Selbst für die Premier League ist das unglaublich! Xabi Alonsos Projekt beim FC Chelsea startet mit einem völligen Wahnsinn | Goal.com Deutschland

Eine wichtige Information vorweg: Es ist nicht auszuschließen, dass sich die Situation einzelner in diesem Text thematisierten Personen zwischen Publikation und jetzt gerade schon wieder geändert hat. Vielleicht wurde Nicolas Jackson verkauft, vielleicht hat Pep Chavarria unterschrieben, vielleicht wurde irgendwer verliehen, vielleicht ist auch irgendwas anderes mit irgendeinem anderen Fußballer passiert, der im Zusammenhang mit dem FC Chelsea steht. Davon gibt es aktuell nämlich ziemlich viele.
Letztlich geht es hier aber gar nicht um einzelne Mosaiksteinchen. Sondern um das "Gesamtkunstwerk", das Chelsea in diesen Tagen abgibt. Sogar für ihre eigenen Verhältnisse legen die Londoner gerade eine ziemlich irrsinnige Transferperiode hin. Chelsea sammelt sich einen Kader von historischen Ausmaßen an. Sowohl was die Anzahl der Spieler angeht, als auch die Kosten.
Zunächst ein Blick zurück: Seit der Übernahme durch das Investoren-Konglomerat BlueCo um Todd Boehly im Jahr 2022 spezialisierte sich Chelsea auf die massenhafte Verpflichtung von entwicklungsfähigen, teuren Talenten. Das Motto lautet: So viele Talente wie möglich verpflichten, mit so langen Verträgen wie möglich ausstatten und dann darauf hoffen, dass sich ihre Marktwerte erhöhen. Das funktionierte manchmal und manchmal auch nicht.
Vor allem aber blieb mit dieser Strategie der nachhaltige sportliche Erfolg aus. Chelsea gewann zwar 2025 die Klub-WM, landete in der Premier League seit der Übernahme aber nur auf den Plätzen 12, 6, 4 und 10. In der vergangenen Saison verheizte Chelsea mit Enzo Maresca und Liam Rosenior zwei Trainer und verpasste die Qualifikation für den internationalen Wettbewerb.
Nun soll es Xabi Alonso richten und das passt eigentlich ganz gut. Wie Chelsea stand Alonso mal für Erfolge, aber auch er blickt auf eine komplizierte jüngere Vergangenheit samt Entlassung bei Real Madrid zurück. Bei Chelsea sorgte Alonso kurzerhand für eine Strategieanpassung auf dem Transfermarkt. "Wir wollen einen Kader, der die richtige Balance zwischen Qualität und Mentalität aufweist", erklärte er gleich nach seiner Ankunft.
All die Talente brauchen seiner Meinung nach mehr Erfahrung an ihrer Seite - und los! Wunschkandidat Granit Xhaka (33) war zwar nicht zu bekommen. Dafür verpflichtete Chelsea zwei englische Veteranen. Mittelfeldspieler Jordan Henderson (36) kam ablösefrei vom FC Brentford und Stürmer Danny Welbeck (35) für sechs Millionen Euro von Brighton & Hove Albion.
Alonsos Wunsch nach Erfahrung (beziehungsweise "Mentalität") linderte gleichzeitig aber nicht die Gier der Bosse nach entwicklungsfähigen Talenten. 57 Millionen für Rechtsverteidiger Marco Palestra (21) von Atalanta Bergamo. 50 Millionen für Rechtsaußen Geovany Quenda (19) von Sporting Lissabon. 40 Millionen für Mittelfeldspieler Valentin Barco (22) vom Partnerklub Racing Straßburg. Und so weiter und so fort bis hin zu: 2,4 Millionen für Stürmer Dastan Satpaev (18) von Kairat Almaty.
Dazu kehrten allerhand Leihspieler zurück, beispielsweise Nicolas Jackson vom FC Bayern und ein paar, die in Straßburg geparkt waren. Der einstige Hoffnungsträger Mykhaylo Mudryk feierte nach Ablauf seiner beinahe zweijährigen Dopingsperre neulich in einem Testspiel sein Comeback. Ach ja, fast vergessen: Morgan Rogers kam für 138 Millionen Euro von Aston Villa. Der 23-jährige Zehner avancierte damit zum fünftteuersten Transfer der Fußballgeschichte.
