Die Gewinner und Verlierer von Jürgen Klopps erster Länderspielphase | Goal.com Deutschland

Jürgen Klopp hatte vor seinem Debüt als Bundestrainer schon ziemlich viel geredet. Darüber, als welch große Ehre er den Posten empfindet. Darüber, dass er in Deutschland verlorenen Nationalstolz zurückholen will. Darüber, dass sein Mission Zeit brauchen, aber sicher, ganz sicher zum Erfolg führen wird. Auch über die Medien, deren ursächliche Aufgabe als neutrale Berichterstatter er offenbar nicht so ganz verstanden hat. Wenig konkret sprach Klopp dagegen über seine personellen Planungen im DFB-Team, erstmal wolle er sich selbst ein Bild von allen Spielern machen.
Immerhin bei der Torhüterfrage positionierte sich Klopp nach dem Rücktritt von Manuel Neuer, indem er Marc-Andre ter Stegen "für den Moment" zur Nummer eins erklärte. Nach den Eindrücken der ersten vier Spiele dürfte dieser Status schon wieder wackeln. Der 34-Jährige glänzte beim 1:1 gegen die Niederlande zwar mit tollen Reflexen, offenbarte aber auch eklatante Schwächen bei der Strafraumbeherrschung und im Passspiel.
Ein Verlierer ist ter Stegen nach diesem Auftritt nicht, Jonas Urbig entwickelte sich anschließend aber zum klaren Gewinner. Der 23-Jährige bekam als einziger Keeper zwei Einsätze. Gegen Serbien (2:0) und in Griechenland (0:0) machte Urbig einen insgesamt stabileren Eindruck als zuvor ter Stegen, blieb ohne Gegentreffer und parierte am Sonntagabend Georgios Masouras' Kopfball spektakulär. Sollte er sich tatsächlich zum DFB-Stammkeeper entwickeln, würde das zu einer kuriose Situation führen, beim FC Bayern ist Urbig schließlich weiterhin nur Neuers Ersatzmann.
Der größte Gewinner von Klopps erster Länderspielphase ist Debütant Philipp Treu. Der 25-jährige Rechtsverteidiger vom SC Freiburg bekam als einziger Profi drei Startelfeinsätze und präsentierte sich dabei rundum gefällig. Womöglich hat Klopp die Lösung für die ewige Problemposition des deutschen Fußballs gefunden.
In der Innenverteidigung stehen die beiden Platzhirsche Jonathan Tah und Nico Schlotterbeck unter Druck. Yann Aurel Bisseck (25) und Malick Thiaw (25) dürfen sich nach starken Auftritten als echte Gewinner fühlen. Mit seinem robusten Zweikampfverhalten war Bisseck der einzige deutsche Lichtblick bei der 0:1-Heimpleite gegen Griechenland. Thiaw glänzte bei den beiden abschließenden Spielen vor allem mit vertikalen Pässen im Aufbauspiel.
Zumindest ein kleiner Verlierer ist Finn Jeltsch. Klopp hatte den 20-jährigen Innenverteidiger des VfB Stuttgart bei seiner Nominierungs-Pressekonferenz vorab überraschend überschwänglich gelobt, setzte ihn dann aber gar nicht ein. Außer Jeltsch blieben von den fitten Feldspieler nur Max Rosenfelder, Felix Keidel und Ridle Baku ganz ohne Spielminute.
Ebenfalls als Verlierer geht Nathaniel Brown aus der Länderspielphase hervor. Nach seinem DFB-Durchbruch bei der WM und dem anschließenden 50 Millionen Euro teuren Wechsel zum FC Bayern ist der rasante Aufstieg des 23-Jährigen erstmal gestoppt. Brown begann bei den ersten beiden Partien, wusste jedoch nicht zu überzeugen. Sein Vorteil: Klopps Alternativen Maximilian Mittelstädt und David Raum spielten zwar etwas besser, gaben aber keine echten Bewerbungen ab. Der Konkurrenzkampf scheint nun jedoch wieder offen zu sein.
