Serge Gnabry kann seinen "Titel" beim FC Bayern nicht verteidigen | Goal.com Deutschland

Wie immer nach großen Turnieren verpassten beim FC Bayern auch im Sommer 2021 etliche Leistungsträger den Trainingsauftakt. Dafür spielten sich unter dem neuen Trainer Julian Nagelsmann zwei Talente in den Vordergrund: Josip Stanisic und Tanguy Nianzou.
Das damals 21-jährige Eigengewächs Stanisic hatte bereits in der vorangegangenen Saison für die Profis debütiert. Nun profitierte er von einer Verletzung Benjamin Pavards und stand beim Bundesliga-Auftakt gegen Borussia Mönchengladbach rechts hinten sogar in der Startelf. In den darauffolgenden Wochen sammelte Stanisic weitere Einsätze, nach Wiedergenesung holte sich Pavard seinen Stammplatz aber zurück. Stanisic blieb zunächst Rotationsspieler, ehe er in Folge einer Leihe zu Bayer Leverkusen 2023/24 mit ganz neuem Stellenwert nach München zurückkehrte.
Nianzou war 2020 als eines der weltweit vielversprechendsten Abwehrtalente von Paris Saint-Germain gekommen. Nach einer von Verletzungen und Sperren geprägten Premierensaison schien es, als wäre im Sommer 2021 seine Zeit gekommen. Die starke Vorbereitung war aber nur ein kleines Strohfeuer. 2023 wechselte Nianzou zum FC Sevilla, seit diesem Sommer kickt er für OSC Lille.
"Wenn man will, kann man ihn Gewinner der Vorbereitung nennen", sagte Nagelsmann im August 2022 - und mit "ihn" meinte er Marcel Sabitzer. Der österreichische Mittelfeldspieler hatte in seiner ersten Saison beim FC Bayern enttäuscht und galt bereits als Verkaufskandidat. In der Vorbereitung 2022 drehte er in Abwesenheit des verletzten Platzhirschs Leon Goretzka aber plötzlich auf. Nachhaltig war Sabitzers Aufschwung nicht: Schnell rückte er wieder ins zweite Glied, im Winter wechselte er per Leihe zu Manchester United und dann im Sommer 2023 fest zu Borussia Dortmund.
Sabitzer war nicht der einzige Mittelfeldspieler, der im Sommer 2022 für Furore sorgte: Auch Neuzugang Ryan Gravenberch zeigte eine gute Frühform. Wie Sabitzer profitierte der damals 19-jährige Niederländer von Goretzkas Verletzung. Letztlich "überlebte" Goretzka aber nicht nur Sabitzer, sondern auch Gravenberch. Entnervt von zu wenigen Einsatzchancen zog er bereits nach einer Saison in München weiter zum FC Liverpool, wo er sich zu einem Topspieler entwickelte.
Pavard stand im Sommer 2022 beim FC Bayern zunächst zur Disposition. Die Bosse zogen angeblich einen Verkauf in Erwägung, doch Nagelsmann setzte sich für einen Verbleib Pavards ein. Rechts hinten entschied der Franzose das Stammplatzduell mit Neuzugang Noussair Mazraoui für sich und spielte eine gute Saison. Im darauffolgenden Sommer - Nagelsmann war mittlerweile durch Thomas Tuchel ersetzt worden - war es Pavard selbst, der auf einen Abschied drängte. Letztlich bekam er seinen Willen und wechselte zu Inter Mailand.
Der Sommer 2023 war geprägt vom Poker um Harry Kane und Thomas Tuchels Wunsch nach einer "Holding Six". Im Schatten dieser beiden Sagas kristallisierten sich zwei Gewinner der Vorbereitung heraus.
Einerseits: Mathys Tel. Während ganz München auf die Kane-Verpflichtung wartete und Eric Maxim Choupo-Moting seine Kniegelenksbeschwerden auskurierte, mauserte sich der damals 18-jährige Franzose in der Vorbereitung zum Stammstürmer. Als Kane dann da war, rückte Tel naturgemäß ins zweite Glied. In der darauffolgenden Saison firmierte er aber als sehr treffsicherer Joker.
Während sich Tuchel vehement für die Verpflichtung einer "Holding Six" einsetzte, reihte der ablösefreie Neuzugang Konrad Laimer starke Testspielauftritte aneinander. "Die Diskussion um die Sechs stellt sich mir gar nicht, weil ich glaube, dass Laimer ein Transfer ist, an dem wir sehr, sehr, sehr viel Spaß haben werden", sagte Klubpatron Uli Hoeneß. In der darauffolgenden Saison bekam Laimer als wichtiger Rotationsspieler viele Einsatzzeiten im defensiven Mittelfeld, ehe er sich einen Stammplatz als flexibler Außenverteidiger erkämpfte.
