Bayern-Dilemma: Das Missverständnis mit Zaragoza erinnert an ein legendäres Meme | Goal.com Deutschland

Am Montag war es soweit und die Korken krachten beim ein oder anderen Bayern-Fan schon fleißig. Transferinsider Fabrizio Romano vermeldete den Durchbruch in den Verhandlungen um Zaragoza. Der Rekordmeister bleibt nicht auf dem 24-Jährigen sitzen, sondern schickt den Spanier in seine Heimat zu Espanyol Barcelona. Eine einjährige Leihe, dann folgt die Kaufpflicht in Höhe von acht Millionen Euro. "Here we go", hieß es wieder einmal.
Am Dienstag war plötzlich jedoch wieder Schluss mit der rot-weißen Partystimmung. Ein gar nicht mal so kleiner Haken wurde bekannt: Die Kaufpflicht greift doch nur unter der Bedingung, dass Zaragoza eine bestimmte Anzahl an Spielen absolviert. Wie viele genau das sein müssen, enthüllte der in die Kritik geratene Transferjournalist nicht. Dennoch: Wieder einmal dachte man in der unendlichen Causa um Zaragoza und die Bayern nicht etwa an eine Romano-Fixmeldung, sondern an das berüchtigte Meme aus GTA San Andreas. "Aw Sh*t, here we go again", statt "Here we go".
Denn: Es ist längst nicht das erste Mal, dass ein endgültiger Abschied von Zaragoza an seine Einsatzzeiten geknüpft ist. Schon die AS Rom hätte ihn verpflichten müssen, wenn er nach seinem Wechsel im Frühjahr 50 Prozent seiner möglichen Spielminuten absolviert hätte und sich die Hauptstädter für die Europa League qualifizieren. Letzteres Ziel wurde übertroffen, es reichte am Ende sogar für die Champions League. Nur hatte Zaragoza daran nahezu keinen Anteil.
Wettbewerbsübergreifend reichte es für gerade einmal sechs Einsätze, in denen er es auf 191 Minuten brachte. Dabei begann das Kapitel unter Trainer Gian Piero Gasperini vielversprechend. Beim 2:0-Heimsieg gegen Cagliari Anfang Februar wurde er für die letzte halbe Stunde eingewechselt und brachte seinen Coach direkt ins Schwärmen: "Er hat genau die Eigenschaften, die wir brauchen. So jemanden hatten wir bisher noch gar nicht. Er ist diese Art von Spieler, der sofort gefährlich wird, sobald er ein bisschen Platz bekommt - selbst auf engstem Raum -, seine Gegenspieler aussteigen lässt und für Chaos sorgt."
Im nächsten Spiel schickt Gasperini seinen neuen Schützling von Beginn an aufs Feld und der wusste das Vertrauen blitzschnell zurückzuzahlen. Nach sieben Minuten bereitete er den Führungstreffer von Donyell Malen vor. Trotzdem musste der Offensivspieler zur Pause raus. In der Woche darauf erhielt er noch eine letzte richtige Chance über 56 Minuten, dann folgten in der Liga nur noch Kurzeinsätze. Von jetzt an durfte Zaragoza von der Bank aus zuschauen, obwohl er in Anbetracht des Verletzungspechs eigentlich ein gefragter Mann hätte sein müssen.
Doch das Vertrauen von Gasperini war verspielt. Daraus machte der Trainer nach einigen Wochen auch öffentlich kein Geheimnis mehr: "Ich hatte mehr erwartet."
Das hatten sie auch einst bei den Bayern. Der FCB in Person von Sportdirektor Christoph Freund hatte den Flügelflitzer vom FC Granada schon lange auf dem Zettel, Ende 2023 machten die Münchner den Deal perfekt. 13 Millionen Euro für den dribbelstarken Spanier. Kein Kleingeld, aber für den FCB nicht weltbewegend. Zumal das Potenzial noch lange nicht erschöpft zu sein schien beim "Senkrechtstarter", wie Freund ihn nannte. Ab Sommer 2024 sollte er dann in Bayern aufschlagen.
Sinnbildlich für seinen weiteren Werdegang kam auch schon bei seinem ersten Wechsel alles anders als geplant. Kingsley Coman und Serge Gnabry fielen zeitgleich aus, Bayern machte in der Not noch einmal schnell vier weitere Panik-Millionen locker und Zaragoza tauchte dank einer Leihe schon im Winter auf. "Im Januar ist es nun einmal nicht einfach", analysierte später im April 2026 Gasperini mit Blick auf die schwierige Integration von Neuzugang Zaragoza während einer Saison.
Das hätte er wissen können, wenn er Thomas Tuchels Ratlosigkeit zwei Jahre zuvor gehört hätte. Der heutige Nationaltrainer Englands fand als Übungsleiter der Bayern überhaupt keinen Draht zu Neuzugang Zaragoza, der ohne sein gewohntes soziales und sportliches Umfeld sowie ohne vorhandene Sprachkenntnisse in Deutschland überfordert war. "Bryan fehlt in erster Linie einfach die Sprache. Es ist schwer auf Englisch und Deutsch, das ist ein elementarer Bestandteil", lautete das nüchterne Urteil. Zaragoza, der stets von einem Dolmetscher begleitet werden musste, fühlte sich auf der anderen Seite nicht integriert und warf Tuchel wiederum rückblickend vor, ihn nicht einmal gegrüßt zu haben.
