Nicht nur Geld: Was hinter dem spektakulären Wechsel von Mohamed Salah steckt | Goal.com Deutschland

Published on 12 Aug 2026 | Reading time: 6 minutesNicht nur Geld: Was hinter dem spektakulären Wechsel von Mohamed Salah steckt | Goal.com Deutschland

Mohamed Salah stand in drei Champions-League-Finals auf dem Platz. Eines davon, 2019, gewann er und stemmte den Henkelpott in die Höhe, erzielte beim 2:0-Sieg mit dem FC Liverpool gegen Tottenham sogar das Führungstor. Er war ein entscheidender Faktor dafür, dass die Reds 2020 erstmals nach zuvor 30 Jahren Durststrecke wieder englischer Meister wurden. Er erlebte die Urgewalt der Anfield Road, die euphorische Liebe von Liverpools Fans viele Male. Er hat über 120 Länderspiele für Ägypten absolviert, nahm an zwei WM-Endrunden teil. Und trotz all dem, was er in seinem Fußballerleben schon gesehen hat, schien Salah das, was rund um seinen Wechsel zu Trabzonspor passierte, tatsächlich ziemlich überwältigt zurückzulassen.

"Es ist einfach unbeschreiblich. Ich bin sehr glücklich, hier zu sein. Ich finde dafür keine Worte. Ich glaube nicht, dass ich so etwas an einem Flughafen schon einmal gesehen habe", sagte ein sichtlich gerührter Salah nach seiner Ankunft in Trabzon vergangene Woche. Ganze Fan-Scharen hatten dem neuen Superstar einen wahnsinnigen Empfang bereitet, feierten ihn frenetisch. Tags darauf bei der offiziellen Vorstellung im Stadion war die Stimmung ähnlich euphorisch, tausende Anhänger jubelten ihm zu und feierten Salahs Unterschrift wie eine Meisterschaft.

Im Frühjahr hatte er sich final dazu entschieden, Liverpool doch schon ein Jahr vor Vertragsende zu verlassen und dem Ort, an dem er sich mit seiner Familie neun Jahre lange so wohlgefühlt hatte, den Rücken zu kehren. Einen der Stichpunkte, die sich Salah beim Gedanken an die neue Heimat notiert hatte, kann er schon nach den ersten Tagen in der Türkei abhaken. Er wollte unbedingt zu einem Verein mit leidenschaftlichem Umfeld, in dem er ähnlich viel Liebe empfangen und geben kann wie an der Anfield Road. In Trabzon erlebt er dabei möglicherweise sogar noch einmal eine andere Dimension.

Mit Trezeguet (mittlerweile wieder für Al-Ahly in Ägypten aktiv) hatte ihm ein Kumpel aus der Nationalmannschaft, der von 2022 bis 2024 70 Spiele für Trabzonspor absolvierte, von der Hingabe der Fans vorgeschwärmt und Salah einen Wechsel in die Großstadt im Nordosten der Türkei empfohlen. Klar, wahrscheinlich wäre er bei einem Wechsel zu Besiktas ähnlich begeistert empfangen worden.

Mitte Juli hieß es noch, Salah stünde kurz vor einem Wechsel zu dem Klub aus Istanbul, doch dann kam es zu Unstimmigkeiten in der finalen Phase der Verhandlungen. Zumindest ist das die Version von Besiktas' Verantwortlichen, die heftige Vorwürfe gegen Salahs Berater erhoben. Dieser habe kurzfristig seine Provisionsansprüche drastisch nach oben geschraubt und Besiktas sah sich daraufhin nicht mehr in der Lage, den Deal finanziell zu stemmen.

Das Thema Geld mal außen vor gelassen, kann ein Engagement bei Trabzonspor durchaus einen größeren Reiz auf einen Spieler wie Salah, der sportlich alles erreicht hat und nichts mehr beweisen muss, ausüben als Besiktas. Da wäre er bei einem der großen Drei aus Istanbul gewesen, im Schatten von Fenerbahce und Serienmeister Galatasaray.

In Trabzon ist er nun Teil des größten Herausforderers der Istanbuler Elite, der von einer Wiederholung des bisher jüngsten Meisterstücks von 2022 träumt. Was es den Anhängern seines neuen Vereins bedeutet, dass er sich auf dem Weg zum Abschluss des Transfers mit der Trikotnummer 61, dem Kfz-Kennzeichen von Trabzon, ablichten ließ, weiß Salah genau. Er lässt die Menschen am Schwarzen Meer darauf hoffen, Galatasaray und Co. mal wieder so richtig ärgern zu können.

"Einen Spieler wie Salah kann man nicht mit Geld überzeugen", wollte Trabzon-Präsident Ertugrul Dogan den finanziellen Aspekt in türkischen Medien nicht als die Hauptmotivation seines neuen Megastars für die Unterschrift dastehen lassen. Doch natürlich hätte Trabzonspor Salah nicht bekommen, hätte man sich monetär nicht enorm gestreckt. 17 Millionen Euro netto soll der Ex-Liverpooler in seinem Zweijahresvertrag bei dem Süper-Lig-Klub pro Saison verdienen. Hinzu kommt ein prozentualer Anteil am Merchandising mit seiner Person und damit unter anderem an den Trikotverkäufen, die unmittelbar nach Bekanntwerden des Transfers durch die Decke gingen.

Aber klar, anderswo - etwa in Saudi-Arabien oder der MLS, von wo aus unter anderem Sporting Kansas City gelockt haben soll - hätte Salah noch (deutlich) mehr verdienen können. "Eines der anderen Vertragsangebote, die er uns gezeigt hat, war viermal so hoch wie unseres", betonte Dogan. "Seine Beweggründe waren nicht finanzieller Natur. Er wollte diesen Enthusiasmus und diese leidenschaftliche Liebe hier erleben."

