Von Mama gedrillt und Brasilien verzaubert: Keito Nakamura gehört auf die ganz große Bühne | Goal.com Deutschland

Veröffentlicht am 09 Aug 2026 | Lesezeit: 4 MinutenVon Mama gedrillt und Brasilien verzaubert: Keito Nakamura gehört auf die ganz große Bühne | Goal.com Deutschland

Nachdem Japan bei dieser Ausgabe der Weltmeisterschaft erneut Herzen eroberte, beendete eine schmerzhafte Niederlage gegen Brasilien den Lauf früher, als man es sich erhofft hatte. Spieler standen weinend auf dem Rasen und dankten den japanischen Fans, und eine emotionale Ansprache von Cheftrainer Hajime Moriyasu erregte online große Aufmerksamkeit.

Die Japaner hatten es nicht verdient, so früh nach Hause zu fahren. Doch sie ereilte das gleiche Schicksal wie ihren Gruppengegner Niederlande: Im erstmals ausgetragenen Sechzehntelfinale wartete ein enorm schwerer Gegner. Für die Asiaten war der Rekordweltmeister eine Nummer zu groß, Oranje zog im Elfmeterschießen gegen Marokko den Kürzeren.

Als man in der Gruppenphase aufeinandertraf, stach ein japanischer Spieler heraus: Keito Nakamura. Der Flügelspieler war einer der besten Akteure Japans und überraschte Bart Verbruggen mit einem Schuss am kurzen Pfosten. Auch dank Nakamuras Tor endete die rasante Partie 2:2.

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Das Tor ist bezeichnend für seinen Spielstil: ein Dribbling auf der linken Seite, der Zug nach innen, das Verlagern auf den rechten Fuß und dann ein wuchtiger Abschluss. Seine Technik ist ausgereift, geschliffen durch unermüdliches Üben seit der Kindheit, wie im Filmmaterial zu sehen ist, das in der japanischen Show NHK NEWS Ohayo Nippon ausgestrahlt wurde.

Zu sehen ist ein herzerwärmendes Heimvideo von Nakamura, dem seine Mutter immer wieder Tischtennisbälle zuwirft. Es ist die Aufgabe des jungen Fußballers, den Ball geschickt aus der Luft zu pflücken, immer und immer wieder. "Ehrlich gesagt hat sich das als unglaublich gute Übung erwiesen, um den Ball genau im Sweet Spot zu treffen", sagt der Flügelstürmer über diese Übung. "Dadurch habe ich meine Volleyschüsse enorm verbessert."

Seine Eltern taten generell alles, um seine Ambitionen auf eine Profikarriere zu fördern. Als er etwa sieben Jahre alt war, quengelte er so lange, bis sie einwilligten, ihn nach Brasilien mitzunehmen. "Als Kind wollte ich unbedingt nach Brasilien, also flehte ich meine Eltern an, und sie nahmen mich mit", erzählte er TV Asahi.

Warum Brasilien? Die Antwort scheint offensichtlich. "Ich war ein großer Fan von Ronaldinho und vom brasilianischen Fußball verzaubert. Ich wollte seine Ursprünge erleben und mit den einheimischen Kindern spielen."

Und genau das tat er: Joga Bonito in den Straßen Brasiliens. "An den meisten Tagen spielte ich nicht allein. Es war immer jemand da, mit dem ich spielen konnte. Ich wollte diese brasilianische Art zu dribbeln erleben, diese Weltklasse-Art, Fußball zu spielen", erzählte Nakamura.

"Ich war fest davon überzeugt, dass in Brasilien jeder für den Fußball lebt. Auf dem Rückweg, am Flughafen, hatte ich meinen Ball dabei, also fing ich an zu jonglieren. Sicherheitsleute und Angestellte versammelten sich sofort und sagten: 'Hey, dürfen wir mitmachen?' Ehe ich mich versah, jonglierten wir zu fünft oder sechst gemeinsam."

Erst rückblickend sei ihm klar geworden, "wie ungewöhnlich das war. Sie bewegen sich einfach instinktiv und machen das, was sich im Moment natürlich anfühlt. Als Kind habe ich viel von diesem Spielstil gelernt", erklärte Nakamura. 

Als ausgerechnet Brasilien ihn und seine Mitspieler bei der jüngsten Weltmeisterschaft ausschaltete, übermannten ihn die Gefühle. Dennoch stellte er seine unbestreitbaren Qualitäten bei de WM unter Beweis. Es ist durchaus erstaunlich, warum ein Spieler seines Kalibers, noch dazu mit 26 im besten Alter, in Frankreichs zweiter Liga bei Stade Reims festhängt.

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Er hat mit der Vorbereitung auf seine vierte Saison beim Verein und seine zweite Spielzeit in Folge in der Ligue 2 begonnen, auch wenn Berichten zufolge ein Abgang innerhalb des nächsten Monats möglich ist. Es fällt schwer, sich das Gegenteil vorzustellen.

Nakamura begann seine Karriere in der Jugendabteilung von Mitsubishi Yowa SC, bevor Gamba Osaka ihn mit 17 verpflichtete, und er gab schnell sein Debüt in der ersten Mannschaft. Dieser rasante Aufstieg spiegelte seinen Status als eines der größten Nachwuchstalente Japans wider, ein Ruf, den er mit seiner Ausbeute von vier Toren bei der U-17-Weltmeisterschaft 2017 untermauerte.

Kurze Engagements beim niederländischen Klub FC Twente und beim belgischen Klub Saint-Truiden zeigten, dass sich der junge Japaner in einer völlig anderen Welt noch einfinden musste. Erst bei seinem dritten europäischen Verein, LASK Linz, kam er richtig in Fahrt. In der österreichischen Bundesliga und der Conference League erzielte der Flügelspieler in nur 59 Einsätzen 23 Tore und lieferte fünf Vorlagen.

Diese Form brachte ihm einen Wechsel nach Frankreich zu Stade Reims ein, das damals noch in der höchsten Spielklasse spielte. Über drei Saisons hinweg etablierte er sich als Schlüsselspieler des Vereins.

Während der Abstiegssaison 2024/25 war der japanische Angreifer der einzige Lichtblick: Seine elf Tore und zwei Vorlagen machten mehr als ein Drittel der 33 Ligatore von Reims aus.

Trotz seiner Bemühungen verlor Reims das Abstiegs-Playoff gegen Metz und stieg am Ende der Saison 2024/25 in die Ligue 2 ab. In der zweiten Liga erwies er sich jedoch erneut als entscheidend und steuerte 14 Tore und drei Vorlagen zu den insgesamt 53 Toren des Vereins bei.

Seine Form hat naturgemäß das Interesse von hochkarätigeren Ligen geweckt. Olympique Marseille zählt zu den Klubs, die den eleganten Flügelspieler umwerben, während auch Everton, Bournemouth und Fulham seine Situation beobachten, insbesondere nach seinem WM-Lauf.

Kaoru Mitoma, der spielstarke Flügelspieler von Brighton, verpasste die Weltmeisterschaft verletzungsbedingt. Nakamura trat an seine Stelle und lieferte.

Es ist nicht schwer sich vorzustellen, wie beide japanischen Angreifer in der kommenden Saison die Premier League aufmischen.


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Bericht William Hill

William Hill

4.3

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