Nach dem nächsten gescheiterten Abenteuer: Ex-BVB-Star Youssoufa Moukoko wagt Neustart in der Türkei | Goal.com Deutschland

Публикувано на 07 Sep 2026 | Време за четене: 5 минутиNach dem nächsten gescheiterten Abenteuer: Ex-BVB-Star Youssoufa Moukoko wagt Neustart in der Türkei | Goal.com Deutschland

Als Youssoufa Moukoko im August 2019 erstmals für die U19 von Borussia Dortmund auflief, schien die Fußballwelt vor seinen Füßen zu liegen. Gerade einmal 14 Jahre alt, erzielte er bei seinem Debüt gleich sechs Treffer - und löste damit einen Hype aus, der kaum größer hätte sein können. "Wunderkind" und "Jahrhunderttalent" waren fortan die Etiketten, die ihn begleiteten.

Sein Aufstieg verlief tatsächlich rasant. Mit 16 Jahren debütierte Moukoko in der Bundesliga und schrieb als jüngster Spieler der Ligageschichte Geschichte. Ein Jahr später folgte unter Hansi Flick der erste Einsatz für die deutsche Nationalmannschaft. Flick nahm den Teenager sogar mit zur Weltmeisterschaft 2022 nach Katar.

Doch auf den kometenhaften Aufstieg folgte die Ernüchterung. Moukoko konnte die enormen Erwartungen in Dortmund nicht dauerhaft erfüllen. Nach vier Jahren beim BVB ging es zunächst per Leihe zu OGC Nizza. Auch dort blieb der erhoffte Durchbruch aus: In 22 Einsätzen gelangen ihm lediglich zwei Treffer.

2025 endete seine Zeit in Dortmund schließlich endgültig. Für gerade einmal 5,5 Millionen Euro wechselte Moukoko zum FC Kopenhagen. Doch auch in Kopenhagen konnte sich Moukoko nicht nachhaltig durchsetzen. Während der dänische Rekordmeister eine historisch schlechte Saison erlebte, geriet der Angreifer im Saisonverlauf immer weiter ins Hintertreffen.

Nun folgt der nächste Anlauf. In diesem Sommer wurde der mittlerweile 21-Jährige erneut verliehen, diesmal in die Türkei zu Corum FK. Der Klub aus Anatolien steht noch am Anfang seiner Geschichte auf der europäischen Fußballbühne. Für Moukoko ist es bereits die dritte Station innerhalb von drei Jahren - und damit die nächste Chance auf einen Neuanfang.

"Peinlich" und ein "rabenschwarzer Tag" - Trainer Jacob Neestrup fand nach dem 1:2 gegen Randers FC Anfang März deutliche Worte. Die Niederlage besiegelte den historischen Absturz des FC Kopenhagen in die dänische Abstiegsrunde. Erstmals seit Einführung des Meisterschaftssystems 2020 verpasste der 16-malige Meister damit die Qualifikation für die Meisterschaftsrunde. "Wir haben die Meisterschaftsrunde nicht verdient. Ich denke, wir haben uns zu lange selbst überschätzt. So ist die Situation, wir können uns nur selbst die Schuld geben", sagte Neestrup, der wenige Wochen später seinen Posten räumen musste. Auch Ex-Bundesligaprofi Thomas Delaney zeigte sich angesichts der Leistungen in der Hauptrunde fassungslos: Man erfülle die eigenen Erwartungen nicht, "das ist die Hölle".

Dabei hatte die Saison zunächst vielversprechend begonnen. Nach zehn Spieltagen lag Kopenhagen mit 20 Punkten auf Rang drei und nur drei Zähler hinter Spitzenreiter Aarhus GF. Danach folgte jedoch der Einbruch: In zwölf Spielen gelangen lediglich zwei Siege, sechs Partien in Folge blieb der Rekordmeister ohne Dreier.

Auch für Moukoko entwickelte sich die Saison zunehmend zum Problem. Zu Beginn war der Angreifer noch gesetzt und stand in den ersten acht Ligaspielen in der Startelf. Doch mit lediglich zwei Toren konnte er seine Chance nicht wirklich nutzen. Als Mittelstürmer wird Moukoko schließlich vor allem an seiner Torausbeute gemessen.

Es folgten fünf Einwechslungen in Serie, ehe er in vier der letzten sieben Hauptrundenspielen die komplette Partie auf der Bank verbrachte. In seinen drei übrigen Einsätzen kam er jeweils als Einwechselspieler. Die Bilanz nach der Hauptrunde war entsprechend ernüchternd: nur drei Tore in 18 Spielen.