Der ägyptische Nationalspieler wollte wohl unbedingt im europäischen Fußball bleiben. Dass ihn sein Weg dabei nicht in eine der Top-5-Ligen führt, verwunderte hier und da. Obwohl Salah mit 34 mittlerweile in fortgeschrittenem Fußballeralter ist, darf man nicht vergessen, dass er noch vor gut einem Jahr mit einer Fabelsaison einer der Hauptverantwortlichen dafür war, dass Liverpool in der besten Liga der Welt souverän Meister wurde.

Es folgte zwar eine sehr durchwachsene vergangene Spielzeit inklusive des zwischenzeitlichen Zerwürfnisses mit Ex-Reds-Trainer Arne Slot. Dennoch gab beispielsweise Liverpool-Ikone Jamie Carragher im Podcast Football Ramble zu denken: "Die Türkei fühlt sich für mich ein Level zu niedrig an." Er hätte Salahs Zukunft bei deutlich renommierteren europäischen Vereinen gesehen: "Ich war überzeugt, dass er bei AC Mailand oder bei Juventus oder einem ähnlichen Verein landen würde", so Carragher.

Über Italien war tatsächlich spekuliert worden, kurzzeitig gab es Gerüchte über eine romantische Rückkehr zur AS Rom, von wo aus er 2017 nach Liverpool gewechselt war. Doch Salah wollte dem Vernehmen nach noch einmal etwas ganz Neues machen und nicht in eine Liga wechseln, in der er schon einmal gespielt hat (vor der Roma stand er einst auch schon für Florenz in der Serie A auf dem Platz). Und so kristallisierte sich mehr und mehr die Türkei als ernsthafteste Option heraus - als muslimisch geprägtes Land für den gläubigen Moslem auch aus persönlicher Sicht eine naheliegende Entscheidung.

Sportlich betrachtet hätte ein Wechsel zu Galatasaray, das sicher in der Champions League spielt, oder Fenerbahce, das sich möglicherweise noch für die Königsklasse qualifiziert, auf den ersten Blick sicher mehr Sinn ergeben. Doch die beiden größten Vereine des Landes stiegen schlichtweg nie so wirklich in den Poker um Salah ein. Besiktas tat das zwar sehr wohl, doch einem Bericht von Sky zufolge missfiel es Salah, dass Details zu den Verhandlungen an die Öffentlichkeit gerieten. Bei Trabzon imponierte ihm hingegen die Diskretion, mit der Präsident und Co. vorgingen.

Und sportlich? Champions League kann Trabzonspor Salah nicht bieten. Als Tabellendritter der Vorsaison wäre die Europa League das Höchste der Gefühle, sollte man sich dafür qualifizieren. Doch der Rückstand auf Meister Galatasaray war mit acht Punkten vergangene Spielzeit gar nicht sonderlich groß. Und unter Trainer Fatih Tekke hat Trabzon in den letzten rund eineinhalb Jahren eine konstant positive Entwicklung hingelegt.

Der ehemalige türkische Nationalstürmer verbrachte schon den größten Teil seiner Spielerkarriere bei Trabzonspor, kennt den Verein in- und auswendig. Als Tekke im März 2025 übernahm, drohte als Tabellenelfter sogar ein Abrutschen in den Abstiegskampf. Doch er stabilisierte die Mannschaft schnell, führte sie 2025/26 dann auf Rang drei und zum Pokalsieg.

Salah kommt also in ein funktionierendes Gebilde um Torhüter Andre Onana, Mittelfeldorganisator Ozan Tufan, Torjäger Paul Onuachu oder Kreativkopf Ernest Muci. Letzterer hat dem weltberühmten Neuzugang übrigens kurzerhand seine Trikotnummer 10 überlassen. "Das war ein echtes Statement, die Geste hat uns bewegt", lobte Boss Dogan Mucis Selbstlosigkeit.

Aber wie kann sich Trabzonspor den Salah-Coup überhaupt leisten? Bei der Frage wird der Präsident etwas dünnhäutig. "Wenn die Klubs aus Istanbul große Transfers tätigen, wird gar nicht darüber geredet. Aber wenn wir das tun, entstehen Diskussionen", monierte Dogan und verwies darauf, dass sich Trabzon in den vergangenen Jahren mit Spielerverkäufen ein finanzielles Polster erarbeitet hat.

2025 hatte man für Torhüter Ugurcan Cakir 27,5 Millionen Euro Ablöse von Galatasaray erhalten, diesen Sommer erzielte Trabzon nun mit zwei weiteren namhaften Verkäufen ein großes Plus: Christ Inao Oulai, ein Jahr zuvor fast zum Nulltarif von Bastia gekommen, wechselte für bis zu 30 Millionen Euro zur AC Florenz. Und Felipe Augusto, den Trabzonspor 2025 für fünf Millionen Euro von Cercle Brügge holte, brachte nun mit seinem Transfer zu Zenit St. Petersburg 15 Millionen Euro ein.

Ob man den damit verbundenen sportlichen Aderlass mit Salah auffangen kann, bleibt abzuwarten. Der ist an hohe Erwartungen jedenfalls bestens gewöhnt und hat - wie nicht zuletzt bei der WM unter Beweis gestellt - weiterhin die Klasse, eine Mannschaft tragen zu können. Die gemeinsame Reise von Salah und Trabzonspor könnte übrigens ausgerechnet in Istanbul beginnen: Dort gastiert der Vorjahresdritte am Samstag zum Auftakt in die neue Süper-Lig-Saison bei Kasimpasa.


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