Holt Jürgen Klopp einen Mittelfeldstar, den er schon zweimal nicht bekam? | Goal.com Deutschland

Şu adreste yayınlandı 27 Aug 2026 | Okuma zamanı: 1 dakikaHolt Jürgen Klopp einen Mittelfeldstar, den er schon zweimal nicht bekam? | Goal.com Deutschland

Als Ende Juli offiziell wurde, dass Ajax Amsterdam Julian Brandts neues sportliches Zuhause wird, merkte man auch als Außenstehender schnell, wie sehr er Feuer und Flamme ist. Er schwärmte von der DNA des schönen Spiels beim niederländischen Rekordmeister, vom Hunger auf Erfolge, von der Stimmung im Stadion und den ehrlichen Bemühungen, die der Technische Direktor Jordi Cruyff um ihn angestellt hatte.

Erst knapp ein Monat ist seither vergangen. Doch der Start in Amsterdam, das lässt sich festhalten, ist Brandt überaus gut gelungen. Gleich bei seinem ersten Ligaeinsatz für den neuen Verein setzte der ehemalige Dortmunder das erste Ausrufezeichen, traf als Joker gegen PEC Zwolle nach schönem Zusammenspiel mit dem inzwischen zu PSG abgewanderten Mika Godts zum 2:0-Endstand.

Bei seinen zwei bisherigen Startelfeinsätzen, in der Conference-League-Qualifikation gegen Shelbourne und Sion, schraubte Brandt sein Tore-Konto nach fünf Spielen auf drei nach oben. Besonders der Treffer beim 4:2-Auswärtssieg in der Schweiz vergangene Woche stach heraus. Erstens, weil er so wichtig war und zu Beginn der zweiten Halbzeit für den zwischenzeitlichen 1:1-Ausgleich sorgte. Und zweitens, weil er so schön war: 20 Meter vor dem Tor kam Brandt an den Ball, brachte sich in Abschlussposition und schweißte das Leder mit viel Gefühl und der nötigen Wucht in den Winkel.

"Brandt zeigt seine Weltklasse", kommentierte die niederländische Zeitung De Telegraaf den Treffer. Der Spielmacher, der die Nummer 8 trägt und im Ajax-typischen 4-3-3 die offensivste Rolle der drei Mittelfeldspieler einnimmt, ist nach langwieriger Suche nach einem passenden neuen Arbeitgeber schnell angekommen, geht mit Erfahrung und Klasse schon jetzt voran. Dass er sich in den ersten Wochen in den Niederlanden auch schon eine Lästerei von prominenter Stelle anhören musste, dürfte Brandt selbst kaum stören.

So wollte sich Ajax-Legende Rafael van der Vaart, für ausschweifende, aber oft nicht ganz sachliche Kritik bekannt, keineswegs mit dem Neu-Amsterdamer vergleich lassen. "Ach, komm schon, er erreicht nicht einmal zwanzig Prozent von dem, was ich war", meinte van der Vaart im NOS-Fußball-Podcast, nachdem Moderator Thierry Boon Brandts Spielstil mit dem seinen von einst verglichen hatte. "Ich muss auch sagen, dass mich die Leute irritiert haben, die von dem Transfer völlig begeistert waren", legte der ehemalige Mittelfeldspieler nach und betonte, dass nicht Ajax dankbar für Brandt sein müsse, sondern Brandt für die Chance, bei Ajax zu spielen, denn: "Er ist schon ein bisschen ein Schönwetter-Fußballer. Wenn es läuft, klappt alles, und wenn es nicht läuft, ärgern wir uns darüber."

Dennoch lobte er Brandt aber auch kurz als "gute Verstärkung": "Er ist sehr unaufgeregt und der erste Eindruck ist sehr gut. Man sieht auch, wie er den jungen Spielern hilft."

Im Frühjahr war klar geworden, dass Brandt nach sieben Jahren beim BVB noch einmal etwas Neues machen will und muss. Interessenten gab es einige, von Leeds United über Atletico Madrid bis hin zur AS Rom. Doch der Techniker entschied sich gegen eine der Top-5-Ligen und für die vor allem in der Breite schwächere Eredivisie. Weil er nach reiflicher Überlegung zu dem Schluss kam, dass Ajax, das ja auch internationale Ambitionen hat und künftig wieder mehr will als nur die Conference League, perfekt zu seinen Stärken passt. Und möglicherweise hatte er dabei auch ein bisschen das Wörtchen Nationalmannschaft im Hinterkopf.

Mit 30 ist Brandt gerade mittendrin im besten Fußballeralter, hat potenziell sicherlich noch ein paar Jahre auf Top-Niveau vor sich. Warum also nicht eine Rückkehr ins DFB-Team anpeilen? Zumal der Trainer, der ihn in den vergangenen knapp drei Jahren zumeist ignoriert hat, ja nicht mehr da ist.

