"Er hat etwas, was wir noch nicht haben!" Der HSV hat den wohl ungewöhnlichsten Profi der Bundesliga verpflichtet | Goal.com Deutschland

Şu adreste yayınlandı 27 Jul 2026 | Okuma zamanı: 1 dakika"Er hat etwas, was wir noch nicht haben!" Der HSV hat den wohl ungewöhnlichsten Profi der Bundesliga verpflichtet | Goal.com Deutschland

Beim Hamburger SV tut sich etwas. Seit dem Transfer von Andre Hahn im Januar 2017, als sechs Millionen Euro an Borussia Mönchengladbach überwiesen wurden, hat man nicht mehr so viel Geld für einen Neuzugang in die Hand genommen wie in diesem Sommer.

Und das gleich zweimal: 4,7 Millionen Euro kostete der 25-jährige Däne Albert Grönbaek, der nach seiner im vergangenen Januar begonnenen Leihe nun fest von Stade Reims kam. Ebenfalls aus Frankreich verpflichtete man zudem Martin Adeline. Den 22-Jährigen, der in der Jugend bei Paris Saint-Germain spielte, holte der HSV für vier Millionen von Ligue-1-Aufsteiger ESTAC Troyes.

"Ich freue mich auf den Jungen, der überall im Mittelfeld einsetzbar ist, der über viel Intensität verfügt und trotzdem viel Tiefgang hat. Er kommt nicht nur über Geschwindigkeit, auch über seine Lust am Laufen und Bewegen", sagte Trainer Merlin Polzin über den achtmaligen U20-Nationalspieler Frankreichs, der im Vorjahr in der 2. Liga mit elf Toren und 13 Vorlagen (niemand hatte mehr Assists!) in 36 Pflichtspielen auf sich aufmerksam machte. Er ist für die Wahl zum besten Spieler der Ligue 2 nominiert.

"Er hat etwas, was wir noch nicht haben. Diese Intensität und Lust auf Zweikämpfe. Dass er sich nicht nur über Lust auf Fußball definiert, sondern auch über harte Arbeit", schwärmte Polzin weiter. Diese Sätze lassen sich auch auf Adeline als Person übertragen. Denn mit ihm hat der HSV den wohl ungewöhnlichsten Profi der Bundesliga verpflichtet.

Adeline, als Einzelkind aufgewachsen, bringt Interessen mit, die man für gewöhnlich nicht in Fußballerkreisen verortet. Der Franzose hat etwa Spaß an Film, Kunstausstellungen oder Reisen. In Troyes nahm er Theaterunterricht. "Ich bin von Natur aus sehr neugierig. Mein Interesse an solchen Aktivitäten ist in Teilen auf meine Erziehung zurückzuführen. Meine Mutter ist mit mir oft auf Reisen gegangen und hat mir ermöglicht, unterschiedliche Kulturen und Landschaften kennenzulernen", erklärte er einmal in einem Interview.

Adeline sagte einst, das Schwierigste am Dasein als Fußballer sei die Einsamkeit. Als er 2018 mit 14 Jahren in die U17 von PSG wechselte, hatte er in den ersten Monaten schwer zu kämpfen. Regelmäßig stand er weinend in seinem Badezimmer im Pariser Internat und dachte ans Aufhören.

Diese Erfahrungen sowie das plötzliche Aus Jahre später bei Stade Reims führten zwar nicht dazu, dass sein fußballerischer Ehrgeiz, es aufs höchste Niveau schaffen zu wollen, gebrochen wurde. Doch ihm wurde nach und nach klar, dass er selbst etwas dafür tun muss, um sein Leben abseits des Sports mit Sinn zu füllen.

"Ich bin zwar erst 21, aber das heißt nicht, dass ich mein ganzes Herzblut in den Fußball stecke!", sagte er im Vorjahr. "Ich tausche mich gerne mit Menschen aus anderen Berufsfeldern aus, um meinen Horizont zu erweitern. Ich versuche, ein inneres Gleichgewicht zu finden, mich von der Fußballblase zu lösen und mich als Mensch weiterzuentwickeln."

