Champions-League-Gegner des FC Bayern hat ein ungewöhnliches Erfolgs-Duo: "Oh, ihr seid der Verein mit den zwei Trainern" | Goal.com Deutschland

2012 oder 2013 muss es gewesen sein, so ganz genau weiß Bjarte Lund Aarsheim das nicht mehr. Kein Wunder, schließlich telefonierte er ziemlich häufig mit seinem guten Kumpel Morten Jensen. Sie verband der Traum von einer Trainerkarriere im Profibereich - doch davon waren sie zur Zeit jenes Anrufs, der Aarsheim bis heute in bester Erinnerung ist, noch ein Stück weit entfernt.
"Ich arbeitete bei einer Bank, er war in der Öl- und Gas-Branche tätig und nebenbei trainierten wir beide ein lokales Team", erzählt Aarsheim dem Guardian und erklärt dann, warum es gerade dieser Anruf war, der ihn heute schmunzeln lässt: "Ich erinnere mich, dass wir sagten: 'Hey, eines Tages sollten wir zusammen eine Mannschaft trainieren'."
Mittlerweile ist daraus längst Realität geworden. Und nicht nur das: Aarsheim und Jensen stehen sogar in der Champions League an der Seitenlinie. Viking Stavanger haben die beiden gleichberechtigten Cheftrainer sensationell in die Königsklasse geführt, treffen am Dienstag (21 Uhr) im ersten Heimspiel auf den großen FC Bayern München um einige der besten Spieler der Welt wie Harry Kane oder Michael Olise.
"Ich glaube, dass das morgige Spiel das größte in unserer Geschichte sein wird", sagte Aarsheim auf der Pressekonferenz am Montag. Der 51-Jährige lief als Spieler einst zwölf Jahre lang (1993 bis 2005) für Viking auf und weiß daher, wovon er spricht. Zwar stand er nicht selbst auf dem Platz, dennoch war er hautnah dabei, als Stavanger den vielleicht größten Moment der bisherigen Klubgeschichte auf internationalem Parkett erlebte. Anfang Oktober 2002 war das, mit einem 4:2-Erfolg im Rückspiel der 1. Runde des UEFA-Cups kegelten die Skandinavier seinerzeit den FC Chelsea um John Terry, Frank Lampard oder Gianfranco Zola aus dem Wettbewerb.
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Erik Nevland, inzwischen Sportlicher Leiter bei Viking, kann von jener magischen Nacht sicherlich noch besser berichten, schließlich war er damals mit zwei Toren und einem Assist zum absoluten Helden avanciert. Gut 18 Jahre später, im November 2020, war Nevland dann an der bemerkenswerten Entscheidung beteiligt, künftig auf zwei Cheftrainer zu setzen. "Wir waren an einem Punkt in unserer Geschichte angelangt, an dem wir etwas grundlegend anders machen mussten, um besser zu werden", erinnert sich Nevland im Guardian an die Installation des Duos Aarsheim / Jensen.
Ex-Profi Aarsheim war 2016 zunächst als Nachwuchstrainer zu Viking zurückgekehrt, während Jensen, der es als Spieler nie zum Profi gebracht hatte, 2017 immerhin den norwegischen Drittligisten FK Vidar gecoacht hatte. Dabei empfahl er sich für einen Assistenztrainerposten bei Viking, wo Kumpel Aarsheim schon seit Anfang 2017 Co-Trainer war.
Und Ende 2020 folgte das Duo dann eben auf ihren vorherigen Boss Bjarne Berntsen. "Wir dachten uns: 'Lasst es uns einfach mal probieren'. Es machte irgendwie Sinn. Natürlich war es ein gewisses Risiko, aber wir waren in einer Situation, in der wir das eingehen konnten", erklärt Sportchef Nevland Vikings damalige Entscheidung.
Der Klub aus der 150.000-Einwohnerstadt im Süden Norwegens, der seine Heimspiele auf Kunstrasen austrägt, blickt auf eine stolze Geschichte zurück. In den 1970er Jahren war man einst viermal in Folge Meister geworden und stellte später noch lange ein Top-Team, der Triumph von 1991 blieb dann jedoch der für lange Zeit letzte Meistertitel. 2017 war man gar kurzzeitig in die zweite Liga abgestürzt und musste sich nach dem direkten Wiederaufstieg erstmal berappeln. Und auch unter dem inzwischen so erfolgreichen Duo Aarsheim / Jensen lief keineswegs auf Anhieb alles glatt, 2022 wurde Viking in Norwegens Eliteserien nur Elfter.
"In den ersten beiden Jahren haben wir ganz viele Dinge gelernt, die wir nie wieder so machen werden", erklärt Jensen. Eines der Learnings: Der Fokus liegt seither noch stärker darauf, aus der Region stammende Spieler zu entwickeln. Jungs, die genau wie Aarsheim, Jensen oder auch Sportchef Nevland ganz genau wissen, was es bedeutet, für Stavanger zu spielen. Ein ähnlicher Ansatz also, wie ihn auch Ligarivale Bodö/Glimt so erfolgreich verfolgt.
"Das ist vielleicht das Schönste", sagt Jensen euphorisch über die Bedeutung, die Viking in der Region wieder genießt: "Es ist nicht die Champions League oder der Meistertitel, sondern zu sehen, wie viele Kinder in Viking-Trikots in der Stadt oder der Schule herum laufen. Vor zehn Jahren sah man nur Trikots von Manchester United oder Liverpool. Das macht mich ganz besonders stolz."
Seit 2023 führt Vikings ungewöhnlicher Weg mit Aarsheim und Jensen in die richtige Richtung, nach Platz 4 und Platz 3 stand 2025 schließlich die erste Meisterschaft nach zuvor 34 Jahren Durststrecke zu Buche. Und weil man Ende August in der CL-Qualifikation Dinamo Zagreb das Nachsehen gab, darf Viking im Konzert der ganz Großen mitspielen - mit besonderem Markenzeichen.
"Wenn ich mit Sportdirektoren aus anderen Ländern rede, sprechen sie nicht mehr von Viking, sondern sagen immer nur: 'Oh, ihr seid der Verein mit den zwei Trainern'", berichtet Nevland. Sollten Aarsheim und Jensen, deren Verträge jeweils noch bis Ende 2029 laufen, irgendwann gehen, werde man nicht zwingend erneut auf ein Trainer-Duo setzen, meint der Sportliche Leiter. Bis dahin sei Vikings Lösung zwar "speziell", so Nevland. "Aber warum sollte man etwas ändern, das funktioniert?"
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