Die Transferrekorde purzeln: Warum kann sich Besiktas trotz riesiger Schulden neue Top-Stars leisten? | Goal.com Deutschland

Şu adreste yayınlandı 04 Aug 2026 | Okuma zamanı: 1 dakikaDie Transferrekorde purzeln: Warum kann sich Besiktas trotz riesiger Schulden neue Top-Stars leisten? | Goal.com Deutschland

Seit dem historischen Double aus Meisterschaft und Pokalsieg in der Saison 2020/21 hat Besiktas schrittweise den Anschluss an die Stadtrivalen Galatasaray und Fenerbahce verloren. Seitdem reichte es nicht mehr zu einer besseren Platzierung als Rang drei. Auch in der vergangenen Saison spielte Besiktas im Titelrennen keine Rolle und beendete die Spielzeit auf dem vierten Platz. Das soll sich nun ändern.

Die Schwarzen Adler haben dafür im aktuellen Sommer auf dem Transfermarkt so richtig auf den Putz gehauen. Für Dogan Alemdar, Ilhan Fakili und den ehemaligen Bayern-Keeper Alexander Nübel gab der türkische Spitzenklub rund elf Millionen Euro aus. Linksverteidiger Kassoum Ouattara von der AS Monaco kostete acht Millionen Euro, für Leandro Trossard vom englischen Meister FC Arsenal wurden 18 Millionen Euro fällig. Den größten Betrag verschlang jedoch Orkun Kökcü: Zunächst nur von Benfica Lissabon ausgeliehen, wechselte der Mittelfeldspieler nach der Saison per Kaufpflicht fest zu Besiktas. Das Gesamtvolumen kann inklusive Boni bis zu 30 Millionen Euro erreichen, was einen neuen Vereinsrekord markiert.

Hinzu kam der ablösefreie Transfer des ehemaligen Dortmunders Salih Özcan, wobei weitere Neuzugänge kommen könnten. Auch Superstar Mohamed Salah steht auf der Wunschliste. Insgesamt summieren sich die Ausgaben damit Stand jetzt bereits auf rund 67 Millionen Euro - so viel investierte Besiktas in einem Sommer noch nie zuvor und knackte zudem auch erstmals die 60-Millionen-Marke.

Dem stehen jedoch nur geringe Einnahmen gegenüber: Durch Verkäufe nahm der Klub bislang nicht einmal zehn Millionen Euro ein. Ernest Muci wechselte für 8,5 Millionen Euro zu Trabzonspor, Gökhan Sazdagi brachte lediglich 200.000 Euro ein.

Alles deutet darauf hin, dass Besiktas auch dieses Transferfenster mit einem Minus abschließen wird. Für den 16-maligen türkischen Meister ist das längst kein Ausnahmefall mehr. Seit der Saison 2020/21 verzeichnete man in jeder Saison höhere Transferausgaben als Einnahmen - das Defizit wuchs dabei stetig. Während das Minus 2021/22 noch bei rund vier Millionen Euro lag, waren es zuletzt bereits knapp 28 Millionen Euro.

Die Folgen dieser Transfer- und Ausgabenpolitik spiegeln sich inzwischen deutlich in der finanziellen Lage von Besiktas wider. Medienberichten zufolge belaufen sich die Schulden des Klubs mittlerweile auf rund 360 Millionen Euro. Die hohen Transferausgaben tragen zwar ihren Teil dazu bei, doch die größere Belastung entsteht durch die dauerhaft hohen Personalkosten sowie die Zinslast aus bestehenden Krediten.

Gerade die Finanzierungskosten sind für Besiktas zu einem erheblichen Problem geworden. "Die jährliche Zinsbelastung unseres Klubs, die fast 50 Millionen Euro erreicht, ist das größte Hindernis für unseren Erfolg. Mit dieser Summe könnte man eine komplett neue Fußballmannschaft aufbauen", betonte Klubpräsident Serdal Adali. Bereits im Juni 2025 warnte er auf einer Generalversammlung vor der Dynamik der Schulden: "Besiktas zahlt derzeit täglich 125.000 Euro an Zinsen, monatlich 4 Millionen Euro und jährlich rund 50 Millionen Euro. Wenn die Vorstandssitzung endet, wird die Verschuldung von Besiktas bereits um weitere fünf Millionen türkische Lira gestiegen sein."

