Was haben Thomas Müller, Mats Hummels und Co mit Estrela Amadora vor? | Goal.com Deutschland

Şu adreste yayınlandı 11 Sep 2026 | Okuma zamanı: 1 dakikaWas haben Thomas Müller, Mats Hummels und Co mit Estrela Amadora vor? | Goal.com Deutschland

Am 25. August 2026 sorgte die Meldung für Aufsehen, dass die früheren Profis des FC Bayern München Thomas Müller, Mats Hummels, Yann Sommer und Lucas Hernandez zusammen mit der Investmentgruppe LEAD/ADvantage für rund 40 Millionen Euro 90 Prozent der Anteile am portugiesischen Erstligisten Estrela Amadora übernommen haben.

Angesichts der prominenten Namen der Investoren ging der eigentliche Protagonist dieses Geschäfts ein wenig unter. Neuer Klubpräsident und CEO von Estrela Amadora ist ein erst 35 Jahre alter Münchner, der sich in den letzten zehn Jahren zu einem der wichtigsten Mitarbeiter im Hintergrund von Bayern München entwickelte und dessen Abschied im Sommer im Team hinter dem Team eine ähnlich große Lücke riss wie jener der ehemaligen Teammanagerin und Strategie-Leiterin Kathleen Krüger, die nun Vorstandsvorsitzende beim Hamburger SV ist.

Das jungenhafte Gesicht von Johannes Mösmang, so heißt der neue CEO von Estrela Amadora, dürfte vielen Fußballinteressierten durchaus bekannt vorkommen. Wann immer die Bayern in den vergangenen Jahren einen neuen Spieler verpflichteten und diesem ihre neue Heimat und Arbeitsstätte zeigten, war irgendwann unweigerlich immer auch Mösmang im Bild.

Er war lange Integrationsbeauftragter, später Chef-Spielerbetreuer und am Ende auch im Scouting tätig. Zu seinen vielen Aufgaben gehörte es, Neuzugänge vom Flughafen zu holen, ihnen alles zu zeigen, bei Behördengängen zu helfen, bei Bedarf zu übersetzen und einfach für sie da zu sein. Mit manchen späteren Neuzugängen soll Mösmang über Instagram schon in Kontakt gestanden sein, bevor Bayerns Verantwortliche offiziell bei ihnen angefragt hatten. Der Spielerbetreuer als Türöffner. Man muss sich Mösmang als guten Zuhörer und als begnadeten Spielerflüsterer vorstellen, der sehr gut verstanden hat, wie der heutige Fußball funktioniert.  

Nun ist das einstige "Mädchen für alles" beim FC Bayern (Mösmang über Mösmang) also Vorstandsvorsitzender eines Erstligaklubs in Portugal und verhandelt auch mit seinen früheren Chefs über Spielertransfers. Denn Ende Juli wechselte Lovro Zvoranek, in den vergangenen Spielzeiten vom FC Bayern an Sturm Graz und Grasshoppers Zürich ausgeliehen, für eine Ablöse von 1,5 Millionen Euro nach Amadora. Mösmang und die Investorengruppe hatten da zwar noch nicht offiziell das Sagen im Vorort Lissabons, die Übernahme war noch nicht vollzogen, jedoch sollen sie bereits seit Anfang Juli zumindest beratend tätig gewesen sein. Auch am Verkauf von Innenverteidiger Otavio an Eintracht Frankfurt für fünf Millionen Euro Ablöse sollen die Deutschen schon beteiligt gewesen sein. 

Dass der Austausch mit den Münchnern eng bleiben könnte, deutete Mösmang bei seiner Präsentation in Amadora Ende August an. Der Austausch mit Bayern werde fortgesetzt, "wie es bereits mit der Ankunft von Lovro Zvonarek geschehen ist", sagte Mösmang da.

Übrigens, wie die portugiesischen Journalisten befriedigt feststellen, in gutem Portugiesisch. Fünf Sprachen spricht Mösmang fließend, neben seinen Muttersprachen Deutsch und Spanisch noch Englisch, Portugiesisch und Französisch, zudem noch ein wenig Italienisch. Gesegnet, wer einen deutschen Vater und eine peruanische Mutter hat und zudem in seiner Jugend drei Jahre in Sao Paulo in Brasilien lebte - und Fußball spielte; in der Jugend des FC Sao Paulo kickte Mösmang im zentralen Mittelfeld und als Rechtsverteidiger, unter anderem zusammen mit dem früheren Tottenham-Star Lucas Moura. Zum Profi reichte es bei Mösmang nicht, doch der Fußball wurde trotzdem sein Beruf. 

Nach seiner Rückkehr nach Deutschland und erfolgreichem Abitur studierte Mösmang in Heidelberg Jura, nebenbei kickte er unter anderem bei Hansi Flicks Heimatverein FC Bammental. Zum FC Bayern kam er über ein Praktikum, vermittelt hatte ihm das damals der wohl berühmteste Peruaner Münchens: Claudio Pizarro, ein langjähriger und enger Freund der Familie Mösmang. Die Fußballwelt ist eben klein. 