In der Abstiegsrunde lief es für Moukoko anschließend deutlich besser. Kopenhagen war gegen die Teams aus der unteren Tabellenhälfte der dänischen Superliga weitestgehend unterfordert, wodurch sich auch für Moukoko mehr Chancen zum Glänzen ergaben. In sechs Spielen erzielte er sechs Tore. An der grundsätzlichen Einschätzung von Neestrup-Nachfolger Bo Svensson änderte das jedoch wenig. Der seit März amtierende Coach verzichtete zwischenzeitlich sogar vier Spiele in Folge auf Moukoko.

Der Grund dafür lag laut dem ehemaligen Bundesligatrainer in der taktischen Ausrichtung. "Es hat überhaupt nichts mit Moukis Arbeitseinstellung oder Disziplin zu tun. Diese beiden Spiele waren davon geprägt, dass wir in der letzten Reihe körperlich sehr präsent sein mussten. Das liegt Moukoko nicht in dem Maße wie Geovanni, Dadason und Cornelius."

Svensson weiter: "Ich setze die Spieler ein, von denen ich glaube, dass sie uns auf dem Platz am besten helfen." Am Ende habe es "einfach nicht so gut gepasst", bilanzierte der 47-Jährige.

Damit war der Weg für die nächste Veränderung frei. Die vereinbarte Kaufoption über 18 Millionen Euro ließ der dänische Klub verstreichen. Stattdessen setzt Moukoko erneut auf einen Tapetenwechsel: In der Türkei soll ihm nun der Neustart gelingen, der ihm in Dänemark verwehrt blieb. Kurz vor Ablauf der Transferfrist machte der FC Kopenhagen die Leihe des 21-Jährigen zu Corum FK offiziell.

Die Entscheidung kam nicht von ungefähr, wie Kopenhagens Fußballdirektor Kristjaan Speakman erklärte. "Youssoufa wollte unbedingt mehr Einsatzzeit, was wir zwar nachvollziehen konnten, hier in Kopenhagen aber nicht garantieren konnten. Das Gespräch war ganz klar: Entweder hatte er die Chance, sich einen Platz in der Startelf zu erkämpfen, oder wir mussten einen Leihvertrag finden, der ihm mehr Einsatzzeit garantierte. Nun hat er eine neue Chance erhalten, und wir wünschen ihm alles Gute in der Türkei."

Anstelle eines etablierten türkischen Spitzenklubs wie Galatasaray, Fenerbahce oder Besiktas führt Moukokos Weg damit zu einem Verein, der bis vor wenigen Jahren selbst noch weitgehend unbekannt war. Corum FK hat innerhalb kürzester Zeit einen bemerkenswerten Aufstieg hingelegt und sich von einem Drittligisten zu einem Klub der Süper Lig entwickelt.

Der Grundstein dafür wurde 2022/23 gelegt. Mit dem Gewinn der "weißen Gruppe" der drittklassigen TFF 2. Lig gelang der Sprung in die zweite Liga. Dort setzte Corum seinen Höhenflug direkt fort: Als Aufsteiger landete die Mannschaft 2023/24 auf Rang fünf und verpasste den Durchmarsch in die Süper Lig erst in den Playoffs. Nach einem zehnten Platz im folgenden Jahr gelang 2025/26 schließlich der große Coup. Corum wurde Vierter und setzte sich in den anschließenden Playoffs unter anderem gegen Bodrum FK und Erokspor durch. Im Mai war der historische Aufstieg ins türkische Oberhaus perfekt.

Dort geht es für den Klub nun zunächst ums Überleben. Als oberstes Saisonziel wurde der Klassenerhalt ausgegeben. Dafür rüsteten die "Roten Blitze" im Sommer kräftig auf und gaben insgesamt 24 Millionen Euro für 23 neue Spieler aus. Viele Transfers waren ablösefrei, die größte Ablöse kostete Mohamed Diomande, der für 5,25 Millionen Euro von den Glasgow Rangers kam. Auch der bosnische Nationalspieler Ermin Mahmic (Slovan Liberec), Hrvoje Smolcic von Eintracht Frankfurt und Cengiz Ünder, der ablösefrei von Fenerbahce kam, schlossen sich dem Aufsteiger an. Am Freitag tütete man zudem die Verpflichtung des türkischen Nationalspielers Caglar Söyüncü - ebenfalls ablösefrei - ein.

Der rasante Aufstieg ist dabei mehr als das Ergebnis einer gelungenen Transferperiode. Hinter Corum FK stehen potente Geldgeber wie die Ahlatci Holding und Arca Savunma, die dem schuldenfreien Klub eine solide wirtschaftliche Grundlage verschaffen. Gleichzeitig wurde der Verein unter Ex-Präsident Oguzhan Yalcin strukturell neu aufgestellt.

Getragen wird Corum zudem von einer euphorischen Region und großer Heimstärke. Nun will der Aufsteiger auch den etablierten Klubs aus Istanbul Paroli bieten - mit Moukoko als Hoffnungsträger. Sein Debüt machte dabei bereits Mut: Beim 3:0-Sieg gegen Eyüpspor steuerte er direkt eine Vorlage bei.


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