"Alarmstufe rot" in Mailand: Bei Milan gibt es einen 74 Millionen Euro teuren Fremdkörper | Goal.com Deutschland

Die AC Mailand ist nach einem ordentlichen Saisonstart auf dem Weg in die Krise. Das hat auch damit zu tun, dass der Königstransfer des Sommers wie ein Fremdkörper wirkt.
Dabei hatten die runderneuerten Rossoneri unter ihrem neuen Cheftrainer Ruben Amorim einen starken Start in die neue Spielzeit hingelegt. In der Serie A gewannen sie ihre beiden Auftaktpartien gegen Torino (2:1) und Venezia (2:0) und so etwas wie Euphorie waberte nach der enttäuschenden Vorsaison samt verpasster Champions-League-Teilnahme durch das San Siro.
Nun, von dieser zarten Euphorie ist nicht mehr viel übrig. Milan wartet seit drei Spielen auf einen Sieg und kassierte am Mittwochabend gegen Benfica eine 0:2-Heimpleite. Dabei zeigten Amorims Schützlinge eine besorgniserregende Leistung. In italienischen Medien heißt es, Klubchef Gerry Cardinale sei angesichts der jüngsten Vorstellungen seiner Mannschaft so besorgt, dass er Amorim zum Rapport gebeten habe.
Erneut verpennte Milan gegen Lissabon die erste Halbzeit (ein Phänomen, das sich durch alle Begegnungen der letzten Wochen zieht) und erneut blieb auch Goncalo Ramos blass. Die Gazzetta dello Sport widmete Ramos eine längere Krisengeschichte und schrieb, es herrsche bei Milan nun "Alarmstufe rot". Ramos komme "nicht in Schwung" und sei jetzt "ein Problemfall".
Den portugiesischen Landsmann Amorims hatten die Mailänder im Sommer von Paris Saint-Germain geholt. Ein Transfer, der vor allem wegen seines finanziellen Volumens für hochgezogene Augenbrauen sorgte. Satte 74 Millionen Euro Ablöse blätterten Milans Bosse für den 25-Jährigen hin. Eine enorme Summe für einen Angreifer, der in seinen zweieinhalb Jahren im PSG-Starensemble nie Stammspieler war und der im Vorjahr zwölf Treffer in 45 Partien markierte.
Ramos unterschrieb einen bis 2031 gültigen Vertrag, der ihm angeblich ein Nettogehalt von knapp 7,5 Millionen Euro einbringt und ihn damit zu einem der Spitzenverdiener der Mannschaft macht. Skeptiker dieser Verpflichtung dürfen sich mittlerweile vorerst bestätigt sehen.
Zwar netzte Ramos beim 2:0-Heimerfolg gegen Venedig und Amorim frohlockte: "Wir haben viel Geld für ihn bezahlt, weil er Tore schießt." Seitdem brachte sein Schützling aber nichts Zählbares mehr in Form von Scorerpunkten zustande.
Besonders frappierend: In den vergangenen drei Spielen blieb Ramos jeweils ohne Torschuss und wirkte kaum in das - zugegebenermaßen - wenig flüssige Offensivspiel seines Teams eingebunden. So hatte er gegen Benfica magere vier Ballkontakte im gegnerischen Strafraum und leistete sich 16 Ballverluste.
Vor dem Spiel gegen Benfica sprach Ramos noch davon, gegen seinen Ex-Klub aus Lissabon definitiv treffen zu wollen, auf einen Jubel aber in dem Fall zu verzichten. Gedanken darüber brauchte er sich anschließend aber nicht machen.
Dass Ramos einen schweren Start hat, liegt freilich nicht nur an ihm. Milans Spieler fremdeln offensichtlich noch mit Amorims anspruchsvollem Spielstil. Das äußert sich unter anderem in Diskussionen um die Rolle des 41-jährigen Altstars Luka Modric, der am Wochenende beim 2:2 gegen Lazio zur Pause runter musste. Amorim sprach später offen davon, den Wechsel im Mittelfeldzentrum seiner 3-4-2-Formation vollzogen zu haben, "weil wir mehr Geschwindigkeit brauchten". Im Duell mit Benfica saß der Kroate anschließend 90 Minuten lang auf der Bank.
Wie die Zentrale ist auch die Besetzung der Abteilung Attacke hinter Ramos eine Baustelle. Amorim tüftelt hier noch an der richtigen Konstellation. In unterschiedlichen Kombinationen durften sich hier bereits Alphadjo Cisse, Ruben Loftus-Cheek, Adrien Rabiot, Christian Pulisic und Alexis Saelemakers versuchen. Unter der mangelnden Eingespieltheit leidet natürlich auch Ramos. In Italiens Medien sowie unter Experten taucht die Frage auf, ob Amorim seine Mannschaft mit den vielen Wechseln nicht überfordere.
Der Coach selbst bemängelte unlängst, seine Mannschaft bringe Ramos zu selten in Abschlusspositionen und suche zu oft das Mittel der Flanke statt des Kombinationsspiels in den Sechzehner. "Wenn man sich nur auf Flanken verlässt, wird es für den Stürmer schwierig", monierte er bei DAZN. Man brauche "auch andere Möglichkeiten, in den Strafraum zu gelangen", erklärte Amorim. Er beschwichtigte: "Ramos wird sich im Laufe der Saison noch steigern."
Der WM-Teilnehmer selbst gibt sich noch entspannt. Den UEFA-Medien sagte Ramos: "Es gibt die Tendenz, gute Leistungen von Stürmern einzig an Toren zu messen. Ich halte das nicht für richtig. Du kannst schlecht spielen und ein Tor erzielen - dann schreiben die Zeitungen, dass du gut gespielt hast. Andersherum kannst du auch klasse spielen, ohne zu treffen. Es fühlt sich trotzdem so an, als zähle nur das Tor."
Dass ihn die hohe Ablöse und das Etikett des kostspieligsten Transfers der Klubgeschichte hemme, wies er indes zurück: "Ganz ehrlich, ich fühle keinen Druck, weil ich der teuerste Spieler bin."
Dieser Druck steigt aber nun mit den ausbleibenden Resultaten und den schwachen Leistungsdaten. Vor der Länderspielpause haben Ramos und seine Mitspieler am Sonntag im Ligaspiel gegen Lecce die Gelegenheit, die Minikrise zu beenden.
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