Trikot-Veränderung kurz nach Abpfiff: Oliver Baumann erzählt vom FIFA-Wahnsinn bei der WM | Goal.com Deutschland

"Lasst uns den Fußball doch bitte den Fußball sein, damit es um den Sport geht", sagte der 36-jährige Keeper bei einer Medienrunde während des Trainnigslagers der TSG Hoffenheim in Seefeld. "Der Sport und der Fußball sind doch so schön, sie leben von den Emotionen und von dem Spiel selbst. Das darf nicht verfliegen. Nicht, dass wir alle, die wir den Sport lieben, irgendwann keine Lust mehr darauf haben, weil er so sehr verändert wird."
Ganz konkret beklagte sich Baumann unter anderem über den Umgang mit den neu eingeführten WM-Badges: "Wir hatten am Trikot so kleine Badges. Bei den Spielern, die länger dabei sind oder schon mehrere Weltmeisterschaften gespielt haben, stand 'Legacy' drauf, bei mir 'Debütant' oder so etwas in der Art. Und dann laufen Leute durch die Kabine und ziehen diese nur leicht aufgebügelten Badges wieder ab. Mir wurde erklärt, dass damit wohl auch noch Geld gemacht wird. Da denke ich mir nur: 'Lasst mein Trikot in Ruhe, ich will das wieder mitnehmen!'“
Die Badges sind dem Vernehmen nach Teil eines Sponsoren-Deals der FIFA mit dem Merchandise-Hersteller Fanatics, der unter anderem die Sammelkarten- und Sticker-Sparte Topps betreibt. Nach der WM 2030 übernimmt Topps die Rechte vom langjährigen Partner Panini. Dann sollen die von den Trikots entfernten Badges in noch unbekannter Form auf den Markt gebracht werden.
Baumann beklagte sich zudem über die Umsetzung der umstrittenen Hydration Breaks, ungeachtet der tatsächlichen klimatischen Bedingungen: "In Houston zum Beispiel war das Stadion auf 22 Grad klimatisiert, aber nur weil es auf dem Papier stand, wurde die Pause trotzdem gemacht." Die Trinkpausen wurden von etlichen TV-Sendern genutzt, um zusätzliche Werbeblöcke zu senden.
Kritik übte Baumann auch an den Bedingungen im Finalstadion von East Rutherford bei New York, wo Deutschland sein drittes Gruppenspiel gegen Ecuador ausgetragen hat. "Der Rasen war furztrocken. Für mich wäre das jetzt kein Finalstadion gewesen, zumindest nicht von den Platzverhältnissen her."
Baumann fungierte bei der WM als deutscher Ersatzkeeper hinter Rückkehrer Manuel Neuer. Trotz sämtlicher Bekenntnisse von Bundestrainer Julian Nagelsmann im Vorfeld des Turniers, wurde Baumann vor der Kader-Nominierung letztlich unter durchaus kritischen Tönen zur Nummer zwei degradiert.
"Es tat ihm schon leid, so wie alles am Ende gelaufen ist", sagte Baumann und gelobte, er habe mit seinem ehemaligen Trainer "noch ein sehr gutes Verhältnis, das hatten wir auch schon damals. Da werden dann sportliche Entscheidungen akzeptiert und somit ist das Thema für mich abgehakt."
Das DFB-Team scheiterte bereits im Sechzehntelfinale an Außenseiter Paraguay, Nagelsmann trat anschließend unter sanftem Druck der DFB-Führung zurück. An seiner Stelle übernahm nun Jürgen Klopp die Geschicke der A-Nationalmannschaft.
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