Der größte Verlierer von Klopps erster Länderspielphase ist Joshua Kimmich. Dabei wirkte die Ausgangsposition für den 31-Jährigen äußerst vielversprechend. Klopp bestätigte Kimmich zunächst als Kapitän und schob ihn von rechts hinten ins Mittelfeldzentrum. Kimmich spielte als Solosechser in Klopps 4-3-3-System ordentlich gegen die Niederlande, legte dann aber einen unglücklichen Auftritt bei der Pleite gegen Griechenland hin. Obwohl er als Kapitän verständlicherweise bei der Mannschaft bleiben wollte, musste Kimmich planmäßig abreisen.
Statt Kimmich zu stärken, befeuerte Klopp mit flapsigen Aussagen ("Das kann ich Jo sagen: Je öfter man fragt, desto weniger wahrscheinlich bekommt man das, was man will.") die ohnehin schon aufflammenden Debatte um seinen Kapitän. Dazu kommt: Mit Alexander Pavlovic in der Kimmich-Rolle als tiefem Sechser und Tom Bischof sowie Florian Wirtz (drei klare Gewinner) spielte das DFB-Team gegen Serbien und in Griechenland deutlich ansehnlicher als zuvor. Plötzlich ist der Kapitän nicht mehr unumstritten.
Als Verlierer muss sich auch Kimmichs Nebenmann der ersten beiden Spiele fühlen. Felix Nmecha erzielte zwar ein Tor gegen die Niederlande, offenbarte aber erneut große Schwächen im Defensivverhalten. Ebenfalls ein Verlierer, wenn auch ohne eigenes Verschulden, ist Jamal Musiala. Nachdem er zuletzt beim FC Bayern in Form gefunden hatte, sollte Musiala eigentlich gegen die Niederlande beginnen, verletzte sich aber beim Aufwärmen und verpasste damit die Chance, sich dem neuen Bundestrainer zu präsentieren. Klopp scheint Musiala wie den nun aufgeblühten Wirtz auf den Halbpositionen im Mittelfeld zu sehen, doch dort dürfte der Konkurrenzkampf wegen der Fülle an hochkarätigen Kandidaten besonders hart werden.
Ein kleiner Gewinner dagegen ist Bambase Conte. Der 23-jährige Debütant von der TSG Hoffenheim sammelte als einer von nur fünf Spielern drei Einsätze und wurde von Klopp vor allem wegen seines Pressings explizit gelobt. Und jeder weiß: Klopp mag Pressing.
Auf den offensiven Außenbahnen testete Klopp in der Startelf fünf verschiedene Spieler. Den mit Abstand besten Eindruck machte dabei Derry Scherhant. Sowohl gegen Serbien als auch in Griechenland war der 23-Jährige vom SC Freiburg ein steter Aktivposten, das einzige Manko war seine fehlende Präzision bei Flanken und Schüssen. Verlierer sind hier die wohl größten Hoffnungsträger für die Zukunft. Der 18-jährige Lennart Karl und der 20-jährige Said El Mala, beide kamen überraschend kurz zum Einsatz und setzten dabei kaum Akzente.
Im Sturm überzeugte keiner aus dem nominierten Quartett Kai Havertz, Younes Ebnoutalib, Jonathan Burkardt und Nick Woltemade - letztlich verließen sie das DFB-Team allesamt torlos und als Verlierer. Gewinner sind im Umkehrschluss diejenigen, die gar nicht dabei waren. Die beiden spannenden U21-Stürmer Paris Brunner und Nicolo Tresoldi, aber auch der von Klopp diesmal ignorierte Publikumsliebling Deniz Undav.
Read the original news

William Hill
Bet £10 Get £30
New customers using Promo Code P30 only, min &poun...
New customers using Promo Code P30 only, min £10/€10 stake, min odds 1/2, free...

