Der neue Nick Woltemade des VfB Stuttgart findet eigenen Transfer bizarr | Goal.com Deutschland

Egal, wie sehr man sucht oder wen man fragt - in der Niederlande hat bislang niemand Tim van der Leij mit Erling Haaland verglichen. Dabei hatte es geheißen, als der VfB Stuttgart den 20-jährigen Sturmer von RKC Waalwijk verpflichtete, im Nachbarland würde man ihn bereits als "Haaland 2.0" bezeichnen. Allerdings nur in deutschen Medien.
Nun gut, die äußerlichen Gemeinsamkeiten sind im sprichwörtlichen Sinne nicht an den Haaren herbeigezogen. Van der Leij hat wie der Norweger eine lange Pracht auf dem Kopf, die er beim Kicken mit einem Stirnband bändigt. Und er ist sehr groß, mit 1,93 Meter nur geringfügig kleiner als der ehemalige Dortmunder.
Sieht man Van der Leij spielen, erinnert er allerdings vielmehr an einen Ex-Stuttgarter. Da der Niederländer trotz seiner stattlichen Größe besonders im technischen Bereich über ausgezeichnete Fähigkeiten verfügt, kommt schnell Nick Woltemade in den Sinn.
1,2 Millionen Euro ließen sich die Schwaben den Angreifer kosten, der bislang in keiner U-Nationalelf auflief, aber dennoch einen steilen Aufstieg hinter sich hat. Van der Leij wurde einst drei Jahre lang von der PSV Eindhoven ausgebildet, ehe er zwischen 2017 und 2025 für Vitesse Arnheim spielte. Dort schoss für U18, U19 und U21 in 59 Pflichtspielen 25 Tore.
Da Vitesse im vergangenen Sommer unmittelbar vor dem Lizenzentzug stand und er daher ablösefrei zu haben war, schlug Eredivisie-Absteiger Waalwijk zu. Der Wechsel zum niederländischen Fahrstuhlklub in die 2. Liga verschlug van der Leij zurück in seine Heimatprovinz Noord-Brabant - und ließ ihn auf Anhieb glänzen.
Zwar schaffte der Tabellensechste Waalwijk in den Playoffs doch nicht den sofortigen Wiederaufstieg, doch dass es überhaupt so weit kam, hatte viel mit van der Leij zu tun. 13 Buden schoss er in der Liga, im Pokal traf er in drei Partien viermal. Diese Quote sowie seine Entwicklung als Stammkraft reichten aus, um ihn zum VfB zu bringen und dort einen Vertrag bis 2030 zu erhalten.
Dort ist er zwar zunächst für die zweite Mannschaft in der 3. Liga vorgesehen, um sich an das neue Umfeld zu gewöhnen. Doch seine Verpflichtung wurde über die Kanäle der Profis bekannt gegeben, zudem lichtete man van der Leij bei der Vertragsunterzeichnung mit Sportdirektor Christian Genter ab. Van der Leijs Vorbild muss nun sein Landsmann Ramon Hendriks sein, der von derselben Berateragentur vertreten wird. Auch der 24-Jährige kam vor vor zwei Jahren zunächst in der Zweiten zum Einsatz, etablierte sich aber im Nu als Stammspieler bei den Profis.
Für van der Leij ist der Sprung nach Deutschland so oder so ein großer. "Stuttgart II spielt in der 3. Liga, die wohlgemerkt auch eine starke Liga ist. Bei manchen Vereinen spiele ich vor 20.000 oder 30.000 Zuschauern. Wahnsinn, oder? Das ist deutlich mehr als an einem Freitagabend in Waalwijk", sagte er kürzlich dem niederländischen Fußballmagazin Voetbal International.
Dort zeigte sich der beidfüßige Stürmer reichlich überrascht, dass man am Neckar überhaupt auf ihn aufmerksam wurde. Mehrfach benutzte er das Wort "bizarr", um seinen Transfer zu beschreiben. "Ehrlich gesagt habe ich diesen Schritt natürlich auch nicht erwartet", sagte van der Leij. "Von der U19 von Vitesse zum VfB in nur einem Jahr - das klingt nicht gerade logisch."
Angesichts dessen hegte er sogar Zweifel, ob er der lukrativen Offerte überhaupt zustimmen sollte. "Ich habe zu Hause darüber gesprochen. Geht das nicht alles etwas zu schnell? Wäre es nicht besser, noch etwas zu warten? Aber es war eine so großartige Chance, die ich mir einfach nicht entgehen lassen konnte. Wer sagt denn, dass sie nächste Saison wiederkommen? Ich musste diese Chance ergreifen. So habe ich es empfunden."
Wie van der Leijs Perspektiven in Stuttgart aussehen, wird spannend zu verfolgen sein. Beim 7:0-Testspielsieg zuletzt in Balingen kam er bereits 45 Minuten für das Team von Sebastian Hoeneß zum Einsatz. Nach ersten Einheiten mit der Ersten wird der Niederländer sehr wahrscheinlich auch ins baldige Trainingslager in Grassau mitfahren.
Einen großgewachsenen, körperlich imposanten Mittelstürmer hat Hoeneß nicht in seinem Kader. Ermedin Demirovic ist acht, Deniz Undav gar 14 Zentimeter kleiner als van der Leij, den sein ehemaliger Arnheim-Trainer Rüdiger Rehm gegenüber der Heilbronner Stimme als "Maschine" bezeichnete.
Wie einst Woltemade ist van der Leij dank seiner Statur im Luftkampf überlegen, kann als Zielspieler aber auch den Ball sehr gut halten und abschirmen. Im Strafraum bewies er bei Waalwijk eine hohe Zielstrebigkeit und schlug dank eines tollen Stellungsspiels eiskalt zu, ob per Kopf oder mit dem Fuß. Dazu zeigte er ein überzeugendes Pressingverhalten. Eine gewisse Unermüdlichkeit und viel Energie kennzeichnen sein Spiel.
"Das Verrückte ist, dass ich als kleiner Junge meinem Vater immer gesagt habe, dass ich eines Tages in der Bundesliga spielen will", sagte van der Leij und hofft darauf, "wenn alles gut läuft", es "irgendwann mal" in den Profikader zu schaffen: "Vielleicht sogar in einem Champions-League-Spiel. Das wäre echt cool."
Bis dahin ist es freilich noch ein sehr langer Weg. Sehr wahrscheinlich der weiteste, den er in seiner Laufbahn bisher zu gehen hatte. Doch ausgeschlossen ist nichts, auch vonseiten des VfB. Eine Situation, die van der Leij bekannt vorkommen dürfte.
Auch in Waalwijk war er nämlich als zweiter Stürmer hinter der etablierten Nummer neun verpflichtet worden. Auch damals hieß es, van der Leij benötige noch Zeit, dann werde man weitersehen. Kurz darauf führte kein Weg mehr an ihm vorbei und er war in aller Munde. Nur auf den Haaland-Vergleich, da war in der Niederlande einfach niemand gekommen.
Mannschaft
Pflichtspiele
Tore
Vorlagen
Vitesse Arnheim U18
38
16
1
Vitesse Arnheim U19
13
6
0
Vitesse Arnheim U21
8
3
0
RKC Waalwijk
38
17
0
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