das Interesse verloren, kümmere sich überhaupt nicht um den Verein, sondern wolle nur bei Transfers mitverdienen. "Lim Go Home", stand auf den kleinen gelben Schildern, die die Valencia-Fans im Stadion regelmäßig in die Höhe hielten. Aber eigentlich wollen sie, dass er gerade nicht zu Hause ist, sondern vorbeikommt, mit ihnen spricht, sich erklärt, etwas tut, was sie verstehen.
Auch bei seinem Besuch im Sommer gab es kein Wort von Lim, der sich bei einem zentralen Thema des Valencia-Niedergangs im positiven Licht sonnen wollte: dem Nou Mestalla. Die Stadionfrage beschäftigt den Klub bereits seit 2007, als mit den Arbeiten an der neuen Arena begonnen wurde, die das legendäre Mestalla ablösen soll. Es folgten die Finanzkrise von 2008, zahlreiche neue Entwürfe für das Stadion, das zunächst für mehr als 70.000 Zuschauer geplant war, und ein jahrelanger Baustopp. Erst seit 2025 wird wieder im Nou Mestalla gewerkelt, und Lim schaute sich höchstpersönlich den Fortschritt auf der rund 300 Millionen Euro teuren Baustelle an.
Im kommenden Sommer soll, 20 Jahre nach Beginn der Bauarbeiten, der Umzug ins neue Stadion erfolgen, das nur noch 49.000 Fans fassen soll – und in dem dann nur Zweitliga-Fußball geboten werden könnte. Seit 40 Jahren ist Valencia ununterbrochen erstklassig, doch aktuell sieht es danach aus, als sollte keine 41. Saison in Serie in LaLiga dazukommen.
Niemand in Valencia wird dann behaupten, dass sich diese Entwicklung nicht schon seit Jahren abgezeichnet hätte. Und Peter Lim wird mit seinem nächsten Besuch in der Stadt wohl noch ein wenig länger warten.
Orijinal haberi okuyun