Insgesamt investierte Chelseas in dieser Transferperiode bisher 389 Millionen Euro. Das ist mit großem Abstand die höchste Summe aller Klubs weltweit, abgeschlagen auf Platz zwei folgt Tottenham Hotspur. Den bisherigen Ausgabenrekord eines Klubs in einer Transferperiode stellte der FC Liverpool vergangenen Sommer mit 483 Millionen auf. Chelsea dürfte alsbald die 400-Millionen-Marke überschreiten. Beim 25 Millionen schweren Transfer von Pep Chavarria (28, Rayo Vallecano) fehlt nur noch die Verkündung.
Der spanische Linksverteidiger wird der 17. neue Spieler dieses Sommers sein, abgegeben wurden derweil lediglich sechs. Trotz Einnahmen durch den Verkauf von unter anderem Andrey Santos und Marc Cucurella ist auch Chelseas Transfersaldo von minus 227 Millionen weltweit unübertroffen.
Chelseas Kader besteht derzeit aus 39 Spielern, selbst für Premier-League-Verhältnisse ist das ein unglaublicher Wert. Keiner der 39 Verträge läuft 2027 aus, 34 sind sogar noch mindestens drei Jahre lang gültig. Chelsea verfügt aktuell über acht Innenverteidiger (bei Transfermarkt allesamt mit einem Marktwert von mindestens zehn Millionen Euro taxiert), über sieben Außenverteidiger (mit Chavarria bald acht) und zur Krönung über sieben Mittelstürmer.
Auf den Kaufrausch soll nun die große Abgangswelle folgen. Am Samstag berichtete die englische Sun, dass 25 Spieler den Klub prinzipiell verlassen dürften. Darunter Rückkehrer Jackson, die englische Sturmhoffnung Liam Delap (wird bei Aston Villa gehandelt), Mudryk und Ex-BVB-Leihgabe Aaron Anselmino. Bei ausbleibenden Interessenten gibt es immer noch die Möglichkeit, unliebsame Spieler kurz vor Transferende kurzerhand zum Partnerklub nach Straßburg abzuschieben.
Sofern die gebotene Summe stimmt, gelten übrigens auch Leistungsträger der Vorsaison als mögliche Verkaufskandidaten. Etwa Rechtsaußen Pedro Neto oder Mittelfeldmotor Enzo Fernandez, der schon mit Real Madrid und Manchester City in Verbindung gebracht wurde. Sofern Fernandez geht, könnte Chelsea die Bemühungen um Alonsos angeblichen Wunschspieler Martin Zubimendi vom Stadtrivalen FC Arsenal intensivieren.
In dieser völlig unklaren Gemengelage bereitet Alonso seine zusammengewürfelte Mannschaft auf die neue Saison vor - und das funktioniert wenig überraschend eher durchwachsen. Auf einen knappen Sieg gegen die Western Sydney Wanderers folgten Pleiten gegen Tottenham und Juventus Turin. Um so vielen Spielern wie möglich Einsatzzeiten geben zu können, arrangierte Chelsea am Wochenende gleich zwei Testspiele innerhalb von 24 Stunden.
Eine durchaus hochkarätig besetzte Startelf feierte mit einem 3:0 gegen die AC Milan am Samstag immerhin einen Achtungserfolg, ehe sich am Sonntag eine Reservisten-Auswahl (mit unter anderem Jackson, Estevao und Jamie Gittens) gegen Johor DT aus Malaysia blamierte. Nur dank zweier verwandelter Elfmeter von Delap und einem späten Eigentor reichte es zu einem 3:3. Die für ihre Wortspiele bekannte Sun titelte "Alon-so bad", die Daily Mail schrieb von einer "Farce".
Am 24. August startet Chelsea mit einem Auswärtsspiel gegen den FC Fulham in die neue Saison. Wer dann noch im Kader steht und wie die Startelf aussieht, erscheint aktuell völlig unklar.
Orijinal haberi okuyun




