Diskussion um Arsenal-Star: "Glaube nicht, dass Havertz in irgendeiner Form so gut ist wie Firmino" | Goal.com Deutschland

Am Sonntag traf Havertz mal wieder gegen seinen Ex-Klub FC Chelsea und mal wieder in einem wichtigen Spiel. In sehenswerter Manier knallte er das Leder beim 2:1-Erfolg Arsenals in der Premier League zum zwischenzeitlichen Ausgleich von rechts nach innen ziehend ins kurze Eck. Es war bereits das dritte Saisontor des 27-Jährigen im vierten Einsatz und bereitete den Weg für den Erfolg der Gunners im Spitzenspiel gegen den Londoner Nachbarn. Titelverteidiger Arsenal steht so mit neun Punkten aus drei Spielen mit blütenweißer Weste da und belegt in der Tabelle Rang zwei.
Von Cheftrainer Mikel Arteta gab es anschließend nicht nur wegen des Treffers ein Sonderlob für Havertz, der wenig später mit Ehefrau Sophia erneute Vaterfreuden ankündigte: "Er wirkt glücklich. Er wirkt ausgeglichen und zufrieden, und auch in seinem Privatleben hat sich viel Positives getan. Er fühlt sich fit, trainiert täglich und hat derzeit einen festen Rhythmus. Er erzielt Tore, aber nicht nur das - er leistet auch hervorragende Arbeit für die Mannschaft."
Diese "hervorragende Arbeit" verrichtet der vielseitige Havertz wieder im Sturmzentrum. Auch, weil die geplante Verpflichtung einer hochkarätigen Nummer neun nicht gelang. Arsenal bemühte sich um Atletico Madrids wechselwilligen Weltmeister Julian Alvarez, dieser wollte aber lieber nach Barcelona. Seine Verpflichtung scheiterte ebenso wie der Flirt mit Real-Flügelstürmer Vinicius Junior.
Havertz und Viktor Gyökeres bleiben so die beiden einzigen Kandidaten in vorderster Front und Havertz hat gegenüber dem schwedischen Nationalspieler die Nase vorn.
Zu Havertz und dessen Rolle entwickelte sich am Rande des Chelsea-Spiels eine hitzige Diskussion zwischen drei ehemaligen englischen Nationalspielern. Bei Sky Sports philosophierten Gary Neville, Daniel Sturridge und Jamie Carragher über den Deutschen und Neville eröffnete mit der Aussage, Havertz machen Rechtsaußen Bukayo Saka "das Leben schwerer. Wenn der einen herausragenden Stürmer an seiner Seite hätte, würde er mehr Tore schießen."
Ex-Stürmer Sturridge warf ein, er stimme Neville ausdrücklich nicht zu. Nevilles Replik: "Du meine Güte! Du glaubst also nicht, dass es dir den Job erleichtert, wenn du mit besseren Spielern spielst?" Sturridge erklärte daraufhin: "Das tue ich, aber wenn du einen Torjäger in der Mitte hast, bedeutet das auch, dass du weniger Schüsse von außen abgeben kannst. (…)."
Neville beharrte auf seiner Position und führte unter anderem aus, in einer Angriffsreihe mit Alvarez und Vinicius hätte Saka mehr Freiheiten. "Havertz vorne drin bedeutet, dass die beiden Innenverteidiger immer ein bisschen auf seine (Sakas) Seite herausrücken können", so der einstige Kapitän Manchester Uniteds. Havertz sei zwar "ein guter Spieler, aber lässt dich nicht gerade vor Angst erstarren".
Carragher schlug einen Vergleich zu Jürgen Klopps großartiger Liverpool-Mannschaft vor einigen Jahren, in der mit Roberto Firmino auch kein gelernter Stürmer in der Mitte stand und in der Rechtsaußen Mohamed Salah trotzdem massig Treffer markierte. "Ihn hat das auch nicht behindert", betonte Carragher.
Dieser Vergleich mit dem ehemaligen Hoffenheimer erzürnte Neville schließlich: "Nein, nein, nein, nein. Bitte, bitte sei nicht so respektlos gegenüber Firmino. Er war ein unglaublicher Spieler und lebenswichtig für Salah und (Sadio) Mane." Auf Carraghers Frage, wieso Havertz nicht ebenso wichtig sein könne, urteilte Neville: "Ich glaube nicht, dass Havertz in irgendeiner Form so gut ist wie Firmino."
Nevilles These widerlegte Havertz am Sonntag dann allerdings nicht nur mit seinem Tor, sondern auch mit seiner Beteiligung am Siegtreffer Martin Ödegaards. Eine Tzolis-Vorlage von der linken Seite ließ er clever durch für den Norweger und dieser vollstreckte eiskalt. Anschließend war er bester Laune und witzelte auch auf die Reporterfrage, ob er dafür nicht einen "halben Assist" bekommen müsste: "Ich hoffe es. Ich habe den Ball zwar nicht berührt, aber vielleicht müssen wir mal mit der Abteilung der Premier League sprechen."
Auch Arteta dürften Nevilles Aussagen herzlich egal sein. Er gilt seit jeher als Fan des deutschen WM-Teilnehmers und wird ihn mutmaßlich am Mittwochabend zum Auftakt der Champions-League-Saison gegen Napoli (21 Uhr) als Stürmer aufstellen.
Havertz' starke Frühform dürfte indes auch Klopp mit Interesse verfolgen. Der neue Bundestrainer gibt am 17. September seinen DFB-Kader bekannt. Havertz, der es bislang auf 62 Länderspiele und 25 Tore bringt, gilt auch unter dem Nagelsmann-Nachfolger als Fixpunkt. Kurz vor dem Beginn der verkorksten Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko nannte ihn zum Beispiel Ex-Nationalstürmer Thomas Müller im Gespräch mit Klopp bei MagentaTV noch einen "Ankerspieler" der deutschen Nationalmannschaft: "Er ist absolut gesetzt auf der Neun und er soll, wenn er kann, jede Minute machen. Wir haben viele, viele, talentierte Spieler. Aber wir haben vielleicht nicht dieses glasklare Gerüst." Er wolle Havertz "jede Minute auf dem Platz sehen", so der Weltmeister von 2014 weiter.
Ob Klopp in seinen ersten Länderspielen auf diesen Rat hört, ist offen. Sicher ist aber, dass er ihn während seines ersten Lehrgangs aus nächster Nähe mit seinem Ex-Schützling Firmino vergleichen kann.
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