Said El Mala kommt nicht nach Dortmund: So sollte der BVB das Geld jetzt ausgeben | Goal.com Deutschland

Von Jochen Tittmar
Borussia Dortmund setzt mit dem Ausstieg aus dem Transferpoker um Said El Mala nach Wochen zäher Verhandlungen und mehreren abgelehnten Offerten ein klares Signal. Aus sportlicher und finanzieller Sicht war das bewusst gewählte Ende des Pokers folgerichtig.
Niemand bestreitet das Talent von El Mala. Mit 13 Toren und fünf Vorlagen spielte der Youngster eine starke Premierensaison beim 1. FC Köln. Dennoch bleibt die Faktenlage eindeutig: Es handelt sich um genau eine erfolgreiche Spielzeit im Profifußball. Ohne Teilnahme an einem europäischen Wettbewerb, ohne regelmäßige Spiele im Drei-Tages-Rhythmus.
Arg viel mehr als 30 Millionen Euro hatte der BVB in seiner Geschichte noch nie für einen Neuzugang bezahlt. Nun weit über 50 Millionen inklusive Boni für einen 19-Jährigen ohne internationale Erfahrung auszugeben, wäre schlicht unverantwortlich gewesen. Mal ganz unabhängig davon, welch enormer Druck die hohe Summe auf einmal für den Spieler bedeutet hätte.
In der Vergangenheit stand der BVB gelegentlich in der Kritik, sich in zähen Verhandlungen treiben zu lassen. Das konsequente Handeln der Führungsetage ist daher auch ein Schritt in die richtige Richtung. Indem die Borussia eine klare Schmerzgrenze für sich definiert hat und diese nun auch durchzog, sendet sie eine deutliche Botschaft an den Transfermarkt: Dortmund lässt sich nicht erpressen. Diese Standhaftigkeit stärkt idealerweise die eigene Verhandlungsposition für zukünftige Transferfenster.
Eine Rekordablöse in dieser Höhe hätte zudem das verbleibende Budget stark angegriffen. Nun steht man gewiss unter zeitlichem Druck, der Plan oder die Pläne B sollten baldmöglichst über die Bühne gehen. Dennoch hat man jetzt größeren Spielraum und kann das gesparte Geld auf mehrere Schultern verteilen. Schließlich benötigt der Kader noch auf mehreren Positionen Tiefe und Qualität.
Mit einem schnellen, dribbelstarken Flügelspieler als El-Mala-Ersatz ist es nämlich noch lange nicht getan: Dortmund benötigt vor allem noch dringend einen spiel- und zweikampfstarken, strategischen Sechser sowie nach dem Abgang von Yan Couto einen Rechtsverteidiger.
Der Verzicht auf El Mala mag für manche BVB-Fans auf den ersten Blick schmerzen, ist aber zugleich ein Sieg der kaufmännischen Vernunft. Der BVB beweist Haltung, bewahrt seine finanzielle Balance und zieht im richtigen Moment die Bremse.
Von Tim Ursinus
Es ist freilich nachvollziehbar, dass der BVB von den horrenden Forderungen des 1. FC Köln irgendwann die Faxen dicke hat. Allerdings verpasst Borussia Dortmund auch eine riesige Chance. Die Gelegenheit wird vermutlich nicht mehr in der Form kommen, den deutschen Nationalspieler in spe derart "günstig" zu bekommen.
Said El Malas Potenzial ist unbestritten, der Weg in die Weltklasse scheint bei ihm möglich. Dass sein Marktwert bei einem Verbleib in Köln sinken wird, ist mehr als unwahrscheinlich - außer möglicherweise bei einem Abstieg der Rheinländer.
Auch wird er unter Trainer Rene Wagner noch mehr Chancen bekommen, seine Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. El Mala genießt einen riesigen Stellenwert unter dem Coach und dürfte als klarer Unterschiedsspieler eine Stammplatzgarantie haben. Das war bereits kurz nach der Trennung von Lukas Kwasniok bemerkbar.
Der BVB hätte also auch noch die eine oder andere Million springen lassen können, an der es letztlich gescheitert ist. Weit auseinander können beide Vereine nicht mehr gelegen haben. Zumal die Borussia offensichtlich von den Qualitäten des 19-Jährigen vollauf überzeugt war.
Andernfalls wären Lars Ricken und Co. nicht dermaßen hartnäckig geblieben und hätten so viele Verhandlungsrunden mitgemacht. Gleichwohl bricht die Aussicht weg, mit einem solchen Statement-Transfer - und das wäre die Verpflichtung des hochtalentierten Flügelspielers zweifellos gewesen - in neue Dimensionen vorzustoßen und der direkten Konkurrenz eine Ansage zu machen.
Außerdem wäre es gut möglich gewesen, dass El Mala Dortmunds nächster Kassenschlager wird. In der aktuellen Zeit wirkt es nicht utopisch, dass er bei einem Weiterverkauf in Sphären von Ousmane Dembele, Erling Haaland oder Jude Bellingham vorgestoßen wäre. Nicht von ungefähr klopften schon jetzt einige mittelklassige Klubs aus der Premier League wie Brentford an. El Mala hat bereits einen Markt auf der Insel.
Wenn El Mala gesund bleibt, dürfte sich das nicht ändern. Schließlich verspricht seine attraktive Spielweise und schon jetzt ausgeprägte Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor genug Spektakel, um die Geldbeutel der stinkreichen Klubbesitzer bis auf Äußerste zu öffnen. Nun wird der BVB wohl nie erfahren, was davon alles möglich gewesen wäre.
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