Zu Mösmangs ersten Aufgaben beim FC Bayern München gehörte einst, dem Portugiesen Renato Sanches das Einleben in München zu erleichtern. Mösmang übersetzte für Sanches, half ihm bei Behördengängen, spielte mit ihm Playstation und so weiter. Sanches, der - Zufälle gibt's - in Amadora geboren wurde, konnte sich bei Bayern auch in zwei Anläufen letztlich nicht durchsetzen, der einst als Super-Talent und kommende Ballon-d'Or-Kandidat geltende Mittelfeldspieler ist mittlerweile 29 Jahre alt und nach vielen Irren und Wirrungen seit diesem Sommer vereinslos. 

Mösmang aber machte beim Rekordmeister schnell Karriere. Und so eint das prominente Quartett, das nun Estrela Amadora übernommen hat, natürlich die Tatsache, dass sich alle vom FC Bayern München kennen. Vor allem eint sie aber, dass sie alle eng mit Mösmang sind. In den sozialen Netzwerken finden sich allerlei Fotos von Mösmang mit Müller, Hummels und Hernandez. Mindestens seit der Pandemie spielen sie zudem alle in einer gemeinsamen Kickbase-Liga. In einem hörenswerten Podcast von 2021 erzählt Mösmang den Machern der Fantasy-Football-App über seinen Werdegang und die Kickbase-Begeisterung von ihm, Hummels, Müller und Co. Nun gehen die Kickbase-Kumpels einen Schritt weiter: vom Fantasy-Football ins echte Management. 

Aber wieso Portugal? Die Gründe liegen auf der Hand: Die Liga Portugal ist - natürlich vor allem dank der stärksten Klubs Benfica, Sporting und FC Porto - nicht total weit weg von den Top-5-Ligen Europas. Das sportliche Niveau ist vergleichbar mit der belgischen und niederländischen Liga und auf jeden Fall besser als jenes der österreichischen Bundesliga. In der Fünfjahreswertung der UEFA belegt die Liga derzeit Platz sechs hinter der Ligue 1. 

Dazu kommt ein für Investoren besonders lukratives Geschäftsmodell der portugiesischen Vereine, die sich seit jeher als Ausbildungs- und Verkaufsklubs verstehen. Die Strukturen für Scouting und Spielerentwicklung befinden sich auf einem hohen Niveau, dazu kommt auch ein gewisses Verhandlungsgeschick der portugiesischen Akteure. "Die zehn erfolgreichsten Klubs außerhalb von Benfica, Porto und Sporting haben in zehn Jahren zusammen über 700 Millionen Euro positive Transferbilanz erwirtschaftet. Das ist kein Geheimtipp, das ist das Geschäftsmodell des Landes", sagte Felix Krüger, einst rechte Hand von Max Eberl als Sportkoordinator bei RB Leipzig und mittlerweile Präsident des portugiesischen Viertligisten Sintrense, kürzlich dem Münchner Merkur.

Auch Mösmang erklärte die Vorzüge der portugiesischen Liga. Es gebe "keine Beschränkungen bei der Verpflichtung von Nicht-EU-Ausländern. Das heißt: Ich kann aus jedem Bereich der Welt Spieler verpflichten". Und das ist wohl der Plan: Amadora soll zum Sprungbrett für Talente aus Fußballentwicklungslängern werden. In diesem Sommer kamen aber erstmal Spieler aus Serbien (der neue Kapitän Stefan Lekovic, 22, von Roter Stern Belgrad), Spanien (Joan Jordan, 32, vom FC Sevilla), Frankreich (Lucas Mincarelli, 22, aus Montpellier) oder Deutschland (neben dem bereits erwähnten Zvoranek noch der Stuttgarter Leispieler Jeremy Arvealo und der Südkoreaner Si-Woo Yang von Fortuna Düsseldorf II). 

Der Saisonstart war zufriedenstellend, in den ersten vier Ligaspielen gab es noch keine Niederlage, mit sechs Punkten belegt die Mannschaft Platz neun. Auch für etwas mehr Zuschauerinteresse haben die Investoren aus Deutschland gesorgt: 4.691 Zuschauer kamen im Schnitt zu den bisherigen zwei Heimspielen, in der vergangenen Spielzeit lag der Schnitt noch bei 3.353 Zuschauern. Im Vergleich zu Deutschland klingt das natürlich geradezu putzig, bei Bayern interessieren sich manchmal mehr Zuschauer für die öffentlichen Trainingseinheiten, zumal das Estadio Jose Gomes auch nur 9288 Plätze hat. Aber in Portugal reichen bereits knapp 5000 Zuschauer für den neunten Platz beim Zuschaueraufkommen. Doch Mösmang sieht ein weit größeres Potenzial. Bei der Präsentation kündigte er an, dass man in die Infrastruktur investieren wolle. Dazu gehören Stadion und Trainingsgelände, aber auch Bereiche wie Scouting, Jugendakademie, Daten und KI. 