Nach seiner ersten Saison bei Troyes fasste Adeline im Juni 2025 dann den Entschluss, die fußballfreie Zeit mit Rucksackreisen zu verbringen. Auch, weil seine Kumpels noch mit ihrem Studium beschäftigt waren und ihren Urlaub im August geplant hatten.

Adeline machte sich daraufhin allein auf den Weg. "Ich war frustriert darüber, das Studentenleben verpasst zu haben, das Sitzen in Hörsälen bei Vorlesungen. Also dachte ich mir: Warum nicht im Ausland zur Schule gehen? Das schien mir ein sicherer Weg, um junge Leute kennenzulernen", sagte er der L'Equipe.

Adeline flog daraufhin nach Sevilla, um dort täglich von 9 bis 13 Uhr Sprachkurse zu absolvieren. Das Problem: Es machten keine jungen Leute mit. "Ich hatte gedacht, es sei eine Universität, aber da hatte ich mich geirrt. Mein bester Kumpel dort war ein 50-jähriger Deutscher. Wir haben Freundschaft geschlossen und uns die Stadt angesehen", erzählte Adeline.

Mit anderen Studenten ergab sich ein Kick auf einem Bolzplatz. Adeline schwieg sich jedoch darüber aus, weshalb er so gut mit dem Ball umgehen konnte: "Ich wollte nicht in eine Schublade gesteckt werden, sonst bekommt man ein verzerrtes Image."

Von Sevilla ging es für ihn weiter in die irische Hauptstadt Dublin - nur mit Handgepäck, einem kleinen Rucksack und vier Outfits. Adeline bezog eine klassische Studentenunterkunft: Schreibtisch, Bett und Dusche, mehr war nicht. "Genau das wollte ich. Und ich dachte mir: Hut ab vor den Studenten", sagte er und besuchte weitere Sprachkurse.

Adeline schloss ein paar Freundschaften, nachmittags war dann Sightseeing angesagt. "Es war wie eine Schatzsuche. Wir teilten intensive Gefühle. Beim Abschied waren wir den Tränen nahe. Wir hatten das Gefühl, etwas Magisches erlebt zu haben", erinnerte er sich.

Seine weitere Route führte ihn zusammen mit einem Jugendfreund auf einen spontanen Roadtrip durch Irlands Süden, bevor es kurz zurück nach Troyes ging, nur um wenig später in den Westen der USA aufzubrechen. Dort tourte Adeline mit zehn Personen zwischen 25 und 37 Jahren in einem Schulbus durch die Gegend. Dass sie alle älter als er waren, "kam mir sehr gelegen", sagte er. Denn: "Ich dachte mir, dass wir so sicher tiefgründige Gespräche führen würden."

Zu verdanken hat er diese Offenheit für Neues und das Verlassen der eigenen Komfortzone seiner Mutter. Die gab das Geld lieber für Reisen als für Konsumgüter aus. Mit dem Ziel, zusammen mit ihrem Sohn jährlich drei Reisen zu machen. "Wir besuchten europäische Hauptstädte und unternahmen im Sommer eine große Reise, in die USA, nach Kanada, Namibia", sagte Adeline.

Seine mit den Reisen verknüpfte "Suche nach menschlicher Verbundenheit", wie es der HSV-Neuzugang beschrieb, wird er nun auch sehr wahrscheinlich in seinem neuen Umfeld bei den Rothosen fortsetzen. Erstmals spielt Adeline in seiner Karriere außerhalb Frankreichs. Seine Mutter begleitet ihn nach Hamburg.

Er ist zuversichtlich, dass ihm die Integration gelingen wird - auch dank seiner gesammelten Erfahrungen abseits des Fußballplatzes. "Ich weiß, dass ich mich an jede Umgebung anpassen kann - sei es in einem Vorort oder in der Welt der Reichen", sagte er.


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