In den vergangenen Jahren setzte die Vereinsführung - wie zahlreiche andere türkische Spitzenklubs - zunehmend auf prominente Transfers und hoffte auf sofortigen sportlichen Erfolg. Der gewünschte Effekt blieb aus - die finanzielle Belastung blieb dagegen. Vor allem die Gehaltsstruktur wurde dadurch stark beansprucht. Rafa Silva (2024–2026 bei Besiktas) soll inklusive Boni satte zehn Millionen Euro pro Jahr verdient haben, auch Ciro Immobile erhielt in seiner Zeit bei Besiktas ein lukratives Paket. Tammy Abraham und Wilfred Ndidi kassierten jährlich angeblich mehr als fünf Millionen Euro. Auch die aktuellen Top-Neuzugänge wie Trossard und Nübel erhalten hochdotierte Verträge.

Doch nicht nur der Spielerkader belastet stets die Finanzen. Auch auf der Trainerposition entstanden durch häufige Wechsel hohe Kosten. Seit 2020 wechselte Besiktas sage und schreibe 13-mal den Trainer - einige kehrten sogar mehrfach zurück. Zuletzt trennte man sich zum zweiten Mal von Sergen Yalcin (Meistertrainer von 2020/21), ehe im Juni Vincenzo Italiano übernahm. Die zahlreichen Entlassungen summierten sich zu hohen Abfindungen.

Trotz der kostspieligen Personalentscheidungen hält Besiktas stur an seiner Strategie fest. Möglich ist dieser Kurs auch, weil eine finanzielle Entlastung in Aussicht steht. Eine zentrale Rolle spielt dabei das sogenannte Dikilitas-Projekt, das Adali als "die größte Einnahmequelle in der Geschichte von Besiktas" anpries. Doch was steckt hinter dem Vorhaben?

Mit dem Dikilitas-Projekt treibt der Traditionsklub ein millionenschweres Immobilienvorhaben voran, das die finanzielle Zukunft langfristig absichern soll. Das Konzept basiert auf einem Grundstück im zentralen Istanbuler Stadtteil Dikilitas - nahe der Vereinszentrale und der Heimspielstätte. Das Areal wurde bislang wirtschaftlich kaum genutzt. In Zusammenarbeit mit dem staatlichen Immobilienunternehmen Emlak Konut GYO sollen dort Wohn- und Gewerbeimmobilien entstehen. Die erforderliche Genehmigung wurde bereits im April 2025 erteilt. Für Besiktas ist der Deal jedenfalls ein echter Befreiungsschlag. Statt toter Vermögenswerte winken dem Klub durch die Vermarktung der Luxus-Immobilien nämlich künftig Einnahmen in einer Höhe von rund 200 Millionen Euro.

Präsident Adali sieht in solchen Projekten einen wesentlichen Grund dafür, warum Besiktas zuletzt gegenüber Galatasaray und Fenerbahce ins Hintertreffen geraten ist. "Unsere ewigen Rivalen haben über Jahre Einnahmen durch Immobilienprojekte generiert. Wir hingegen haben zugesehen. Jetzt korrigieren wir diesen Fehler", erklärte Adali.

Der Präsident betonte zudem die Bedeutung solcher Einnahmequellen für die Kaderplanung: "Starspieler werden durch solche Projekte verpflichtet. Unsere Rivalen bezahlen die Gehälter ihrer Spieler mit den Einnahmen aus diesen Projekten. Wir werden das genauso machen."

Neben Dikilitas kündigte Adali weitere Schritte zur Verbesserung der finanziellen Situation an. Das leerstehende BJK Plaza soll an eine internationale Hotelkette vermietet werden. Dadurch könnten die jährlichen Mieteinnahmen auf rund 3,5 Millionen Euro steigen. Auch beim Grundstück in Fulya sei ein neuer Mietvertrag zugunsten des Klubs ausgehandelt worden, teilte Adali mit.

Zusätzlich stieg der Anteil des Klubs durch eine Kapitalerhöhung bei der Besiktas Football Investments Inc. von 51 auf 70 Prozent. Laut Adali konnten dadurch Schulden in Höhe von 35 Millionen Euro getilgt werden, ohne dass Geld aus der Vereinskasse eingesetzt wurde.

Für die Zukunft setzt Besiktas also auf die angekündigten Projekte und eine finanzielle Neuausrichtung. Adali gibt sich überzeugt, dass der eingeschlagene Weg langfristig den Erfolg zurückbringen kann: "Wenn wir diese Projekte starten, werden wir nicht nur unsere Schuldenprobleme lösen, sondern auch Mannschaften aufbauen, die in Zukunft um Meisterschaften spielen können."


Orijinal haberi okuyun