Streit um Ronaldo bei Portugal eskaliert: Nun schaltet sich sogar die Politik ein | Goal.com Deutschland

Der 41-Jährige hatte das Teamcamp der Selecao am Mittwoch freiwillig verlassen. Nun sorgte Ronaldo jedoch erneut für Gesprächsstoff: Er likte einen Instagram-Beitrag, der sich nicht nur gegen Jesus, sondern auch gegen seine eigenen Mitspieler in der Nationalmannschaft richtete.
In dem Beitrag kritisierte der Brasilianer und ehemalige Juventus-Profi Felipe Melo gegenüber Sport TV den aus seiner Sicht respektlosen Umgang mit dem portugiesischen Superstar. "Es gibt einen großen Unterschied darin, wie die Portugiesen Cristiano Ronaldo behandeln und wie die Argentinier Lionel Messi behandeln", sagte Melo.
Anschließend richtete der 43-Jährige den Blick auf Ronaldos Verhältnis zu seinen Mitspielern - und zog dabei einen bemerkenswerten Vergleich zu den Gegnern: "Aber ich sehe auch bei den Gegnern mehr Respekt gegenüber Ronaldo als bei seinen eigenen Mitspielern. Habt ihr den Napoli-Spieler gesehen (Höjlund, Anm. d. Red.), der gestern getroffen hat? Er wurde unglaublich wütend und hat Jorge Jesus sogar weggestoßen."
Seine Kritik an Ronaldos Teamkollegen verschärfte der ehemalige brasilianische Nationalspieler daraufhin noch einmal: "Ich sehe bei ihm mehr Respekt als bei Ronaldos eigenen Nationalmannschaftskollegen. Dort kommt niemand auch nur annähernd an ihn heran, niemand spielt auch nur in derselben Liga wie Cristiano", erklärte. Man könne "den besten Spieler der Geschichte nicht einfach gehen lassen."
Dann nahm Melo auch Jesus direkt ins Visier. "Er ist einer der besten Spieler aller Zeiten und Portugals bester Spieler. Das ist unmöglich. Um es ganz klar zu sagen: Zwischen Cristiano Ronaldo und Jorge Jesus stehe ich absolut auf der Seite von Cristiano", sagte er. Gleichzeitig ließ der Brasilianer eine Hintertür offen: "Aber wenn man mir morgen beweist, dass er respektlos war, dass alles geplant und abgesprochen war und dass er von sich aus gegangen ist, dann werde ich der Erste sein, der zugibt, dass ich mich geirrt habe."
Auslöser des Streits war Ronaldos Nichtberücksichtigung gegen Norwegen. Beim 4:2-Erfolg der Portugiesen am Sonntag saß der Superstar über die komplette Spielzeit auf der Bank, nachdem er wenige Tage zuvor gegen Wales noch als Kapitän auf dem Platz gestanden hatte. Offenbar fühlte sich Ronaldo dadurch brüskiert und zog daraus Konsequenzen.
Über Instagram erklärte der 41-Jährige anschließend selbst seinen Schritt. "Nach der Pressekonferenz des Trainers und einem Gespräch mit dem Präsidenten des portugiesischen Verbands habe ich mich dazu entschieden, das Teamcamp zu verlassen", schrieb Ronaldo. Zu den genauen Gründen wolle er sich zu einem "richtigen Zeitpunkt" äußern.
Die Folgen ließen nicht lange auf sich warten. Bereits am nächsten Tag übernahm Rafael Leao Ronaldos ikonische Rückennummer sieben. Auch abseits des Platzes verschärfte sich die Debatte. Besonders Ronaldos Schwester Elma Aveiro und Moderator Piers Morgan stellten sich öffentlich gegen Jesus. Morgan bezeichnete den Trainer dabei sogar als "arrogantes Arschloch".
Welche Dimension der Streit inzwischen erreicht hat, zeigt ein Bericht der portugiesischen Sportzeitung Record. Demnach soll sich mittlerweile sogar die Politik eingeschaltet haben, um eine schnelle Lösung herbeizuführen. Verbandspräsident Pedro Proenca stehe unter Druck, den Konflikt zwischen Ronaldo und Jesus zu entschärfen, heißt es.
Auf Anordnung des portugiesischen Parlaments soll der portugiesische Fußballverband FPF deshalb ein klärendes Gespräch zwischen Jesus und Ronaldo organisieren. Die Aussprache ist dem Bericht zufolge bereits für die kommende Woche vorgesehen.
Hintergrund seien demnach auch Sorgen mit Blick auf die WM 2030. Portugal ist gemeinsam mit Spanien und Marokko Co-Gastgeber. Ronaldos Rückzug könnte aus Sicht der Verantwortlichen die Vorbereitungen und die öffentliche Wahrnehmung des Turniers belasten. Der Superstar war als prominentes Gesicht und wichtiger Botschafter für die WM eingeplant.
Am Sonntag treffen die Portugiesen ohne ihren Rekordspieler erneut auf Norwegen und wollen dabei den vierten Sieg im vierten Gruppenspiel der Nations League einfahren.
Orijinal haberi okuyun




