Es ist ein nicht enden wollender Transfer-Albtraum: Juventus Turin und die verrückte Posse um Arthur Melo | Goal.com Deutschland

Leider gibt es bislang keine offizielle Begründung oder Einlassung. Es wäre hoch interessant zu erfahren, warum Juventus Turin mit seinem defensiven Mittelfeldspieler Arthur Melo so umgeht, wie man es zuletzt tat.
2020 hatte die Alte Dame stolze 80,6 Millionen Euro an den FC Barcelona überwiesen, um den Brasilianer zu sich zu lotsen. Nur vier Spieler in der langjährigen Klubgeschichte kosteten Juve mehr. Selbst bei Barca ist Melo bis heute nach Neymar der teuerste Abgang der Historie.
Kurz zur Erinnerung: Melo kam damals nach Turin, während Miralem Pjanic zeitgleich zu den Katalanen wechselte. Für beide Vereine war dies ein Deal, um ihre Jahresabschlussberichte durch hohe Einnahmen im Geschäftsjahr zu schönen. Er geriet später sogar ins Visier der Finanzpolizei, doch die italienische Justiz fand letztlich keine Beweise für Unregelmäßigkeiten.
Mittlerweile ist es so, dass Melo für Juventus seit über vier Jahren kein Spiel mehr bestritten hat. Sein letzter Auftritt war das Coppa-Italia-Finale am 11. Mai 2022 (2:4 n.V.), wo er nach 84 Minuten eingewechselt wurde. Viermal haben ihn die Italiener bereits verliehen und seinen Vertrag über die Jahre hinweg mehrfach verlängert, um die Abschreibungskosten in der Bilanz so weit wie möglich zu senken und ihn so auf dem Transfermarkt attraktiver zu machen.
Jetzt steht der mittlerweile 30-jährige Melo, mit Kontrakt bis 2027 und einem jährlichen Nettosalär von kolportierten fünf Millionen Euro ausgestattet, wieder auf der Matte. Und wieder versuchen sich beide Parteien daran, eine endgültige Lösung zu finden, um sich zu trennen. Ob dies gelingt, ist zwei Wochen vor Ende der Transferfrist äußerst fraglich.
Zuletzt berichteten mehrere internationale Medien übereinstimmend, dass Melo bei Besiktas ganz oben auf der Wunschliste des neuen Trainers Vincenzo Italiano steht. Beide arbeiteten bereits in der Saison 2023/24 bei der AC Florenz zusammen.
Die Fiorentina war Melos zweite Leihstation. Zuvor lief er ein Jahr lang für den FC Liverpool unter Jürgen Klopp auf - allerdings, vor allem verletzungsbedingt, nur für 13 Minuten in einer einzigen Partie. Nach Florenz ging es zu Girona, zuletzt kickte Melo bei seinem Jugendklub Gremio Porto Alegre. Dort wurde er zwischen 2010 und 2018 ausgebildet, ehe ihn Barcelona für 31 Millionen Euro verpflichtete.
Juves Problem: Alle vier Vereine verzichteten darauf, die Kaufoption für den Mittelfeldspieler zu ziehen. Zuletzt war mit Gremio eigentlich alles angerichtet. Melo wollte dort unbedingt weitermachen, wie er Mitte März Brasiliens größtem Sportportal Ge Globo mitteilte: "Sollte Juventus zu Verhandlungen bereit sein, ist natürlich jedem klar, dass ich bleiben möchte. Ich habe es schon mehrfach gesagt: Es ist mein Zuhause."
Die Turiner waren freilich zu Verhandlungen bereit, doch zu einer Einigung kam es ein weiteres Mal nicht. Gremio teilte unzweideutig mit, dass man trotz des Interesses "beider Parteien an der Fortsetzung der Zusammenarbeit" keinen gemeinsamen finanziellen Nenner fand. Gerüchtehalber soll Juve acht bis zehn Millionen Euro gefordert haben.
Es ist schwer zu ergründen, warum es die Alte Dame vorzog, das Geschäft platzen zu lassen. Melo aus den Büchern und dem Kader zu bekommen, ist schließlich schon seit Jahren das Ziel. Stattdessen lässt man den Prototyp eines Transferflops wegen ein paar Millionen Differenz weiter in der Mannschaft, obwohl er dort keinerlei Perspektive mehr hat und man selbst bereits knapp 140 Millionen in diesem Sommer in Neuzugänge investierte.
