"Es war einfach nicht so": Dino Toppmöller packt über Rausschmiss in Lens aus | Goal.com Deutschland

Nach dem Triumph im Supercup und einem Erfolg in der Champions League folgte bei RC Lens der plötzliche Rauswurf von Dino Toppmöller. Nun sprach der Ex-Frankfurt-Trainer über die Hintergründe.
Im Podcast seiner Berateragentur "Spielmacher von 360Media" erläuterte der 45-Jährige die Vorkommnisse rund um sein Aus beim französischen Erstligist nach lediglich sechs Pflichtspielen. Dieses kam äußerst überraschend, schließlich führte Toppmöller den Klub zunächst zum Gewinn des französischen Supercups gegen Serienmeister Paris Saint-Germain und verbuchte kurz vor seiner Demission einen Auswärtssieg in der Champions League bei Slavia Prag.
Die Stimmung innerhalb des Vereins schien zu diesem Zeitpunkt intakt. Präsident Joseph Oughourlian meldete sich laut Toppmöller unmittelbar nach dem Auswärtserfolg telefonisch in der Kabine, um seine Begeisterung auszudrücken. In Toppmöllers Augen seien damals "alle total euphorisch" und der Präsident "unfassbar glücklich, unfassbar stolz" gewesen.
Der Wendepunkt folgte in einem zweistündigen Gespräch, als Sportdirektor Jean-Louis Leca und Generaldirektor Benjamin Parrot dem Chefcoach eröffneten, dass eine Trennung von dessen langjährigem Co-Trainer Nelson Morgado angestrebt werde. Das Management bewertete den 39-jährigen Assistenten als "zu fordernd, zu laut, eckt mit zu vielen Menschen an". Morgado sei ein "Störfaktor" für das Binnenklima im Trainerstab.
Die Klubführung stellte Toppmöller daher vor ein Ultimatum: Entweder er trenne sich von seinem engen Weggefährten oder der Verein vollziehe einen personellen Schnitt auf der Position des Cheftrainers. Das Treffen sei dabei grundsätzlich sachlich verlaufen. Toppmöller gab an: "Das Gespräch war in den zwei Stunden ein sehr harmonisches. Sie wollten mich davon überzeugen, dass es auch für mich besser wäre und für die ganze Gruppe."
Für Toppmöller stand ein Verzicht auf seinen Assistenten allerdings nicht zur Debatte. "Wenn ich gesehen hätte, dass da ein extremes Fehlverhalten stattgefunden hätte, dann hätte ich das natürlich nicht tolerieren können. Aber es war einfach nicht so", sagte er und lehnte die Forderung der Führungsetage ab.
Die logische Konsequenz war das sofortige Ende seiner Amtszeit in Frankreich. Der Ex-Frankfurt-Trainer weiter: "Das gibst du ja nicht einfach so auf. Aber wenn ich Werte hätte verletzen müssen, dann nehme ich das in Kauf, dass ich dann in dem Moment keinen Job habe." Er fügte an: "Für mich war es keine Überlegung wert, jemanden fallen zu lassen, der nichts Außergewöhnliches gemacht hat. Und von daher ist es mir schon wichtig, dass ich jetzt heute noch in den Spiegel schauen kann, anstatt am Spielfeldrand zu stehen."
Die Entscheidung stieß auch in Toppmöllers Familie auf Unverständnis. Sein Vater Klaus Toppmöller, früherer Bundesligastürmer und lange Jahre selbst Trainer unter anderem in Frankfurt, Bochum und Leverkusen, sagte zur Entlassung seines Sohnes: "Sind die nicht mehr ganz dicht?"
Trotz zweier Freistellungen innerhalb eines Kalenderjahres strebt Toppmöller eine zügige Rückkehr an die Seitenlinie an. Eine längere Auszeit schließt er aus: "Ich brauch' jetzt kein Jahr Pause."
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