Yan Diomande beschert einem Fast-Drittligisten mit seinem Real-Transfer einen irren Geldregen | Goal.com Deutschland

Published on 06 Aug 2026 | Reading time: 5 minutesYan Diomande beschert einem Fast-Drittligisten mit seinem Real-Transfer einen irren Geldregen | Goal.com Deutschland

Aufgepasst, jetzt geht es um Zahlen! 232 Tage lagen zwischen den Vertragsunterschriften von Yan Diomande bei CD Leganes am 27. November 2025 und bei RB Leipzig am 16. Juli 2026. In diesen knapp acht Monaten lief der Ivorer lediglich zehnmal für die Spanier auf, insgesamt absolvierte er 542 Spielminuten.

Dafür bekam Leganes, ein 1928 in einer südlichen Vorstadt von Madrid gegründeter Klub, bereits stolze 20 Millionen Euro von den Sachsen. Was in Leipzig geschah, ist bekannt: Der pfeilschnelle Diomande wurde nach 13 Toren und zehn Vorlagen in 36 Pflichtspielen zum Bundesliga-Rookie der Saison 2025/26 gekürt und wechselt nun für eine dreistellige Summe zu Real Madrid. Wahnsinn!

Wie hoch die Ablöse für die Königlichen tatsächlich ausfallen wird, das war in den vergangenen Tagen auch bei Leganes von größtem Interesse. Denn: Mit jeder zusätzlichen Million sprang auch für den aktuellen Zweitligisten mehr heraus.

Leganes hat sich bei Diomandes Verkauf nämlich eine fünfprozentige Beteiligung am Verkaufsgewinn gesichert - nicht am Weiterverkauf! Heißt: Der 19-Jährige wurde für 20 Millionen verkauft. Wenn der Transfer zu Real also, wie von Sky berichtet, für 125 Millionen Basisablöse über die Bühne geht, beträgt der Verkaufsgewinn 105 Millionen - und fünf Prozent davon wären 5,25 Millionen Euro. Zur Ablösesumme könnten noch leichter erreichbare Boni in Höhe von zehn Millionen Euro kommen, weitere fünf Millionen Euro sollen laut Sky schwerer zu erreichen sein.

In diesem Szenario würde Leganes also mit Diomande, der zusammen mit Youssef En-Nesyri (2019/20 zum FC Sevilla) ohnehin bereits der Rekordverkauf des Vereins ist, 25,5 Millionen Euro fix einnehmen - somit 47.048 Euro pro Spielminute oder rund 2,55 Millionen pro Spiel von ihm erhalten. Wahnsinn!

Wie aber hat sich Diomande in diesen 542 Einsatzminuten eigentlich beim damaligen Aufsteiger Leganes geschlagen? Auch hier sollte der FC Sevilla eine große Rolle spielen.

Diomande hatte zuvor bereits eine echte Odyssee hinter sich. Entdeckt in seiner Heimat, landete er über mehrere Umwege in der privaten Sportakademie DME Academy in Daytona Beach im US-Bundesstaat Florida. Dort avancierte er auf Anhieb zur alles dominierenden Figur und erspielte sich schnell Probetrainingseinheiten beim FC Chelsea, Crystal Palace, AFC Bournemouth, den Rangers aus Glasgow, den Colorado Rapids und Charlotte FC.

Heute schier unglaublich lehnten aber alle Klubs Diomande ab. Leganes schlug zu - dank direkter Kontakte zu DME. "Viele Leute kennen diese Geschichte nicht wirklich, aber der Eigentümer von Leganes (Jeff Luhnow, Anm.d.Red.) leitet eine Investmentgruppe in Houston namens Blue Crow und ich glaube, er hat gerade Cascade, einen USL-Klub, gekauft", erzählte kürzlich Todd Eason, zwischen 2021 und 2024 Sportdirektor bei DME gegenüber ESPN. "Er finanzierte aber auch die afrikanische Gruppe, mit der ich zusammenarbeitete und die all diese Spieler ausfindig machte. Ich glaube, er überwarf sich mit seinem afrikanischen Partner, und deshalb holte er Dio und einen weiteren Spieler zu Leganes."

Der ablösefreie Diomande schlug schließlich erst deshalb während der laufenden Saison in Spanien auf, weil dies frühestens mit seinem 18. Geburtstag am 14. November erlaubt war. Aus den USA brachte der heute 14-malige Nationalspieler jedoch eine Verletzung mit, weshalb es bis zum März 2025 brauchte, ehe er erstmals im Kader stand und sein Debüt gab.

Vor seiner Ankunft hatten die Verantwortlichen von Leganes den Flügelspieler lediglich auf Videos gesehen. Als er nach seiner Genesung schließlich in der U19 zu trainieren begann und allen anderen weit überlegen war, waren die Augen aller groß.

Leganes organisierte daraufhin einzig wegen Diomande ein internes Testspiel: Die erste Mannschaft trat gegen ein Team an, das mit Spielern aus der zweiten Mannschaft und der U19 gespickt war. Diomande lieferte eine spektakuläre Partie ab, erzielte nach mehreren herausragenden Einzelaktionen zwei Traumtore und spielte die Abwehrspieler der Profis an die Wand.