Für den 22-maligen Nationalspieler, der zuletzt Ende März 2022 für die Selecao auflief, ist dies für den Moment ein weiterer Tiefpunkt seiner Laufbahn. Dabei hatte sie in Europa so vielversprechend begonnen.
Barcas einstiger Taktgeber Xavi erklärte nach seinem Karriereende, Melo löse in ihm Erinnerungen an sich selbst aus. Auch Lionel Messi hatte ihn gelobt. Melo zeigte anfangs in der Tat starke Leistungen in Spanien. Die wurden allerdings zusehends seltener. Verletzungen häuften sich genauso wie Gerüchte über ein unprofessionelles Privatleben. Gerade Neymars organisierten Partys gegenüber soll er nicht abgeneigt gewesen sein.
Trotzdem wollte Melo die Blaugrana nicht verlassen, als es zum fragwürdigen Tauschdeal mit Pjanic kam. In Turin brachte er kaum ein Bein auf den Boden, von einem Dasein als Stammspieler war er auch aufgrund zahlreicher Blessuren kilometerweit entfernt.
Nach zwei Jahren, Melo war 26, reagierte Liverpool auf die Ausfälle von Thiago und Alex Oxlade-Chamberlain und holte ihn trotz Fitnessrückstands kurz vor Transferfrist für eine Leihgebühr von 4,5 Millionen Euro. Die Kaufoption lag bei 37,5 Millionen. Schnell folgte eine Oberschenkelverletzung inklusive anschließender Operation. Melo fiel fast fünf Monate lang aus.
Nach seiner Rückkehr war er voller Tatendrang. "Ich freue mich darauf, diese neue Version von Arthur zu zeigen", sagte er im Mai 2023 im GOAL-Interview. "Ich bin gespannt auf die Zukunft. In dieser Saison habe ich gelitten, ich hatte einige schwierige Momente, aber das hat mir das Rüstzeug für die nächste Saison gegeben."
Die brachte ihn nach Florenz und dort lief es in der Tat deutlich besser. Melo blieb endlich stabil und riss 48 Partien (32 Startelfeinsätze) ab. Die Möglichkeit, ihn für 20 Millionen zu kaufen, ließ die Viola dennoch verstreichen.
Dann ging es wieder bergab. Juve fand für Melo im Sommertransferfenster keinen Abnehmer, nach Monaten ohne Spielpraxis schlug Girona im Winter zu. Melo blieb 150 Tage und kam auf 15 Partien, zwei Drittel davon absolvierte er von Beginn an.
Zuletzt bei Gremio überzeugte er wieder konstant. In 17 von 23 Begegnungen stand Melo in der Anfangsformation, mehrfach trug er die Kapitänsbinde. Gremio gewann die Staatsmeisterschaft von Rio Grande do Sul. Nicht wenige forderten sogar seine WM-Nominierung für die Nationalelf, mit der er 2019 die Copa America gewonnen hatte.
Letztlich liest sich Melos Werdegang längst wie ein episches Missverständnis aus hohen Erwartungen, viel Verletzungspech und bilanzieller Taktik. Es bleibt vor allem die Frage, was Juventus mit ihm eigentlich noch erreichen will. Das Kapitel ist zu einem Paradebeispiel für verfehlte Kader- und Finanzplanung geworden. Dass Juve ihn dennoch weiter lieber auf der Gehaltsliste parkt, als wirtschaftliche Zugeständnisse zu machen, setzt der Nummer die Krone auf.
Zeitraum
Verein
Spiele
Tore
Vorlagen
2015-2018
Gremio Porto Alegre
70
6
4
2018-2020
FC Barcelona
72
4
6
seit 2020
Juventus Turin
63
1
1
2022-2023
FC Liverpool (Leihe)
1
0
0
2023-2024
AC Florenz (Leihe)
48
2
4
2025
FC Girona (Leihe)
15
0
0
2025-2026
Gremio Porto Alegre
36
1
2
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