FC Bayern: Bestwert pulverisiert - Harry Kane und Luis Diaz wie ausgetauscht | Goal.com Deutschland

"Wollen wir jetzt gemeinsam alle Torchancen durchspielen, die wir hatten?", fragte Sportvorstand Max Eberl bei seiner Analyse dieses wilden Spiels in der Mixed Zone. Es wäre ein langer Abend geworden. Aber noch ehe einer der anwesenden Reportern hätte zustimmen können, kassierte Eberl diese Prozedur und stellte lediglich fest: "Ich bin kein Riesenfreund von Expected Goals. Aber ich lese, wir hatten Fünf-Komma-Irgendwas. Dann kannst du noch so viele Torchancen herausspielen, wenn du sie nicht machst."
Der FC Bayern patzte gegen den FC Augsburg natürlich auch wegen Manuel Neuer. Sein kapitaler Fehler resultierte im 0:1 nach acht Sekunden, dem historisch schnellsten Tor der Bundesligageschichte. Beim zwischenzeitlichen 1:2 von Rodrigo Ribeiro agierte Neuer erneut unglücklich, genau wie die ganze Hintermannschaft. Vor allem aber patzten die Münchner gegen Augsburg wegen ihrer verheerenden Chancenverwertung.
Der FC Bayern erspielte sich gegen Augsburg einen xG-Wert von 5,13 erwartbaren Treffern. Mit großem Abstand Bestwert in der zwar noch jungen, aber auch schon Schützenfest-reichen Saison des FC Bayern. Beim 7:0 gegen Union Berlin unmittelbar vor der Länderspielphase waren die Münchner beispielsweise "nur" auf 3,71 gekommen.
Laut dem Datenportal Statmuse ist der Wert gegen Augsburg sogar der achthöchste des FC Bayern in der Bundesliga seit Beginn der Datenerfassung zur Saison 2021/22. Der xG-Rekord in diesem Zeitraum stammt demnach von einem 8:1-Sieg gegen den FSV Mainz 05 im Jahr 2024 und liegt bei 6,57. Bei allen sieben Spielen mit einem höheren xG-Wert als dem nun gegen Augsburg verzeichneten die Münchner übrigens mindestens vier Treffer.
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13. Okt. 2026
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Dazu darf man nicht vergessen: Bei dem nun in Augsburg erspielten xG-Wert von 5,13 sind die insgesamt vier wegen Abseitsstellungen annullierten Treffer von Luis Diaz und Serge Gnabry (je zwei) gar nicht eingerechnet. Ansonsten hätten die Münchner wohl einen neuen Rekord aufgestellt. Drei der vier Torannulierungen waren übrigens unstrittig. Luis Diaz' erster Treffer - ein spektakulärer Seitfallzieher - hätte aber nicht nur nach Ansicht Eberls eigentlich zählen müssen.
Josip Stanisic stand zwar im Vorfeld im Abseits, das Tor fiel dann aber aus einer neuen Spielsituation. Schiedsrichter Sven Jablonski gab den Treffer zunächst, erst nach VAR-Intervention nahm er ihn zurück. "Es war sehr gut, dass der VAR im Einsatz war. Sonst hätten wir 6:2 verloren", sagte Augsburgs Robin Fellhauer mit einem verschmitzten Grinsen, äußerte sich aber grundsätzlich kritisch dem VAR gegenüber.
Obwohl Diaz den Ball zweimal ins Tor geschossen hatte, beendete er das Spiel laut offiziellen Statistiken kurioserweise letztlich mit null Schüssen und demzufolge auch mit einem xG-Wert von 0. Grundsätzlich darf man bei ihm deshalb gewissermaßen einen Fortschritt vermerken. In den Wochen vor der Länderspielphase hatte Diaz reihenweise Topchancen vergeben, diesmal verzeichnete er eine 100-prozentige Trefferquote. Jetzt muss es nur noch regelkonform klappen beziehungsweise der Schiedsrichter mitspielen.
Wie sehr Diaz ein Erfolgserlebnis herbeisehnt, merkte man an seinem ausgelassenen Jubel nach seinem letztlich annullierten vermeintlichen 1:1. "Es hätte ihm einfach gut getan, wenn das Tor gezählt hätte", sagte Eberl, der Diaz nach dessen Erholungspause währende der Länderspielphase (er verzichtete auf die Partien mit Kolumbien) insgesamt "absolut auf dem aufsteigenden Ast" sieht.
Bei der Chancenverwertung tat sich in Augsburg überraschenderweise vor allem Harry Kane negativ hervor. Der vor und während der Länderspielpause und ja eigentlich immer so treffsichere Engländer präsentierte sich wie verwandelt plötzlich als Chancentod, gewissermaßen übernahm er die Rolle von Diaz. Kane vergab drei Großchancen und scheiterte mit acht Abschlüssen, der gefährlichste landete kurz vor der Pause an der Latte. Kane allein kam auf einen xG-Wert von 1,55.
Die zweitmeisten Schüsse (sechs) verzeichnete Ismael Saibari. Immerhin erzielte er das zwischenzeitliche 1:1, zum späten 2:2 traf Nathaniel Brown (jeweils auf Vorarbeit von Kane). Insgesamt gaben die Münchner gegen Augsburg 30 Schüsse ab.
Die Fülle an herausgespielten Torchancen war für Eberl übrigens auch der große Unterschied zum ersten Patzer in dieser Saison, dem 0:0 gegen den FC Schalke 04 am 2. Spieltag. "Anders als auf Schalke haben wir viel mehr Lösungen gefunden", sagte der Sportvorstand. Damals waren die Münchner auf einen xG-Wert von lediglich 1,94 gekommen.
Kimmich führte die Fülle an Torchancen derweil nicht nur auf die Offensivkraft des FC Bayern zurück. "Generell war ich tatsächlich überrascht, dass wir zu so vielen Torchancen gekommen sind", sagte er. "Ich fand ehrlicherweise, dass es Augsburg gar nicht herausragend gut verteidigt hat."
Gegner
Ergebnis
xG-Wert
Borussia Dortmund
2:1
2,37
VfB Stuttgart
5:1
4,06
VfL Osnabrück
4:1
3,11
FC Schalke 04
0:0
1,94
FK Bodö/Glimt
5:0
2,61
SV Elversberg
2:1
2,83
Union Berlin
7:0
3,71
FC Augsburg
2:2
5,13
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