Spannend ist in diesem Zusammenhang, in welche Unternehmen der deutsche Investment-Fonds LEAD und dessen Sport-Ableger ADvantage, der die Übernahme vollzogen hat, sonst so investiert sind. Amadora ist der erste Fußballklub im Portfolio. Bisher investierte man nämlich vor allem in Sport-Tech-Unternehmen. Die Geldgeber hinter LEAD kommen übrigens aus dem Umfeld der Dassler-Familie, also der Gründerfamilie von Adidas. 

Ein Grund mehr, wieso man das Projekt eher nicht unterschätzen sollte. Klar, Benfica, Sporting und den FC Porto, die großen Drei des portugiesischen Fußballs, wird der Klub auch sportlich eher nicht einholen können, doch die Plätze dahinter sind nicht zementiert. Da momentan fünf portugiesische Klubs international spielen können, ist durchaus Platz für einen Investorenklub mit Ambition. 

Wie schnell es für einen strategisch klug geführten Underdog nach oben gehen kann, bewies in den vergangenen Jahren Como 1907 in Italien. Als der 2019 mit Geld aus Indonesien von einem britischen Fonds übernommen wurde, spielte der Klub sogar in der vierten Liga. Nach drei Aufstiegen und den Einstiegen der Ex-Profis Cesc Fabregas, mittlerweile auch von halb Europa gejagter Trainer Comos, und Thierry Henry feierte Como nun sein Debüt in der Champions League gegen RB Leipzig.

Das wirkt im Vergleich zu Como wie ein Investorenklub alter Schule; Hollywood-Prominenz hat sich bei den Brausekickern jedenfalls noch nicht blicken lassen und als Touristenattraktion gilt RB auch nicht gerade. Und während RB Leipzig vornehmlich gegründet wurde, um ein Produkt zu bewerben, will Como 1907 eine eigene Marke schaffen - und diese verkaufen. Bisher mit ziemlichem Erfolg. Und natürlich haben bei RB auch nicht frühere Fußball-Weltstars das Sagen, geschweige denn Anteile am Klub.  

Auch bei Amadora sollen Müller, Hummels, Sommer und Hernandez ins operative Geschäft eingebunden werden. 

"Wir wollen Expertisen in allen Bereichen. Yann ist für die Torhüter, Mats für die Defensive und Thomas für die Offensive zuständig. Sie helfen primär bei der Bewertung der Spieler und potenzieller Neuzugänge", sagte Mösmang dem Bayerischen Rundfunk. Die Investoren sollen sagen "ob sie für oder gegen eine Verpflichtung sind. Natürlich helfen sie aber auch in Sachen Netzwerk und Außendarstellung. Bei Spielergesprächen sind sie ebenso dabei. Für sie ist es eine erste Ebene, sich im Management wirklich austesten zu können."

Hummels bestätigt das. Das Investment sei ein wichtiger Schritt, "um für mich herauszufinden, welcher der richtige Job im Fußball für mich künftig sein wird", sagte er zum Spiegel.

Und auch bei den Fans scheint eher Como das Vorbild zu sein als Leipzig. "Ich werde keinen Portugiesen überzeugen, der Anhänger von Sporting, Benfica oder Porto ist. Aber ich glaube, dass ich viele Menschen außerhalb Portugals davon überzeugen kann, Estrela-Fans zu werden“, sagt Mösmang.  

Der zweitliebste Klub der Fans zu werden, danach streben neuerdings einige Vereine. Denn es ist ja so: das Publikum liebt Aufsteigergeschichten, das ist nicht erst so, seit es Social Media gibt, doch die Mechanismen der sozialen Netzwerke haben dieses Phänomen sicher verstärkt. Sollte jetzt ein vormals recht unbekannter Klub aus Portugal plötzlich für Furore sorgen, so die Hoffnung, täten sich plötzlich ganz neue Möglichkeiten auf. Es ist das Bodö/Glimt-Phänomen. 

Ähnlich wie bei Bayerns erstem Champions-League-Gegner in dieser Saison ist noch nicht so lange her, dass Amadora finanzielle Probleme hatte. 2010 wurde das Team sogar komplett vom Spielbetrieb zurückgezogen, nach einer Fusion mit einem Drittligisten 2020 erhielt der Klub wieder den alten Namen. Einen offiziellen Titel gewonnen hat der Klub daher noch nicht. Und selbst der Vorgängerklub mit gleichem Namen hat in seinem Palmares nur einen portugiesischen Pokalsieg 1989/990. Viel Luft nach oben.


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