Im Sommer 2023 sorgte zudem ein hauseigenes Talent für Furore: Frans Krätzig. Obwohl er nie als sogenanntes Supertalent gegolten hatte, nahm ihn Tuchel überraschend mit auf die Asienreise. Der 20-jährige Linksverteidiger gefiel bei seinen Einsätzen und erzielte gegen den FC Liverpool ein Traumtor. Der ganz große Durchbruch blieb Krätzig jedoch verwehrt. Nach Stationen bei Austria Wien, dem VfB Stuttgart und dem 1. FC Heidenheim spielt Krätzig mittlerweile bei RB Salzburg.
Krätzigs Rolle aus dem Vorjahr nahm 2024 Nestory Irankunda ein. Der damals 18-jährige Australier schoss Tore, schlug Salti und wurde schon mit Xherdan Shaqiri verglichen. Für einen Pflichtspieleinsatz in der darauffolgenden Saison sollte es aber nicht reichen. Aktuell steht er vor einem 15 Millionen Euro teuren Wechsel vom FC Watford zu Sporting Lissabon, dank einer Weiterverkaufsbeteiligung würde die Hälfte der Summe nach München fließen.
"Vorbereitungs-Gewinner 2024" durften sich zudem auch zwei langjährige Leistungsträger nennen: Joshua Kimmich und Serge Gnabry. Während seiner schwierigen Zeit unter Tuchel hatte Kimmich bisweilen als Verkaufskandidat gegolten. Der neue Trainer Vincent Kompany wollte davon nichts wissen und machte ihn direkt wieder zum unumstrittenen Chef im Mittelfeld. Eine Rolle, die Kimmich bis heute ausfüllt.
Ähnlich gut wie für Kimmich lief es im Sommer 2024 auch für seinen Trauzeugen Gnabry. Geplagt von etlichen Verletzungen hatte er große Teile der Vorsaison und letztlich auch die Heim-EM verpasst. Zum Vorbereitungsstart präsentierte er sich aber topfit und nutzte dann den Vorsprung gegenüber seinen länger urlaubenden Kollegen. Von einem zuvor gehandelten Abschied war bald keine Rede mehr, Gnabry fungierte in der Anfangszeit unter Kompany als Stammspieler.
Die zweite gute Vorbereitung hintereinander legte derweil Tel hin. Diesmal nutzte er seinen Startvorteil aber nicht. Nach einer ernüchternden Hinrunde ohne Akzente verabschiedete sich Tel im Januar 2025 zu Tottenham Hotspur.
Wie schon im Jahr zuvor zählte Gnabry wieder zu den großen Gewinnern der Vorbereitung. Sein Rückenwind aus dem Sommer 2024 war im Laufe der Saison abgeflaut, ehe er zwölf Monate später wieder aufdrehte. Weil Jamal Musiala wegen seiner schweren Wadenbein- und Sprunggelenksverletzung lange ausfiel und Thomas Müller keinen neuen Vertrag bekam, hatte Gnabry seinen Stammplatz auf der Zehn zunächst sicher. Im Frühling 2026 bremste ihn eine Adduktorenverletzung aus, die ihn auch eine WM-Teilnahme kostete.
Was im Sommer 2025 sonst noch geschah? Der eigentlich schon abgeschriebene Goretzka hatte nach einer starken Vorbereitung plötzlich wieder ernsthafte Chancen auf einen Stammplatz, verlor dann aber das Duell mit Aleksandar Pavlovic und verabschiedete sich letztlich ablösefrei. Noch immer hat er keinen neuen Klub.
Der 17-jährige Lennart Karl stürmte munter drauflos und legte die Grundlage für seinen Durchbruch in den darauffolgenden Monaten. Und Stanisic mauserte sich nach 2021 zum zweiten Mal zum Vorbereitungs-Gewinner. Diesmal mit nachhaltigen Folgen: Über die ganze Saison hinweg zählte er zum erweiterten Stammpersonal.
Auffälligster Akteur der diesjährigen Vorbereitung ist bisher Tom Bischof. Als einziger gestandener Feldspieler nahm der 21-Jährige das Training pünktlich und fit auf. Sämtliche Kollegen weilten zu diesem Zeitpunkt entweder noch im WM-Sonderurlaub oder laborierten an diversen Blessuren. So auch der zweimalige Vorbereitungs-Gewinner Gnabry, der aktuell an seinem Comeback arbeitet und somit sein persönliches "Triple" verpasste.
Bischof firmiert derweil als Anführer einer besseren Nachwuchsauswahl und schielt nun auf den Stammplatz seines Kumpels Pavlovic. Von den hauseigenen Talenten begeisterten vor allem zwei: der erst 16-jährige Stürmer Bastian Assomo (zwei Tore in vier Testspielen) und der quirlige Linksaußen Maycon Cardozo. Wird einer der beiden der nächste Lennart Karl?
Das nächste Testspiel steigt am Samstag gegen RB Leipzig, es folgt die Generalprobe gegen den 1. FC Heidenheim am 18. August. Das erste Pflichtspiel der Saison ist am 22. der Supercup gegen Borussia Dortmund.
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