Dickes Plus trotz riesiger Ausgaben: Real Madrids cleverer Schachzug auf dem Transfermarkt | Goal.com Deutschland

Veröffentlicht am 29 Jul 2026 | Lesezeit: 4 MinutenDickes Plus trotz riesiger Ausgaben: Real Madrids cleverer Schachzug auf dem Transfermarkt | Goal.com Deutschland

Schlappe 7,5 Millionen Euro sind es, die der oberflächliche Blick auf die bisherigen Transfereinnahmen von Real Madrid im Sommer 2026 offenbart. Fran Garcia wechselte für vier Millionen Euro zu Real Betis nach Sevilla. Und Mario Martin, vergangene Saison schon an den FC Getafe verliehen, wurde vom LaLiga-Konkurrenten der Madrilenen nun für 3,5 Millionen Euro fest verpflichtet. Das war's erstmal.

Doch bei genauerem Hinsehen stellt man fest: Tatsächlich hat sich Real seinen bisherigen Transfersommer aus Spielerverkäufen komplett selbst finanziert. Bernardo Silva und Ibrahima Konate kamen ablösefrei, für Denzel Dumfries flossen 20 Millionen Euro an Inter Mailand und Marc Cucurella eiste Real für 55 Millionen Euro vom FC Chelsea los. Rechnet man die 15 Millionen Euro Ablöse dazu, die fällig wurden, um den neuen Trainer Jose Mourinho aus dem laufenden Vertrag bei Benfica heraus zu bekommen, haben die Königlichen bis dato 90 Millionen Euro investiert.

Dennoch steht derzeit ein deutliches Transferplus zu Buche. Denn: Dank eines klugen Schachzugs, den Real in den letzten Jahren konsequent anwandte, wenn man ein Talent abgab, flossen - die 3,5 Millionen für den zuletzt verliehenen Mario Martin eingerechnet - mehr als 110 Millionen Euro für Spieler in die königlichen Kassen, die vergangene Saison gar nicht Teil des Kaders waren. Personeller Aderlass also gleich null, dafür hohe und sehr wichtige Einnahmen, die auf den ersten Blick fast unbemerkt blieben.

Wie das möglich ist? Das Zauberwort lautet: Weiterverkaufsbeteiligung. Oder präziser formuliert: Eine üppige Weiterverkaufsbeteiligung in Höhe von satten 50 Prozent. Prominentestes Beispiel ist ein frischgebackener Weltmeister. So darf sich Victor Munoz seit dem 19. Juli mit Recht nennen, wenngleich er bei der WM 2026 keine Minute für Spanien zum Einsatz kam.

Der 23-Jährige, aus Barcelona stammend und beim Real-Erzrivalen Barca einst im Nachwuchs aussortiert, wechselte mit 18 ausgerechnet nach Madrid. Da der Durchbruch in der ersten Mannschaft außer Reichweite schien, ließ Real Munoz 2025 zu CA Osasuna ziehen. Dort startete der Offensivspieler durch, wurde spanischer Nationalspieler und war dem FC Liverpool 40 Millionen Euro wert. Stichwort Weiterverkaufsbeteiligung: Die Hälfte davon ging auf Reals Konto, schnell verdiente 20 Millionen Euro. Noch besser für die Blancos: Da man von Osasuna vergangenes Jahr 25 Millionen Euro Ablöse für Munoz erhalten hatte, sind es insgesamt sogar 45 Millionen Euro, die man für einen Spieler mit gerade mal vier Einsätzen für das A-Team eingenommen hat.

15 Millionen Euro wanderten derweil im Fall Mario Gila einfach mal so in die königlichen Kassen. Der Innenverteidiger kommt genau wie Munoz aus Barcelona, von Espanyol holte Real ihn mit 18 in den eigenen Nachwuchs. Für zwei Kurzeinsätze bei der ersten Mannschaft sollte es für Gila später reichen, über die Castilla empfahl sich der Abwehrmann dafür, anderswo höhere Aufgaben zu übernehmen. Lazio Rom holte ihn 2022 nach Italien, vor kurzem zog Gila nun für 30 Millionen Euro Ablöse zur AC Milan weiter. Über 50 Prozent davon durfte sich Real freuen.

