366 Millionen Euro für die Rote Laterne: Tottenham Hotspur wird in der Premier League zum Gespött | Goal.com Deutschland

Eine Milliarde Euro ließ sich Tottenham Hotspur den Neubau der Arena kosten: Am 3. April 2019 fand im 'Tottenham Stadium' das erste Pflichtspiel der Spurs statt, ein 2:0 in der Premier League gegen Crystal Palace. Sechs Tage später folgte in der Champions League ein 1:0 im Viertelfinal-Hinspiel gegen Manchester City. Dass die Londoner aktuell von einer ähnlichen Mini-Erfolgsserie vor eigenem Publikum nur träumen können, ist noch untertrieben. Inzwischen sind das 'Tottenham Stadium' und die Spurs zu einer Lachnummer für die gegnerischen Fans geworden.
Wer dachte, dass die vergangene Saison für die Lilywhites ein einmaliger Negativ-Ausrutscher gewesen ist, der wird aktuell eines Schlechteren belehrt: Erst im Saison-Endspurt hatten die Spurs den peinlichen Abstieg in die Championship als 17. gerade noch verhindert – und nun befinden sie sich als 20., also als Tabellenschlusslicht, in der Länderspielpause. Das Team von Trainer Roberto De Zerbi blieb an den ersten vier Premier-League-Spieltagen ohne eigenen Treffer – und auch die ersten zwei Tore nutzten am vergangenen Wochenende nichts, denn gegen das zuvor ebenfalls sieglose Team von Aston Villa setzte es eine 2:3-Niederlage.
Natürlich im 'Tottenham Stadium', das statt einer Festung, die die Heimspielstätte eines Klubs eigentlich sein sollte, zuletzt eher einer kleinen Sandburg gleicht. Und das freut die Fans, vor allem die des Nord-Londoner Erzrivalen Arsenal, die genüsslich nach üblen Spurs-Statistiken suchen – und die auch finden und verbreiten: Die Pleite gegen Aston Villa war die 50. für die Spurs in der Premier League im neuen Stadion. Damit haben sie dort nun dieselbe Anzahl an Niederlagen in der Liga kassiert wie Arsenal im 'Emirates' – mit dem großen Unterschied, dass das Gunners-Stadion schon 2006 und damit 13 Jahre zuvor eröffnet wurde.
Und es geht weiter: Von den letzten 36 Premier-League-Duellen vor eigenem Publikum hat Tottenham unterirdische fünf für sich entschieden. Die fiese Randbemerkung, die dazu die Runde machte: Die US-Sängerin Beyonce habe im selben Zeitraum mehr Erfolg im 'Tottenham Stadium' als die Spurs gehabt, denn immerhin sei sie zuletzt sechsmal in der ausverkauften Arena aufgetreten.
Dabei sollte alles besser werden nach der letzten Spielzeit, die für die Fans schon eine Horror-Saison war. Nach zwei Trainerwechseln übernahm Roberto De Zerbi das Coaching und schaffte immerhin noch den Klassenerhalt. Im Sommer wurde nun richtig viel Geld in die Hand genommen, damit es nicht wieder enttäuschend läuft: 366 Millionen Euro gab der Klub aus, um das Team nach vorne zu bringen, hauptsächlich für Sandro Tonali (108 Millionen Euro von Newcastle), Mateus Fernandes (99 Millionen Euro von West Ham), Savio (88 Millionen Euro von Man City) und Jan Paul van Hecke (60 Millionen Euro von Brighton).
Ein Gesamtbetrag, für den eigentlich der eine oder andere Weltstar drin sein sollte – aber bislang erweisen sich die Neuen, wie von vielen befürchtet, nur als teure Mitläufer, die mit dem Team untergehen. Auch die ablösefrei gekommenen Marcos Senesi (Bournemouth) und Andy Robertson (Liverpool) sowie die ausgeliehenen Omar Marmoush (Man City) und Mykhaylo Mudryk (Chelsea) helfen noch nicht entscheidend weiter.
Und damit erhöht sich der Druck auf Coach De Zerbi schon kurz nach Saisonbeginn wieder enorm. "Er hat für fünf Jahre unterschrieben! Was er da gemacht hat, ist ein Raubüberfall, ohne dass er dafür eine Maske tragen musste. Das ist absolut verrückt!", sagte Frankreichs Ex-Nationalspieler Christophe Dugarry bei RMC Sport mit Blick auf De Zerbi, der zuvor unter anderem bei Olympique Marseille, Brighton und Sassuolo gearbeitet hatte. Mit einem geschätzten Jahresgehalt in Höhe von 14 Millionen Euro gehört der Italiener zu den bestbezahlten Coaches Englands – und ein vorzeitiger Rauswurf würde angesichts der langen Vertragslaufzeit bis 2031 richtig teuer für die Londoner werden.
Immerhin: Dass der Trainerstuhl bei den Spurs schon wieder wackelt, dementierte aber Fabrizio Romano: "Mir wurde gesagt, dass Tottenham noch an den Trainer glaubt. Sie wissen, dass er Zeit benötigt", so der Transfer-Insider. De Zerbi benötigt jedoch dringend ein paar sportliche Argumente für seine Weiterbeschäftigung, angeblich bringt sich schon mit Kieran McKenna ein Trainer in Stellung, der mit Ipswich in der vergangenen Saison den Aufstieg in die Premier League schaffte und dann hinwarf.
Wenn nicht bald bei Tottenham die Wende zum Guten gestartet wird, dürfte De Zerbi auch eine Entscheidung wie die Nicht-Berücksichtigung von Richarlison regelmäßig vorgehalten werden. Die Spurs schießen keine Tore – aber der Brasilianer, der im Sommer unbedingt wegwollte, wurde nicht mal mehr für die Premier League gemeldet: "Richarlison wird nicht spielen, selbst wenn er fit ist. Nicht einmal im Carabao Cup", machte De Zerbi seine Position deutlich. 58 Millionen Euro gaben die Londoner vor vier Jahren noch für den Stürmer aus.
Wieder eine Zahl, über die sich nun die Fans amüsieren, die es nicht gut mit Tottenham Hotspur meinen. Genau wie über die 20 und damit die Tabellenposition, auf der das Team in der Premier League jetzt bis in den Oktober liegt. "Man macht nicht einfach den Sprung vom 17. Platz in der Vorsaison auf die Champions-League-Plätze, nur weil man viel Geld ausgibt", sagte Fabrizio Romano das, was auch die Fans, Trainer Roberto De Zerbi und die Klub-Verantwortlichen inzwischen festgestellt haben. Nach der Länderspielpause geht es für das Team in der Liga beim ebenfalls kriselnden Manchester United weiter – aber immerhin nicht im eigenen 'Tottenham Stadium'.
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