Seit seinem Länderspieldebüt 2016 war Brandt unter Joachim Löw und Hansi Flick in großen Teilen lange ein fest etablierter Bestandteil in der Nationalmannschaft. Unter Julian Nagelsmann ging das dann aber lediglich für zwei Abstellungsperioden so weiter. Zum Verhängnis wurde Brandt dabei unter anderem, dass er bei den viel zitierten Horror-Testspielen gegen die Türkei (2:3) und Österreich (0:2) im November 2023 jeweils in der Startelf stand.

Danach war er fürs Erste komplett außen vor, verpasste die Heim-EM 2024 und wurde lediglich im November 2024 noch ein drittes und letztes Mal von Nagelsmann nominiert. Das allerdings, gab der damalige Bundestrainer zu, vor allem deshalb, weil er seinerzeit einige verletzungsbedingte Ausfälle zu kompensieren hatte. "Wenn der komplette EM-Kader zur Verfügung gestanden hätte, wäre er vielleicht nicht dabei gewesen", erklärte Nagelsmann, der Brandt kurz darauf beim 1:1 gegen Ungarn in der Nations League das bisher letzte seiner insgesamt 48 Länderspiele gab. Eine weitere Berufung kam in den gut 21 Monaten seither nicht mehr dazu, auch die WM 2026 fand ohne Brandt statt.

Die Chancen, dass sich das bei der EM 2028 ändert und Brandt nach den Weltmeisterschaften 2018 und 2022 nun auch mal an einer Europameisterschaft teilnehmen darf, sind aber allein schon durch den Trainerwechsel nach dem blamablen Sechzehntelfinal-Aus bei der WM gestiegen. Denn Jürgen Klopp, das ist verbrieft, findet Brandt ziemlich gut.

2013 wollte der damalige BVB-Trainer Brandt erstmals verpflichten, in Dortmund musste man seinerzeit bekanntlich den zum FC Bayern abgewanderten Mario Götze ersetzen. "Sie waren damals sehr erfolgreich und hatten eine homogene Truppe, waren gerade zweimal deutscher Meister geworden (2011 und 2012) und standen im Champions-League-Finale (2013). Deshalb war ich ein wenig ehrfürchtig und fragte mich: 'Werde ich genügend Spielzeit bekommen? Vielleicht ist Leverkusen der bessere Schritt'", erinnerte sich Brandt einst bei The Athletic.

Der damals 17-Jährige sagte Klopp also ab und wechselte stattdessen vom VfL Wolfsburg zu Bayer 04, wo er schnell in der ersten Mannschaft Fuß fasste. Einige Jahre später, 2017, klopfte der mittlerweile für den FC Liverpool tätige Klopp dann erneut bei Brandt an, der inzwischen 21 und gestandener Bundesligaspieler war. "Ich hatte die Chance, den nächsten Schritt zu machen und zu Liverpool zu gehen, aber die Zeit war nicht reif für mich [...] Es ist schade, denn ich hätte gerne für Kloppo gespielt", blickte der 30-Jährige auf den nächsten Korb für Klopp zurück.

Ian Graham, von 2012 bis 2022 bei Liverpool angestellt und dabei lange Chefanalyst, verriet später einmal in der Dokumentation How to Win the Champions League: Liverpool 2019, dass Brandt auf der Suche nach Verstärkung für die Offensive sogar vor Mohamed Salah Klopps Wunschlösung gewesen sei. "Jürgen kannte ihn natürlich sehr gut, da er in der Bundesliga spielte. Wir waren uns alle einig, dass Brandt ein sehr guter junger Spieler war, aber nicht so herausragend wie Mo", erklärte Graham, dass er den Ägypter präferierte. Letztlich ließ sich Klopp von seinem Staff umstimmen, statt Brandt kam Salah an die Anfield Road und wurde dort zu einer Ikone.

Brandt, der zwei Jahre später dann nach Dortmund wechselte, hat beim BVB bewiesen, dass er trotz kontinuierlicher Nicht-Berücksichtigung durch Nagelsmann weiterhin Qualitäten besitzt, die auch der Nationalmannschaft einen Mehrwert bieten könnten. In seinen ersten Spielen für Ajax knüpft er daran an und abgesehen von den beiden Ausnahmekönnern Florian Wirtz und Jamal Musiala dürfte im offensiven Mittelfeldzentrum niemand für die Zukunft des DFB-Teams gesetzt sein. Zumindest hat sich zuletzt niemand dafür aufgedrängt.

Und so ist es durchaus möglich, dass Brandts Name am 17. September erstmals wieder im Aufgebot der deutschen Nationalmannschaft auftaucht. Mit Ajax hat er bis dahin noch einige Spiele, um sich weiterhin anzubieten. Und das erste Länderspiel unter Klopp, es könnte nicht passender sein, findet am 24. September ausgerechnet in Brandts neuem Wohnzimmer, der Johan Cruijff Arena in Amsterdam, gegen die Niederlande statt. Sollte "Kloppo" ihn dabei haben wollen, würde Brandt ihm mit Sicherheit keinen dritten Korb geben.


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