Insgesamt 21,75 Millionen Euro fanden indes aus Bournemouth unter dem Rader ihren Weg ins Bernabeu. 9,25 Millionen Euro davon brachte Alex Jimenez seinem Jugendklub ein. Der Außenbahnspieler wurde im Nachwuchs lange bei Real ausgebildet, wechselte noch als U19-Spieler dann 2023 zunächst per Leihe zur AC Milan, ein Jahr später folgte der feste Transfer ins San Siro. Ein Spiel für die erste Mannschaft der Königlichen absolvierte Jimenez nie, dank seines Wechsels aus Mailand nach Bournemouth verdienten die Königlichen mit dem Eigengewächs aber eine stattliche Millionensumme. Der 21-Jährige war schon vergangene Saison von Milan nach England verliehen worden, Bournemouth zog nun die 18,5 Millionen Euro schwere Kaufoption - und verlieh Jimenez wenig später an die AC Florenz.

Tatsächlich in Bournemouth aktiv ist kommende Saison Alvaro Rodriguez. Den Mittelstürmer hatte Real einst in der U17 aus Girona geholt, anders als bei Jimenez reichte es für Rodriguez zumindest für den einen oder anderen Einsatz in der ersten Mannschaft. Zehnmal durfte er für Reals A-Team ran, dabei gelang ihm sogar ein ganz besonderer Auftritt: Im Februar 2023 im Stadtderby gegen Atletico für die Schlussviertelstunde eingewechselt, bewahrte Rodriguez die damals von Carlo Ancelotti trainierte Mannschaft mit seinem 1:1-Ausgleichstreffer vor der Niederlage gegen den Lokalrivalen. Vorlagengeber: Kein Geringerer als Luka Modric.

Allen voran machte sich Rodriguez aber über die Castilla für andere namhafte Vereine interessant, nach einer Leihe an Getafe legte 2025 der FC Elche 14,5 Millionen Euro Ablöse für den Angreifer auf den Tisch. Ein Jahr später und nach einer guten Saison in LaLiga war Rodriguez Bournemouth nun 25 Millionen Euro wert. 12,5 Millionen Euro also für Real.

Den dicksten Batzen der gut 110 Millionen Euro beinahe unbemerkter Transfereinnahmen hat der spanische Vizemeister allerdings einer anderen Weiterverkaufsbeteiligung zu verdanken. Nico Paz, eines der größten Talente aus dem eigenen Nachwuchs, hatte Real 2024 an Como abgegeben. Dort entwickelte sich der offensive Mittelfeldspieler prächtig, seine kurzfristige Zukunft liegt aber nicht in Madrid, sondern weiterhin in Como. Zwar zog Real die Rückkaufklausel in Höhe von neun Millionen Euro, für wohl 60 Millionen Euro hielten die Italiener Paz allerdings in ihren Reihen. Verrechnet macht das also 51 Millionen Euro für Real, das sich zudem für 2027 eine erneute Rückkaufoption gesichert hat.

Was das lohnenswerte Modell Weiterverkaufsbeteiligung angeht, könnte das Ende der Fahnenstange für Real diesen Sommer derweil noch nicht erreicht sein. Mit Sergio Arribas verdienen die Königlichen demnächst möglicherweise noch an einem weiteren Spieler, der zuletzt gar nicht mehr im Kader stand. Der offensive Mittelfeldmann, bei Real ausgebildet, hat sich mit einer herausragenden Saison für den spanischen Zweitligisten UD Almeria mit 33 direkten Torbeteiligungen in 47 Einsätzen für größere Vereine interessant gemacht. Benfica klopft wohl besonders laut bei Arribas an, zwölf Millionen Euro Ablöse sind im Gespräch. Sechs Millionen davon würden kurzerhand in Madrid landen.


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Bericht William Hill

William Hill

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