171 Minuten (null Scorerpunkte) bekam der angeblich Ungegrüßte aber trotzdem von Tuchel bis zum Saisonende geschenkt. Das war es dann aber auch. Sowohl für Tuchel als auch für Zaragoza. Die Bayern begannen im Anschluss an die Tuchel-Trennung ihre eigene Trainerodyssee mit einem Happy End namens Vincent Kompany. Der wusste mit Zaragoza und der mangelnden Körperlichkeit des 1,64-Meter-Mannes aber ebenso wie sein Vorgänger nichts anzufangen und CA Osasuna erwies sich als dankbarer Abnehmer.
In der Heimat war er dann kurzzeitig auch wieder der Alte. Spielwitz und Selbstvertrauen kehrten zurück und als er im Nationaltrikot beim 3:2 gegen die Schweiz im November zum Matchwinner wurde, schoss er auch außerhalb des Platzes ganz unmissverständlich wieder scharf: "Fußball wird mit den Füßen gespielt, nicht mit der Sprache. Mehr muss ich dazu nicht sagen." Ein klarer Seitenhieb auf Tuchel.
Danach musste er allerdings schwiegen sowohl die feinen Füße als auch Zaragoza selbst wieder für längere Zeit. Ein Mittelfußbruch warf ihn abermals aus der Bahn, im weiteren Saisonverlauf folgte eine Muskelverletzung. Das Kapitel in Osasuna endete und wieder stand er bei den Bayern mit seinem bis 2029 laufenden Vertrag auf der Matte. Nachdem im Vorjahr ein gewisser Michael Olise eingetrudelt war, machte mittlerweile ein neuer Senkrechtstarter mit dem Namen Lennart Karl auf sich aufmerksam. Wieder keine Verwendung für Zaragoza, wieder eine Leihe. Die neue Hoffnung das jährliche Muster zu durchbrechen, lautete erstmals "Kaufpflicht", die Celta Vigo mit aufgedrückt wurde.
Doch daraus wurde nichts. Mal stand er in der Startelf, mal wurde er eingewechselt, mal musste er 90 Minuten zusehen. "Bryan befindet sich in einem normalen Anpassungsprozess", grüßte das Murmeltier in Form von Teamkollege Borja Iglesias mittlerweile dann auch schon aus der Heimat. Hatte Zaragoza sich mit seiner unorthodoxen Spielweise dann vielleicht doch gerade angepasst, war er schon wieder weg. Auch bei Celta, obwohl die Bedingungen (70 Prozent der möglichen Einsatzzeit und Platz elf in der Liga-Abschlusstabelle) im Winter noch absolut möglich waren.
Er wollte aber nach Rom: "Es ging alles ganz schnell: Von einem Tag auf den anderen hieß es, ein Wechsel zur Roma sei möglich, und ich habe keine Sekunde gezögert." Und na klar: "Ich kenne die Stadt nicht besonders gut, ich war noch nie dort, aber alle schwärmen von Rom. Ich komme mit dem großen Wunsch, alles kennenzulernen und lange hierzubleiben."
Nachdem Gasperini ihn wenige Wochen später angezählt hatte und Medienberichten zufolge aufgrund taktischer Mängel außen vorließ, zeigte sich der Roma-Trainer trotzdem optimistisch mit Blick auf einen möglichen Turnaround: "Wir hoffen, dass er im entscheidenden Moment das zeigen kann, was wir von ihm erwarten und woran wir glauben." Im entscheidenden Moment musste Zaragoza ganz unabhängig von seinen Leistungen allerdings zuschauen. Eine Knieentzündung machte ihm einen Strich durch die Rechnung. "Aw Sh*t, here we go again."
Privat soll er nur wenige Monate darauf sich eingestanden haben, dass der Wechsel nach Italien ein Fehler war. Nicht der erste des einst umjubelten Talents, das auf und neben dem Platz mit seiner Entscheidungsfindung zu kämpfen hat.
Doch während das Transferminus des FCB bei den sich anhäufenden Leihgebühren sowie Strafzahlungen der Leihklubs immer weiter schrumpft und sich die wiederholende Rückkehr-Tradition von Zaragoza fast schon zu einem schlechten Running Gag entwickelt, muss der Spieler selbst darum kämpfen, dass seine Karriere nicht nur eine traurige Pointe bleibt.
Dafür müsste er jetzt nur irgendwo einmal ein bisschen länger und vor allem verletzungsfrei bleiben. Barcelona soll ja wie Rom durchaus zu einem längeren Aufenthalt einladen. Und immerhin: Eine Sprachbarriere sollte es diesmal nicht geben, genau wie den grußlosen Tuchel.
Zeitraum
KLub
Spiele
Tore
Vorlagen
Einsatzminuten
2022 bis 2024
FC Granada
58
11
3
2.846
2024
FC Bayern
7
-
-
171
2024 bis 2025
CA Osasuna (Leihe)
28
1
6
1.882
2025
Celta Vigo (Leihe)
26
2
4
1.420
2026
AS Rom (Leihe)
6
-
1
191
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