"Er war unglaublich. Schon bei seiner ersten Ballberührung sagten wir: Da ist etwas Besonderes, das ist nicht normal", erinnerte sich kürzlich der damalige Kapitän Sergio Gonzalez beim Radiosender COPE. Chefcoach Borja Jimenez bat eiligst darum, Diomande vorzeitig auszuwechseln. Er wollte eine Verletzung verhindern, denn er hatte bereits genug gesehen. Jimenez war klar geworden: Diesen Jungen brauchen wir im Abstiegskampf - und zwar sofort!

Keine 100 Stunden später kam Diomande erstmals zu einem vierminütigen Kurzeinsatz für die Profis - ausgerechnet im Estadio Santiago Bernabeu gegen seinen neuen Klub Real Madrid. 14 Tage später feierte er gegen den FC Barcelona sein Startelfdebüt.

Dann kamen der 4. Mai und das Sanchez Pizjuan in Sevilla. Leganes reiste als Tabellenvorletzter mit vier Punkten Rückstand auf das rettende Ufer an, nachdem es am Spieltag zuvor erst in der Nachspielzeit zu einem glücklichen Remis zu Hause gegen Girona gereicht hatte.

Mit einer personell dezimierten Truppe hielten die Gäste ein 2:2, bis weit nach der 90. Minute die letzte Aktion des Spiels folgte: Nach einem abgefangenen Eckball für Sevilla machte Leganes über den Torwart das Spiel schnell und fuhr gegen die aufgerückte Defensive der Hausherren einen Konter. Diomande legte den Ball am herausstürmenden Keeper Orjan Nyland vorbei und hatte etwa 22 Meter vor dem Kasten nur noch das leere Tor vor sich.

Etwas überhastet schob er die Kugel links am Pfosten vorbei. In der Endabrechnung fehlten Leganes letztlich diese zwei Punkte, die Diomande auf dem Fuß hatte. Die Fans in den sozialen Medien tobten und kritisierten ihn heftig. Ein konsternierter Trainer Jimenez sagte über die Szene: "In der 95. Minute dachte ich, wir hätten schon gewonnen, als ich sah, wie Diomande allein auf das Tor zulief. In diesem Moment glaubte ich an den Sieg. Er hätte sich anders entscheiden können - das ist so gut wie sicher. Er ist ein sehr junger Kerl, für den dieses Niveau neu ist. Im Moment braucht er Unterstützung. Er war am Boden zerstört."

Nur Tage später erlebte Diomande einen Schicksalsschlag, bei dem eine vergebene Torchance in einem Fußballspiel komplett bedeutungslos wird. Der Youngster, der von all seinen Weggefährten als riesiger Familienmensch bezeichnet wird, verlor urplötzlich seine Schwester Roxane. Während der WM machte er dies öffentlich, indem er bei The Players' Tribune einen extrem emotionalen Brief an sie verfasste.

Am anschließenden Wochenende lieferte Diomande die wohl beste Leistung im Leganes-Trikot ab. Der 3:2-Heimsieg gegen Espanyol Barcelona durchbrach eine Serie von zuvor acht Begegnungen ohne Dreier. Diomande traf zum 2:0 und war hauptverantwortlich für das Eigentor, das zum 3:0 führte. Sein Treffer machte ihn mit 18 Jahren, fünf Monaten und 27 Tagen zum jüngsten Leganes-Spieler, der in der Primera Division netzte.

"Ich wurde schon in jungen Jahren auf das vorbereitet, was jetzt geschieht. Deshalb verspüre ich keinen Druck. Ich wusste, dass dieser Moment kommen würde. Es ist ein wahr gewordener Traum", sagte Diomande anschließend dem Fan-Portal somoslega.com. "Wir haben früher alle im Fernsehen gesehen, wie Spieler Tore schossen und ihre Namen gerufen wurden. Jetzt hier zu sein, zu hören, wie mein Name skandiert wird, das macht mich sehr glücklich."

Mit diesem und zwei weiteren Siegen am vorletzten und letzten Spieltag stemmte sich der Klub, der erstmals 2016 aufgestiegen war und sich vier Jahre lang in der Liga hielt, noch einmal mächtig gegen den Gang in Liga zwei. Es half jedoch nichts: Mit einem Punkt Rückstand auf Girona und - ausgerechnet! - Sevilla stieg Leganes wieder ab.

Wer weiß, was in den restlichen Partien passiert wäre, hätte Diomande in Sevilla das späte 3:2 erzielt. Während er sich anschließend in Deutschland aus dem Stand zurück nach Spanien zu den Königlichen zauberte, erlebte Leganes ohne ihn ein sehr kompliziertes Jahr. Auf Platz 16 schrammte man nur um sechs Zähler am erneuten Abstieg vorbei.

Nun steht ein Neuanfang bevor, finanziell geht es dem Klub immerhin gut. 1,27 Millionen Euro investierte man jedoch bislang erst in Neuzugänge. Weitere 5,5 Millionen werden Leganes jetzt einen enormen Schub auf dem Transfermarkt geben - dank Diomande.

Zeitraumdd

Mannschaft

Pflichtspiele

Tore

Vorlagen

2024-2025

CD Leganes

10

2

1

2025-2026

RB Leipzig

36

13

10


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