Uli Hoeneß war "begeistert": Jürgen Klopps besonderer "Co-Trainer" prägte schon den FC Bayern | Goal.com Deutschland

Şu adreste yayınlandı 24 Jul 2026 | Okuma zamanı: 1 dakikaUli Hoeneß war "begeistert": Jürgen Klopps besonderer "Co-Trainer" prägte schon den FC Bayern | Goal.com Deutschland

Jürgen Klopp bestätigte am Freitag im Rahmen seiner offiziellen Vorstellung, dass Kosicke beim DFB fortan "mein Co-Trainer für Strategie, Entwicklung und Innovation" sein werde. Dafür sei er bereits als Geschäftsführer seiner Firma Projekt Five zurücktreten und habe seine bisherige Beratertätigkeit für andere Trainer neben Klopp eingestellt. Kosicke begleitet Klopp seit rund zwei Jahrzehnten und gilt als sein Schattenmann.

"Dass nur ein Cheftrainer kommt, reicht nicht", sagte Klopp. "Wir müssen ganz viele Dinge ändern. Wir wollen jeden Stein umdrehen." Kosicke gilt als "Erfinder" des Trainer-Beraters, bis 2021 stand er Julian Nagelsmann zur Seite.

DFB-Präsident Bernd Neuendorf sagte über Kosickes Aufgabe: "Wir haben gemerkt, dass Marc ein extrem wichtiger Ansprechpartner für Jürgen ist. Es war klar, dass die beiden so eng miteinander verwoben sind, dass sie nur im Paket zu haben sind. Die Frage ist dann immer, in welcher Rolle. Jürgen hat es als Co-Trainer bezeichnet. Für administrative Dinge, die abseits des Rasens stattfinden. So ist unser Verständnis. Marc soll diese Aufgaben künftig übernehmen. Nicht als DFB-Mitarbeiter, aber er hat jeden Zugang und stimmt sich ab. Er ist eine wichtige Schnittstelle in den Verband hinein. Kommunikation, Sponsoren, Marketing - all diese Fragen, die das Trainerteam jenseits des Fußballs beschäftigen."

In der Vergangenheit spielte der gebürtige Bremer und bekennende Werder-Fan auch eine wichtige Rolle für den FC Bayern - und zwar, indem er die schon seit Jahrzehnten mit dem FC Bayern in Verbindung gebrachte Mia-san-mia-Mentalität in einen offiziellen Slogan verwandelte. 

Die durchaus kuriosen Umstände dessen erzählte Kosicke 2023 in einem Interview mit SPOX und GOAL. Das Gespräch war Teil einer großen Multimedia-Story über die Geschichte des Mia san mia, die vom Verband Deutscher Sportjournalisten mit dem Großen Online-Preis 2023 ausgezeichnet wurde. Hier gibt es das Interview von damals zum Nachlesen. 

Herr Kosicke, Sie sind Werder-Fan und Berater von Borussia Dortmunds ehemaligem Erfolgstrainer Jürgen Klopp. Wie kam es, dass ausgerechnet Sie das Mia san mia zum offiziellen Slogan des FC Bayern gemacht haben?

Kosicke: Im Jahr 2008 war ich gemeinsam mit meinem damaligen Geschäftspartner Oliver Bierhoff auf dem Weg zu einem FIFA-Event in der Schweiz. Zufälligerweise saß Uli Hoeneß im selben Flugzeug. Er hat über die eigenen Spieler geschimpft und geklagt, dass keiner wüsste, was Bayern München eigentlich bedeuten würde. Daraufhin habe ich Herrn Hoeneß gefragt, was genau Bayern München denn seiner Meinung nach bedeuten würde - und er konnte mir keine klare Antwort geben.

Wie ging es weiter?

Kosicke: Ich habe ihm erzählt, dass ich lange bei Nike und Adidas gearbeitet habe und es dort sogenannte Unternehmens-Bibeln gibt, in denen alle Mitarbeiter über die wichtigsten Werte und Botschaften des Unternehmens informiert werden. Daraufhin hat er mich gefragt, ob ich so etwas für den FC Bayern entwerfen kann.

Konnten Sie.

Kosicke: Mit 100-prozentiger Ahnungslosigkeit, aber viel Selbstvertrauen habe ich zugesagt (lacht). Uli Hoeneß meinte noch, dass er nur mich und keine Roland-Berger-Schlipsträger-Truppe sehen wolle. Also bildeten wir eine heterogene Arbeitsgruppe mit Leuten aus dem Fanshop und aus dem Marketing, mit dem Zeugwart und dem Jugendkoordinator, mit Stefan Mennerich aus der Medienabteilung und Chefscout Wolfgang Dremmler. Vier Wochen lang haben wir gemeinsam die Werte von Bayern München ausgearbeitet.

Und am Ende stand das Mia san mia?

Kosicke: Nein, der Slogan stand für mich von Anfang an fest. Den hatte ich schon bei meinem Gespräch mit Hoeneß im Flugzeug im Kopf. Aber da habe ich ihn noch nicht erwähnt, weil ich sonst ja direkt mein ganzes Pulver verschossen hätte. Gemeinsam mit der Arbeitsgruppe haben wir anschließend nur mehr die Werte dazu entwickelt.

Auf welche Werte kamen Sie?

Kosicke: Letztlich haben wir uns auf 16 Gebote geeinigt. Zum Beispiel: "Wir sind eine Familie und stehen füreinander ein." Oder: "Wir kommunizieren in der Öffentlichkeit nicht übereinander."

Wie hat Hoeneß das Ergebnis gefallen?

Kosicke: Für die Präsentation beim Vorstand habe ich mit echtem Lederhosen-Leder ein paar Prototypen der Bibel binden lassen. Als ich den Titel enthüllt habe, waren alle begeistert. Hoeneß meinte: "Super Slogan, aber dieses MIR ist eine Raumstation." Vorne drauf stand nämlich nicht "Mia san mia", sondern "Mir san mir". Als Bremer war ich des Bayerischen nicht 100-prozentig mächtig. Das war das Einzige, was wir noch ändern mussten.

Wie ging es danach weiter?

Kosicke: Abgesehen von der Bibel habe ich für den FC Bayern auch eine begleitende Roadmap zur Implementierung innerhalb des Klubs entwickelt. Damit war meine Aufgabe beendet. Mit der Rechnungsstellung habe ich meine Rechte am Slogan abgetreten und versichert: "Macht euch keine Sorgen, als Bremer und Berater von Jürgen Klopp werde ich mich nicht als großer Mia-san-mia-Erfinder inszenieren." Jeder Neuzugang - egal ob ein Mitarbeiter der Geschäftsstelle, ein Jugendspieler aus Fürstenfeldbruck oder Sadio Mane – sollte als Onboarding-Maßnahme nach seinem Wechsel zum FC Bayern diese Bibel in die Hand bekommen mit der Botschaft: So sind wir, diese Werte leben wir.

Wie präsent war der Begriff Mia san mia, bevor Sie ihn zum offiziellen Slogan gemacht haben?

Kosicke: Ich kannte ihn seit ich als Jugendlicher im Weserstadion eine späte Werder-Niederlage gegen den FC Bayern erlebt habe. Am nächsten Tag war in der Zeitung von der Mia-san-mia-Attitüde der Bayern die Rede. Das ist mir immer im Gedächtnis geblieben. Damals war die Haltung hinter dem Mia san mia aber präsenter als der Begriff an sich.


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